Gesellschaft gestalten. Position beziehen.

Ausgabe 04/2025

Titel des Magazins: grauhaariger Mann mit Bart in blauer Jacke

Die Ausgabe zur Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg

Wie bei vergangenen Wahlen meldet sich der Paritätische auch in diesem Jahr im Rahmen einer Kampagne zu Wort. Inhaltlich hat sich über die Jahre
eigentlich kaum etwas verändert: Wir kämpfen dafür, die Relevanz sozialer Arbeit sichtbar zu machen – in der Gesellschaft, vor allem aber bei den politischen Entscheidungsträger*innen. Wir weisen hin auf die gestiegenen Bedarfe der Menschen, auf die fast schon alltägliche prekäre Finanzierung Sozialer Arbeit und auf die stetig zunehmende Bürokratie, die Einrichtungen daran hindert, das zu tun, was im Mittelpunkt stehen sollte – nah bei den Menschen zu sein.

In Zeiten gesellschaftlicher Verunsicherung entscheidet sich gerade jetzt, ob Politik Halt vermittelt oder ob neue soziale Brüche entstehen. Ein geschwächter Sozialstaat würde Tür und Tor weiter öffnen für extremistische Kräfte: Wo Unterstützung zurückgeht und Perspektiven verloren gehen, gedeihen einfache Antworten – und gefährliche Radikalisierungen.

Wer den Sozialstaat zukunftsfest machen will, muss die Einnahmeseite in den Blick nehmen. Eine zeitgemäße Ausgestaltung von Vermögens- und
Erbschaftssteuer könnte stabile Grundlagen schaffen, ohne Familien, Pflegebedürftige oder Menschen in prekären Lebenslagen zusätzlich zu belasten. Soziale Sicherheit ist nicht Luxus, sondern Voraussetzung für demokratische Stabilität und gesellschaftlichen Zusammenhalt. 

Die Produktion des Verbandsmagazins wurde von der GlücksSpirale gefördert.

 

