Suchthilfe stärken, Prävention fördern – die Opioidkrise von morgen verhindern

Suchtprävention in Baden-Württemberg ist lückenhaft – eine landesweite Strategie ist dringend nötig, um Jugendliche zu schützen und Drogentote zu verhindern

Die Suchtprävention in Baden-Württemberg ist nicht überall gleich gut ausgebaut und vielerorts unzureichend finanziert. Der Zugang zu effektiven Programmen hängt stark vom Wohnort ab. Es fehlen eine verlässliche Regelfinanzierung, landesweite Standards und eine abgestimmte Strategie.

Seit dem Inkrafttreten des Cannabisgesetzes erreichen Frühinterventionsprogramme weniger Jugendliche, und Überweisungen von Justiz oder Jugendhilfe erfolgen kaum. Gleichzeitig ist Alkoholkonsum unter Jugendlichen weiterhin verbreitet und erhöht das Risiko späterer Suchterkrankungen. Hinzu kommt die wachsende Bedeutung der Medien- und Internetsucht: Lange Onlinezeiten gehören für viele Kinder und Jugendliche zum Alltag – mit zunehmenden Risiken für ihre gesunde Entwicklung. Auch beim Alkohol ist ein früher Konsum gesundheitsschädlich und kann spätere Suchterkrankungen fördern.
Es braucht eine landesweite Strategie, um junge Menschen zu stärken und Prävention langfristig zu sichern. Dazu gehören eine verlässliche Regelfinanzierung, landesweite Qualitätsstandards sowie der Ausbau von Präventions- und Fachstellen – auch im Bereich der Mediensucht.

Drogentote verhindern

Die Zahl der Drogentoten in Baden-Württemberg ist im Jahr 2024 um 40 Prozent gestiegen – der höchste Stand seit 20 Jahren. Gefährliche Substanzen wie Fentanyl gelangen zunehmend in den Umlauf. Konsument*innen wissen oft nicht, welche Stoffe sie zu sich nehmen. Das führt zu medizinischen Notfällen, Todesfällen und einer steigenden Belastung von Notaufnahmen und Rettungsdiensten.

Die Versorgung ist besonders im ländlichen Raum angespannt: Substitutionsplätze fehlen, Entzugsangebote für Jugendliche sind zu knapp und frühzeitige Warnsysteme fehlen, die gezielte Maßnahmen ermöglichen. Die Entlassung von Naloxon aus der Verschreibungspflicht eröffnet neue Chancen für wirksame Veränderungen, die auch Baden-Württemberg nutzen sollte.

Zur Landtagswahl 2026 appelliert der Paritätische an die Politik: Es muss auf frühzeitige Prävention und flächendeckende Versorgung gesetzt werden, um die Drogenkrise nachhaltig zu bekämpfen.

 

Gruppensymbol

Die Anzeichen zu einer neuen Opioidkrise verdichten sich. Es ist daher im Sinne des Schutzes vor allem der jungen Bevölkerung völlig unverständlich, dass wichtige präventive Maßnahmen von Politik und Verwaltung nicht umgesetzt werden. 
 

Drogenverein Mannheim e.V.

Unsere Forderungen für die Sucht- und Drogenhilfe

Megafon
  • Flächendeckende Versorgung relevanter Hilfesysteme mit Naloxon-Nasenspray
  • Höhere Anreize für Ärztinnen/Ärzte, Substitutionsangebote zu schaffen
  • Gefahren frühzeitig erkennen durch Drogen-Monitoring (z. B. Obduktionen, Spritzen-Tests, Drugchecking)
  • Junge Menschen besser schützen: mehr spezialisierte Entzugsangebote in Krankenhäusern und Psychiatrien
  • Landesweite Rahmenbedingungen in der Frühintervention: klare Standards zur Förderung der Zusammenarbeit von Justiz, Jugendhilfe und Suchthilfe
  • Gesamtstrategie für Suchtprävention an Schulen: landesweite Strategie sowie gesicherte Finanzierung über den Haushalt des Kultusministeriums
  • Initiative im Bundesrat: Die Landesregierung soll sich Bayern anschließen und sich für die Abschaffung des begleiteten Trinkens ab 14 Jahren einsetzen
  • Nachhaltige Sicherung der Suchthilfeangebote durch Dynamisierung der Landesförderung 
     
Ansprechperson