
Auch in Baden-Württemberg ist Armut ein ungelöstes und meist vererbtes Problem. Besonders betroffen sind Ein-Eltern-Familien, Familien mit drei und mehr Kindern, Migrant*innen, Erwerbslose und Menschen ab 65 Jahren. Am stärksten armutsgefährdet sind Kinder und Jugendliche bis 25 Jahre.
Kinderarmut – keine Frage der Schuld
Die Armut von Kindern ist nie selbst verschuldet, sondern immer begründet in der Armut der Eltern. Sie bestimmt nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Zukunft der betroffenen Kinder und Jugendlichen.
Armut bremst aus und verhindert gleichberechtigte Teilhabe. Kinderarmut darf nicht in Erwachsenenarmut münden und später in Altersarmut übergehen.
Laut einer OECD-Studie dauert es in Deutschland rund sechs Generationen – etwa 180 Jahre –, um Armut zu überwinden. Den Kreislauf von Armut und der Weitergabe an folgende Generationen gilt es zu durchbrechen – mit politischem Willen, gesellschaftlicher Solidarität und mutigen, strukturellen Reformen.
Bildung – gerecht und für alle gleichermaßen
In Baden-Württemberg ist der Bildungserfolg stark vom sozialen Status des Elternhauses abhängig. Kinder starten dadurch mit ungleichen Chancen ins Bildungssystem. Je geringer der Bildungsstand der Eltern, desto geringer sind die Chancen der Kinder, einen höheren Bildungsabschluss zu erreichen – und damit ihr Armutsrisiko zu senken.
Bildung ist ein entscheidender Schlüssel, um Persönlichkeit zu entfalten und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Sie eröffnet Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, eigene Talente zu entwickeln und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Werden Chancen nicht gewährt, führt dies zu geringeren Bildungs- und späteren Beschäftigungsperspektiven.
Bildungsgerechtigkeit braucht strukturelle Reformen
Armut ist ein Problem, das alle angeht – die Politik, Initiativen, Träger der freien Wohlfahrtspflege, aber auch Gesellschaft und Unternehmen.
Ohne gut ausgebildete junge Menschen fehlen zukünftige Fachkräfte, und ohne Chancengerechtigkeit sind gesellschaftlicher Zusammenhalt und eine starke Demokratie kaum möglich.
Der Paritätische Baden-Württemberg macht deutlich: Neben finanziellen Ansätzen ist ein gerechtes, modernes und leistungsfähiges Bildungssystem der wirksamste Hebel, um Armut zu verhindern und die Vererbung sozialer Ungleichheit aufzubrechen.