
Sozialpsychiatrische Dienste (SpDi) und Tagesstätten sind zentrale Angebote für psychisch kranke Menschen. Sie sichern die Grundversorgung und können kostenlos und ohne Antragsverfahren genutzt werden. Beide Angebote sind jedoch zunehmend durch eine prekäre Finanzierung bedroht.
Sozialpsychiatrische Dienste: Beratung, Betreuung und Krisenhilfe
In Baden-Württemberg gibt es 69 sozialpsychiatrische Dienste. Sie leisten Vorsorge, Nachsorge, Krisenintervention und vermitteln Hilfen – insbesondere für psychisch kranke Menschen, die nicht mehr oder noch nicht wieder zu einer selbstständigen Lebensführung in der Lage sind.
Darüber hinaus sind sie wichtige Ansprechpartner für Angehörige psychisch erkrankter Menschen.
Im Jahr 2024 haben die SpDis 32.574 Personen beraten und begleitet. Die Zahl der unterstützten Menschen steigt stetig, gleichzeitig verlängern sich die Wartezeiten auf einen Termin.
Die Qualität der Grundversorgung hängt nicht zuletzt von der Finanzierung ab. Diese setzt sich aus Landesmitteln, den sogenannten „Freiwilligkeitsleistungen“ der Stadt- und Landkreise sowie Eigenmitteln der Träger zusammen. Seit 2021 ist die Landesförderung jedoch nicht gestiegen, während die Kosten, etwa durch Lohnsteigerungen, weiterwachsen. Das bringt immer mehr SpDis zunehmend in die Bredouille.
Tagesstätten für psychisch erkrankte Menschen
In Baden-Württemberg gibt es 105 Tagesstätten, mindestens eine in jedem der 44 Stadt- und Landkreise. Sie sind montags bis freitags geöffnet, teilweise auch am Wochenende, im Schnitt knapp 4 Stunden täglich.
Tagesstätten geben chronisch psychisch kranken Menschen Struktur und Perspektive: Sie sind für rund 2.000 Menschen ein zentraler Grund morgens aufzustehen, täglich das Haus zu verlassen, um andere Menschen zu treffen, gemeinsam tätig zu sein, zu Mittag zu essen und so am Leben teilzunehmen.
Die Finanzierung erfolgt über die Stadt- und Landkreise im Rahmen der sozialen Daseinsvorsorge und damit als sogenannte Freiwilligkeitsleistungen. Eine Landesförderung wie bei den SpDis gibt es nicht. Damit hängen die Tagesstätten stark von der Finanzkraft der Kommunen ab. Angesichts aktuell knapper Haushalte drohen Kürzungen, die zu eingeschränkten Öffnungszeiten oder gar Schließungen führen können.
Konsequenzen von Einsparungen
SpDis und Tagesstätten helfen psychisch kranken Menschen, Stabilität zurückzugewinnen, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden und am Gemeinschaftsleben teilzunehmen.
Würde die Grundversorgung verschlechtert, wäre mit einem Anstieg im Bereich der Eingliederungshilfe, steigenden Klinikaufenthalten und einem erhöhten Risiko von Wohnungslosigkeit zu rechnen.
Bei der Grundversorgung psychisch kranker Menschen zu sparen, bedeutet mehr individuelles Leid und langfristig höhere gesellschaftliche Kosten.