
Wer Resozialisierung ernst nimmt, schafft nicht nur individuelle Perspektiven, sondern schützt Straftäter*innen vor Rückfällen und stärkt das Vertrauen der Allgemeinheit in den Rechtsstaat. Resozialisierung darf kein freiwilliges Engagement bleiben, sondern muss strukturell und finanziell abgesichert sein. Wirksame Prävention und moderner Strafvollzug setzen auf Teilhabe statt Ausgrenzung.
Das Netzwerk Straffälligenhilfe Baden-Württemberg, dem der Paritätische angehört, steht für wirksame Resozialisierung und Haftvermeidung. Die Projekte zeigen seit Jahren, wie Wiedereingliederung und die Vermeidung von Ersatzfreiheitsstrafen gelingt – vorausgesetzt, die politischen und finanziellen Rahmenbedingungen stimmen.
Die Kooperationsvereinbarung zur Integration von Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten verbindet Justiz, Sozialwesen und Zivilgesellschaft. Damit sie wirksam bleibt, muss sie gestärkt und aktiv weiterentwickelt werden.
Die Ausweitung der Angebote auf Menschen mit ausländerrechtlichem Status ist wichtig. Dieser Personenkreis wächst und hat oft einen besonders komplexen Unterstützungsbedarf.
Für die schwerwiegenden Folgen der Inhaftierung eines Elternteils braucht es spezielle Angebote für die Familienangehörigen. Rund 10.000 Kinder in Baden-Württemberg sind von einem plötzlichen Beziehungsabbruch durch die Inhaftierung betroffen, viele davon psychisch belastet. Das Eltern-Kind-Projekt schlägt Brücken zwischen Haft und Familie und muss strukturell und finanziell gesichert werden – durch das Justizministerium und die Jugendhilfe.
Programme wie „Schwitzen statt Sitzen“, „Aufsuchende Sozialarbeit“ und „Treuhänderische Geldverwaltung“ verhindern Freiheitsstrafen, reduzieren Hafttage und entlasten den Landeshaushalt jährlich um rund 10 Millionen Euro. Sie sind bewährte Alternativen, die Resozialisierung und Verantwortung verbinden.
Schuldenprävention und Wiedereingliederung
Überschuldung gehört zu den größten Rückfallrisiken. Das Projekt „Schuldenberatung in Haft“ bietet Gefangenen einen schuldenfreien Neustart und sollte auf den Maßregelvollzug ausgeweitet werden.
Ein gezieltes Übergangsmanagement, kombiniert mit individueller Begleitung, senkt Rückfälle und spart Kosten für die Allgemeinheit. Projekte wie „Wiedereingliederung psychisch auffälliger Gefangener“, „Wiedereingliederung älterer Gefangener“ oder „INSAperspektive“ zur Arbeitsintegration zeigen, wie gelungene Übergänge aus der Haft in Arbeit und Alltag funktionieren.