Wenn ein Verein 42 Tage im Jahr mit Bürokratie verbringt, statt mit seiner eigentlichen Arbeit, läuft etwas falsch. Viele der rund fünf Millionen Engagierten in Baden-Württemberg erleben genau das – zusätzlich zu unsicheren Rahmenbedingungen.
Bürokratie lähmt Vorstandsarbeit
77 Prozent der Vereinsvorstände empfinden laut einer DSEE-Studie vom Februar 2025 die Bürokratie als erdrückend. Ein mittelgroßer Verein verbringt laut Normenkontrollrat jährlich 42 Tage mit Verwaltung. Die Folge: Vorstandspositionen bleiben vakant, Vereinen droht die Auflösung.
Das Land muss Verwaltungswege straffen und digitale Prozesse ausbauen, um die Vorstandsarbeit zu erleichtern – zusätzlich zu bereits eingeleiteten Maßnahmen.
Verlässliche Finanzierung statt Projektitis
Kurzzyklische Projektförderprogramme binden Ressourcen für Anträge und Nachweise. Vereine brauchen verlässliche Strukturförderung, die Planungssicherheit und bedarfsgerechtes Arbeiten ermöglicht.
Hauptamt als Engagement-Booster
Freiwilligenagenturen, Ehrenamtskoordinatoren und Selbsthilfekontaktstellen stärken das freiwillige Engagement. Sie unterstützen Ehrenamtliche professionell, beraten, vermitteln, sichern Qualität und Wissen. In diese hauptamtliche Basis muss investiert werden.
Ehrenamtskarte: Anreize für junge Menschen
Die neue Ehrenamtskarte ist ein wichtiges Element der Wertschätzung für freiwilliges Engagement. Für junge Menschen könnte sie noch attraktiver werden – beispielsweise durch Vorteile wie Studien-, Ausbildungs- oder Rentenpunkte.
Freiwilligendienste: Attraktivität erhöhen
Freiwilligendienste sind ein Gewinn für alle mit einem hohen Potenzial. Um mehr Menschen zu gewinnen, braucht es auskömmliches Freiwilligengeld und einen Rechtsanspruch durch den Bund. Die Landesmittel müssen mit der Kostenentwicklung Schritt halten, um finanzielle Stabilität und Qualität der Freiwilligendienste zu sichern.
Der Paritätische betont: Verantwortung entsteht aus Freiwilligkeit und Mitbestimmung, nicht aus Zwang. Deshalb: Freiwilligendienste stärken statt Pflichtdienst.