Gesellschaft gestalten. Position beziehen.

Ausgabe 04/2025

Titel des Magazins: grauhaariger Mann mit Bart in blauer Jacke

Die Ausgabe zur Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg

Wie bei vergangenen Wahlen meldet sich der Paritätische auch in diesem Jahr im Rahmen einer Kampagne zu Wort. Inhaltlich hat sich über die Jahre
eigentlich kaum etwas verändert: Wir kämpfen dafür, die Relevanz sozialer Arbeit sichtbar zu machen – in der Gesellschaft, vor allem aber bei den politischen Entscheidungsträger*innen. Wir weisen hin auf die gestiegenen Bedarfe der Menschen, auf die fast schon alltägliche prekäre Finanzierung Sozialer Arbeit und auf die stetig zunehmende Bürokratie, die Einrichtungen daran hindert, das zu tun, was im Mittelpunkt stehen sollte – nah bei den Menschen zu sein.

In Zeiten gesellschaftlicher Verunsicherung entscheidet sich gerade jetzt, ob Politik Halt vermittelt oder ob neue soziale Brüche entstehen. Ein geschwächter Sozialstaat würde Tür und Tor weiter öffnen für extremistische Kräfte: Wo Unterstützung zurückgeht und Perspektiven verloren gehen, gedeihen einfache Antworten – und gefährliche Radikalisierungen.

Wer den Sozialstaat zukunftsfest machen will, muss die Einnahmeseite in den Blick nehmen. Eine zeitgemäße Ausgestaltung von Vermögens- und
Erbschaftssteuer könnte stabile Grundlagen schaffen, ohne Familien, Pflegebedürftige oder Menschen in prekären Lebenslagen zusätzlich zu belasten. Soziale Sicherheit ist nicht Luxus, sondern Voraussetzung für demokratische Stabilität und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Artikel dieser Ausgabe

Im März 2026 steht Baden-Württemberg vor einer Landtagswahl, die mehr ist als ein parteipolitischer Richtungsentscheid. Sie ist ein Prüfstein für die Zukunftsfähigkeit unseres Gemeinwesens. Im Zentrum steht die Frage: Begreifen wir soziale Daseinsvorsorge als Fundament unserer Demokratie – oder missverstehen wir sie als verzichtbaren Kostenfaktor?

Bildungserfolge hängen stark mit der sozialen Herkunft zusammen. Kinder aus Familien mit geringem Einkommen oder mit Migrationsgeschichte tragen ein erhöhtes Risiko, im Schulsystem benachteiligt zu werden. 
Besonders gravierend ist die Situation bei der Inklusion: Trotz einzelner Fortschritte liegt die Exklusionsquote im Ländervergleich weiterhin sehr hoch, während die Inklusionsquote deutlich hinter anderen Bundesländern zurückbleibt.

Wenn ein Verein 42 Tage im Jahr mit Bürokratie verbringt, statt mit seiner eigentlichen Arbeit, läuft etwas falsch. Viele der rund fünf Millionen Engagierten in Baden-Württemberg erleben genau das – zusätzlich zu unsicheren Rahmenbedingungen.

Frau teilt sich in Gruppe mit

Sozialpsychiatrische Dienste (SpDi) und Tagesstätten sind zentrale Angebote für psychisch kranke Menschen. Sie sichern die Grundversorgung und können kostenlos und ohne Antragsverfahren genutzt werden. Beide Angebote sind jedoch zunehmend durch eine prekäre Finanzierung bedroht.

Die Möglichkeit, regelmäßig am sozialen und kulturellen Leben vor Ort teilzunehmen und sich selbst als wichtigen Teil der Gemeinschaft zu erleben, stärkt ein inklusives Zusammenleben. Sie entspricht den Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention (Artikel 30).
Die Teilhabe am sozialen Leben in der Gemeinschaft ist kein Luxus, sondern ein Rechtsanspruch, der nicht von der kommunalen Kassenlage abhängig sein darf.