
Offene Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) ist ein zentrales Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe. Sie richtet sich an junge Menschen in all ihrer Vielfalt – unabhängig von sozialer Herkunft, Geschlecht, Bildungsstand, Behinderung oder sexueller Identität.
Jugendhäuser und -treffs, Aktivspielplätze und Jugendfarmen bieten freiwillige, niedrigschwellige Freizeit-, Bildungs- und Beteiligungsangebote. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene finden hier sichere Räume abseits von Schule und Elternhaus, die kostenlos nutzbar und pädagogisch begleitet sind.
Präventive Wirkung
Die OKJA schafft Räume der Selbstbestimmung und freiwilligen Mitgestaltung. Junge Menschen entscheiden selbst, ob und wie sie Angebote nutzen. Das stärkt Autonomie und Verantwortungsgefühl. Durch gelebte Partizipation, etwa bei der Planung von Projekten, werden sie ernst genommen und können Einfluss auf ihre Umgebung nehmen. So entstehen soziale Kompetenzen, Selbstbewusstsein und demokratisches Handeln.
Vertrauen und stabile Beziehungen zu pädagogischen Fachkräften ermöglichen zudem eine frühe Wahrnehmung von Problemen wie Isolation, Schulverweigerung oder Gewalterfahrungen. Die OKJA wirkt damit als Schutzraum, der begleitet und stabilisiert.
Psychische Gesundheit
Viele Kinder und Jugendliche stehen unter wachsendem Stress: digitale Überforderung, globale Krisen und Zukunftsängste belasten ihren Alltag. Die OKJA bietet Ausgleich und Schutz, vermittelt Zugehörigkeit und Anerkennung unabhängig von Leistung.
Pädagogische Fachkräfte geben Orientierung und Halt. Freiräume für Begegnung, Kreativität und Bewegung entlasten und fördern soziale Integration. Für junge Menschen mit psychischen Belastungen oder instabilen Lebenssituationen sind solche sicheren Orte besonders wertvoll. Die Angebote der OKJA ergänzen damit schulische und therapeutische Hilfesysteme sinnvoll.
Schutz durch Empowerment
Ziel der OKJA ist es, Selbstwirksamkeit zu fördern – das Erleben, dass eigenes Handeln etwas bewirkt. In kreativen Projekten und Beteiligungsangeboten können junge Menschen Ideen umsetzen und Verantwortung übernehmen.
Das stärkt Mut, Selbstvertrauen und Verantwortungsbereitschaft. Besonders in der Gewaltprävention spielt Empowerment eine zentrale Rolle: Wer sich selbst als handlungsfähig erlebt, kann Grenzen setzen und Unterstützung suchen.
Die Haltung der OKJA – geprägt von Respekt, Gleichberechtigung und Teilhabe – stärkt Schutzkompetenzen und Resilienz.
Stabile Rahmenbedingungen sichern
Damit diese Wirkung bestehen bleibt, braucht die Offene Kinder- und Jugendarbeit stabile Rahmenbedingungen. Für Baden-Württemberg heißt das: Die Landespolitik muss die OKJA als fundamentale Säule der Kinder- und Jugendhilfe begreifen und die Rahmenbedingungen entsprechend gestalten.