GlücksSpirale

Artikel dieser Ausgabe

Verschärfungen des europäischen Asylrechts, Debatten über Abschottung und Begrenzung sowie migrationsfeindliche Narrative prägen weiterhin die Flüchtlings- und Migrationspolitik. Auch auf Länderebene sind diese Themen zentral: In Baden-Württemberg leben rund 2,05 Millionen ausländische Staatsangehörige. Das Land steht in der Verantwortung, eine Migrations- und Flüchtlingspolitik umzusetzen, die Geflüchtete schützt, Integrationsmaßnahmen fördert und gemeinsam mit den Kommunen Lösungen für bestehende Herausforderungen entwickelt. Dazu gehört, faire und menschenwürdige Aufnahmebedingungen zu
Eine gute Familienpolitik unterstützt Familien im Alltag und in Krisensituationen. Daher muss die Umsetzung der im September 2024 vorgelegten Familienförderstrategie des Landes Baden-Württemberg in der neuen Legislaturperiode oberste Priorität erhalten. Armutsgefährdung und ungleicher Zugang zu Angeboten Laut dem Gesellschaftsreport 2-2024 des Sozialministeriums sind rund ein Viertel aller Familien in Baden-Württemberg armutsgefährdet. Bei Ein-Eltern-Familien liegt die Quote sogar bei über 40 Prozent. Gleichzeitig ist der Zugang zu familienunterstützenden Angeboten stark vom Wohnort abhängig
Aktuelle Auswertungen zeigen, dass Eltern je nach Kommune zwischen 0 Euro und über 600 Euro pro Monat für einen Kita-Platz zahlen – und das bei vergleichbarem Betreuungsumfang. Während einige Landkreise die Beiträge vollständig übernehmen, müssen Familien in anderen Kommunen mehrere tausend Euro pro Jahr aufbringen. Damit entscheidet nicht die soziale Lage der Familie, sondern der Wohnort darüber, wie gut der Zugang zu früher Bildung finanzierbar ist. Chancengerechtigkeit für alle Kinder Diese Situation widerspricht dem Anspruch des Landes auf Chancengerechtigkeit und Bildungsgerechtigkeit
Fast jede fünfte Person in Baden-Württemberg gilt nach Abzug der Wohnkosten als arm. Die Anzahl der Sozialmietwohnungen liegt – trotz eines Anstiegs – noch weit unter dem tatsächlichen Bedarf. Gleichzeitig steigen Räumungsklagen, Mieten und Mietnebenkosten. Die Dynamik auf dem Wohnungsmarkt verschärft die soziale Ungleichheit und treibt immer mehr Menschen in existenzielle Notlagen. Gleichzeitig gerät die Wohnungsnotfallhilfe aufgrund unzureichender Förderung zunehmend unter personellen und finanziellen Druck. Wohnen als neuer Armutstreiber Steigende Angebotsmieten, ein seit Jahren
Wer Resozialisierung ernst nimmt, schafft nicht nur individuelle Perspektiven, sondern schützt Straftäter*innen vor Rückfällen und stärkt das Vertrauen der Allgemeinheit in den Rechtsstaat. Resozialisierung darf kein freiwilliges Engagement bleiben, sondern muss strukturell und finanziell abgesichert sein. Wirksame Prävention und moderner Strafvollzug setzen auf Teilhabe statt Ausgrenzung. Das Netzwerk Straffälligenhilfe Baden-Württemberg, dem der Paritätische angehört, steht für wirksame Resozialisierung und Haftvermeidung. Die Projekte zeigen seit Jahren, wie Wiedereingliederung und die
Die Suchtprävention in Baden-Württemberg ist nicht überall gleich gut ausgebaut und vielerorts unzureichend finanziert. Der Zugang zu effektiven Programmen hängt stark vom Wohnort ab. Es fehlen eine verlässliche Regelfinanzierung, landesweite Standards und eine abgestimmte Strategie. Seit dem Inkrafttreten des Cannabisgesetzes erreichen Frühinterventionsprogramme weniger Jugendliche, und Überweisungen von Justiz oder Jugendhilfe erfolgen kaum. Gleichzeitig ist Alkoholkonsum unter Jugendlichen weiterhin verbreitet und erhöht das Risiko späterer Suchterkrankungen. Hinzu kommt die wachsende
Die Umsetzung der neuen EU-Kreditvergaberichtlinie verschärft die Anforderungen an Kreditgeber, erweitert die Schutzrechte der Verbraucher*innen und verändert die Beratungslandschaft. Für Baden-Württemberg wird durch die neue Richtlinie mit einem zusätzlichen Beratungsmehrbedarf von fünf bis zwanzig Prozent gerechnet. Der Stand des Ausführungsgesetzes zeigt vor dem Hintergrund der bereits erreichten Kapazitätsgrenzen der sozialen Schuldnerberatung deutlich: Ohne strukturellen Ausbau drohen Versorgungslücken, längere Wartezeiten, reduzierte Beratungsqualität und die Verdrängung besonders
Auch in Baden-Württemberg ist Armut ein ungelöstes und meist vererbtes Problem. Besonders betroffen sind Ein-Eltern-Familien, Familien mit drei und mehr Kindern, Migrant*innen, Erwerbslose und Menschen ab 65 Jahren. Am stärksten armutsgefährdet sind Kinder und Jugendliche bis 25 Jahre. Kinderarmut – keine Frage der Schuld Die Armut von Kindern ist nie selbst verschuldet, sondern immer begründet in der Armut der Eltern. Sie bestimmt nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Zukunft der betroffenen Kinder und Jugendlichen. Armut bremst aus und verhindert gleichberechtigte Teilhabe. Kinderarmut
Das BKA-Bundeslagebild Häusliche Gewalt 2024 zeigt: Die Zahl der Opfer erreicht einen neuen Höchststand. In Deutschland wurden 2024 insgesamt 265.942 Menschen polizeilich als Opfer Häuslicher Gewalt registriert – eine Zunahme von 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Rund 70 Prozent davon waren Frauen. Von Partnerschaftsgewalt waren 171.069 Betroffene betroffen. In Baden-Württemberg wurden 18.538 Mädchen und Frauen von Partnern, Ex-Partnern oder Verwandten misshandelt. Darüber hinaus verzeichnet das Lagebild 2024 einen dramatischen Anstieg bei sexueller und digitaler Gewalt. Täterarbeit muss
Am 25. November 2025, dem Tag gegen Gewalt an Frauen, hat das Bundeskriminalamt die polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2024 veröffentlicht. Wie in jedem Jahr seit der Veröffentlichung eines Bundeslagebildes Häusliche Gewalt folgt ein Höchststand im Hellfeld dem nächsten. Immer mehr Gewaltbetroffene wenden sich hilfesuchend an die Polizei – doch dies ist nur die Spitze des Eisbergs. Schutz und Beratung ausbauen Das 2025 verabschiedete Gewalthilfegesetz ist der Treiber für den Ausbau von Frauenhausplätzen und Frauenberatungsstellen. Es holt den Gewaltschutz aus der kommunalen