Soziale Arbeit hält jeden Tag, was Politik verspricht

Wer die Zukunft des Landes sichern will, muss soziale Daseinsvorsorge zur politischen Priorität machen

Im März 2026 steht Baden-Württemberg vor einer Landtagswahl, die mehr ist als ein parteipolitischer Richtungsentscheid. Sie ist ein Prüfstein für die Zukunftsfähigkeit unseres Gemeinwesens. Im Zentrum steht die Frage: Begreifen wir soziale Daseinsvorsorge als Fundament unserer Demokratie – oder missverstehen wir sie als verzichtbaren Kostenfaktor?

Es ist ein Versprechen unseres Grundgesetzes und unserer baden-württembergischen Landesverfassung: Die Bundesrepublik Deutschland, das Land Baden-Württemberg, sind ein „sozialer Rechtsstaat“. Dieser soziale Rechtsstaat ist kein Sammelsurium einzelner Leistungen, sondern eine „integrierende Kraft“ (Prof. Dr. Lars Brocker, FAZ, 30.10.2025), die Freiheit, Sicherheit und Teilhabe miteinander verbindet.

Diese Balance schafft die Voraussetzungen, unter denen Menschen als aktive Bürgerinnen und Bürger am öffentlichen Leben teilhaben können. Diese integrierende Kraft ist eine Errungenschaft, auf die wir stolz sein dürfen – und die wir verteidigen müssen. Sie ist ein zivilisatorischer Fortschritt, der nicht zur Disposition stehen darf.

Soziale Arbeit als Produktivkraft

Soziale Daseinsvorsorge ist längst mehr als individuelle Unterstützung. Sie ist auch ein Produktivfaktor für unsere gesamte Gesellschaft.

Die Sozialwirtschaft – mit ihren Kitas, Pflegeeinrichtungen, Beratungsstellen, Familienzentren, Angeboten der Eingliederungshilfe, Jugendarbeit und vielem mehr – belebt Regionen, schafft Arbeitsplätze und ermöglicht Unternehmen, Fachkräfte zu gewinnen, die auf verlässliche Betreuung und soziale Infrastruktur angewiesen sind.

Gerechte Finanzierung als Ausdruck sozialer Verantwortung

Doch genau diese Strukturen geraten zunehmend unter Druck. Kommunen stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand – besonders bedroht sind kleine soziale Einrichtungen.
Wenn Dienste eingeschränkt oder gar geschlossen werden müssen, entstehen Lücken, die weit mehr als organisatorische Leerstellen sind: Es sind Risse im sozialen Gefüge – mit Folgen für Teilhabe, Zusammenhalt und demokratische Resilienz.

Bereits jetzt können die Bedarfe vieler Menschen nicht gedeckt werden: Zu wenige Plätze in Frauenhäusern, eine deutlich gestiegene und nicht zu deckende Nachfrage nach Suizidprävention, fehlende Pflegeheimplätze und vieles mehr. Der Bedarf übersteigt vielerorts das Angebot deutlich.

Politischer Mut ist jetzt gefragt

Es braucht eine Neuordnung der Finanzbeziehungen zwischen Bund, Ländern und Kommunen, die verbindliche Anwendung des Konnexitätsprinzips und eine Neujustierung des kommunalen Finanzausgleichs.

Bürokratieabbau ist dafür ebenso zentral wie eine gerechte Finanzierung. Eine maßvoll ausgestaltete Vermögens- und eine gerechtere Erbschaftssteuer könnten dringend benötigte Mittel bereitstellen – nicht als ideologisches Projekt, sondern als Ausdruck sozialer Verantwortung.

Nur ein handlungsfähiger Sozialstaat macht unser Land widerstandsfähig

Für den Paritätischen Baden-Württemberg ist klar: Die neue Landesregierung muss die soziale Zukunft Baden-Württembergs zum Kern ihres politischen Handelns machen. Die Landtagswahl am 8. März 2026 ist daher kein Ritual, sondern ein Auftrag. Baden-Württemberg muss bereit sein, seine soziale Infrastruktur zu schützen und weiterzuentwickeln.

Denn soziale Arbeit hält jeden Tag, was Politik verspricht: Sie stärkt Menschen, schafft Chancen und verbindet Gesellschaft. Nur ein handlungsfähiger Sozialstaat macht unser Land widerstandsfähig – und unsere Demokratie stark.