Nicht nur Arbeit – ein Platz im Leben. Für eine verlässliche Infrastruktur der Arbeitsmarktintegration

Träger der Arbeitsmarktintegration leisten Unverzichtbares – ihre Existenz hängt dennoch von unsicheren Strukturen ab
Mensch mit Behinderung gießt Blumen in Gärtnerei

Gemeinnützige Beschäftigungs- und Bildungsträger leisten Unverzichtbares für Qualifizierung, Teilhabe und den gesellschaftlichen Zusammenhalt – doch sie selbst müssen unter Bedingungen arbeiten, die ihre Existenz bedrohen. Warum Baden-Württemberg endlich eine verlässliche Infrastruktur der Arbeitsmarktintegration braucht.

Arbeitslosigkeit ist kein Randphänomen, sondern eine Realität, die Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenslagen trifft: Jugendliche nach einem Ausbildungsabbruch, Alleinerziehende ohne Betreuungsmöglichkeiten oder erfahrene Fachkräfte nach gesundheitlichen oder biografischen Einschnitten. Für sie entwickeln die gemeinnützigen Träger im Paritätischen seit Jahrzehnten passgenaue Angebote – flexibel, innovativ und wirksam.

Strukturelle Unterfinanzierung gefährdet bewährte Arbeit

Doch genau diese Stärke ist gefährdet, denn ihre Arbeit ist strukturell defizitär finanziert. Viele Träger kämpfen sich von Projekt zu Projekt, obwohl sie zentrale Aufgaben für unsere Volkswirtschaft und den sozialen Zusammenhalt übernehmen.
Die Folge ist fatal: Wertvolle Ressourcen fließen in Antragszyklen, kurzfristige Bewilligungen und immer neue Berichtspflichten – statt in die Menschen, um die es geht. Fachkräfte verlieren Gestaltungsspielräume, Teilnehmende verlieren Chancen und innovative Ansätze verlieren Möglichkeiten zur Entfaltung.

Vergabepraxis auf Kosten der Qualität

Verstärkt wird diese fehlende Verlässlichkeit durch ein Vergaberecht, das die Qualität der Arbeit zu wenig berücksichtigt. Entscheidend ist häufig der niedrigste Preis – nicht die fachliche Expertise oder die nachhaltige Wirkung eines Angebots.
Was als Wettbewerb gedacht ist, führt zu einem Qualitätsverlust, der letztendlich diejenigen trifft, für die eine Maßnahme vergeben wird. Nachhaltige Integration wird so verhindert, anstatt sie zu fördern.

Verwaltungsaufwand als zentrale Belastung

Gleichzeitig überlagert ein stetig wachsender Verwaltungsaufwand die Arbeit vor Ort. Die Träger und Betriebe werden von einem administrativen Kontrollapparat belastet, der Ressourcen bindet, aber kaum Nutzen für die fachliche Arbeit erbringt. Für viele Träger wird die Administration selbst zur größten Aufgabe – und damit zur größten Hürde.

Teilhabe ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Dabei ist klar: Teilhabe am Arbeitsleben ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Doch die Träger erleben zunehmend, dass sich viele Unternehmen aus Ausbildung und Qualifizierung zurückziehen. Die Verantwortung für die Integration benachteiligter Menschen bleibt damit weitgehend bei der öffentlichen Hand und den gemeinnützigen Trägern – ein strukturelles Ungleichgewicht, das weder nachhaltig noch gerecht ist.

Eine neue Allianz für Ausbildung und Arbeit

Es braucht daher eine neue „Allianz für Ausbildung und Arbeit“, die mehr bedeutet als Kooperation: Sie steht für ein verbindliches Verantwortungsbündnis. Das Land schafft verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit.
Die Träger bringen ihre sozialpädagogische Expertise ein.
Und die Wirtschaft beteiligt sich wieder aktiv an Ausbildung, Qualifizierung und Integration – als Investition in künftige Fachkräfte und in den sozialen Zusammenhalt.

 

Gruppensymbol

Als Verantwortliche für einen Träger der Beschäftigungsförderung mit über 40-jähriger Geschichte, frage ich mich schon manchmal, ob wir denn nur noch fremdbestimmter Dienstleister oder (wie früher)ein anerkannter und wichtiger Akteur bei der Lösung von sozialen Problemlagen sind. Es wird Zeit, dass unsere Erfahrung wieder zählt und wir gemeinsam mutig und konsequent an besseren Bedingungen für uns und die Förderung unserer Klientel arbeiten! Lasst uns also darüber reden, was wir im System verändern müssen! 
 

BIOTOPIA Arbeitsförderungsbetriebe Mannheim

Unsere Forderung zur Arbeitsmarktintegration

Megafon
  • eine verlässliche, langfristige und faire Finanzierung, die es unseren Trägern ermöglicht, wirksame Angebote auch in Zukunft anzubieten und zudem attraktive Arbeitgeber sein
  • einen Abbau überbordender Bürokratie, die die Arbeit der Träger und Fachkräfte lähmt, stattdessen braucht es eine Stärkung des Subsidiaritätsprinzips mit Vertrauen in die Fachlichkeit der Träger vor Ort
  • ein Vergaberecht, das die Qualität, Nachhaltigkeit und Innovationskraft von Angeboten in den Mittelpunkt stellt (und nicht lediglich den günstigsten Preis)
  • einen sozialen Arbeitsmarkt für Menschen, die die Erwartungen des ersten Arbeitsmarktes nicht mehr erfüllen können und der ihnen soziale Teilhabe und Sinnstiftung im beruflichen Tun ermöglicht
  • eine strategische Partnerschaft auf Augenhöhe zwischen Land, Wirtschaft und Trägern, die es ermöglicht, abgestimmte wirksame Lösungen für den Arbeitsmarkt der Zukunft zu entwickeln 
     
Ansprechperson