Der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg fordert wirksamen Spielerschutz

Pressemitteilung - geschrieben am Dienstag, 28. September 2021 - 10:58

Stuttgart/Mannheim 28.09.2021   Der Glücksspielstaatsvertrag (seit 01.07.2021in Kraft) legalisiert Online-Glücksspiele. Der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg sieht darin ein erhöhtes Risiko für Online-Spieler. Der Verband fordert zum „Aktionstag gegen Glücksspielsucht“ (29.09.) feste, einheitliche Standards beim geplanten Online-Früherkennungssystem zum individuellen Glückspielverhalten. Die Nutzung müsse wissenschaftlich begleitet und auf ihre Wirksamkeit überprüft werden.

„Wir betrachten die Legalisierung der Online-Glücksspiele im neuen Staatsvertrag mit großer Sorge. Online-Glücksspiele sind besonders gefährlich. Die Internetseiten sind leicht zugänglich, rund um die Uhr verfügbar und kaum kontrollierbar für das soziale Umfeld. Besonders einfach ist es, mit dem Smartphone, weitgehend unbemerkt, von überallher zu spielen“, erklärt Ursel Wolfgramm, Vorstandvorsitzende des PARITÄTISCHEN Baden-Württemberg. Das bedeute für Menschen mit problematischem Spielverhalten ein zusätzliches Risiko und könne leicht zum Verhängnis werden. Finanzielle Nöte, Trennung, Scheidung, suizidale Krisen, Arbeitsplatzverlust und sozialer Abstieg seien die unmittelbare Folge. Daran ändere auch das im neuen Staatsvertrag festgelegte Einsatzlimit von 1.000 € pro Monat nichts. „Dieser Betrag ist viel zu hoch. Er wird der prekären Lage, in der sich Spieler*innen und ihre Angehörigen vielfach befinden, nicht gerecht“, so Wolfgramm weiter. Das im neuen Staatsvertrag vorgesehene Online-Früherkennungssystem zum individuellen Glückspielverhalten sei eine Chance, individuelles Suchtverhalten rechtzeitig zu erkennen. Allerdings müsse das geplante automatisierte, von Algorithmen abhängige Online-Früherkennungssystem das Spielverhalten plattformübergreifend registrieren und datenschutzrechtskonform sein. Dazu brauche es ein einheitliches System, das jegliche Interessenskonflikte von Spiele-Anbietern verhindert. Zusätzlich sei eine unabhängige, wissenschaftliche Begleitforschung zum Nutzen dieses Früherkennungssystems erforderlich, deren Erkenntnisse in die Umsetzung einfließen, so die Vorstandsvorsitzende.

„Wir sehen die Legalisierung von Online Casinos und Sportwetten mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag sehr kritisch“, sagt Kay Toewe, Sozialtherapeut bei der bwlv Fachstelle Sucht in Mannheim. Vor allem Jugendlichen und jungen Erwachsenen werde damit der Zugang zum Glücksspiel deutlich vereinfacht und weniger kontrollierbar. „Online ist der Bezug zum realen Geldwert noch weniger gegeben wie bei terrestrischen Angeboten. Darüber hinaus werben viele ehemalige Sportgrößen insbesondere für online Sportwetten, was für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein weiterer Anreiz sein kann“, so Toewe.

Laut einer aktuellen Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) (Quelle: DHS Jahrbuch Sucht 2021) liegt bei 229.000 Personen im Alter von 16 bis 70 Jahren ein problematisches Spielverhalten vor. Die Suchthilfestatistik für Baden-Württemberg 2019 spricht von 3.256 Klient*innen, die im Zusammenhang mit pathologischem Spielverhalten beraten wurden.

Pressekontakt Fachstelle Sucht des bwlv Mannheim: Kay Toewe, Sozialtherapeut, Tel. 0621 / 84 250 680, E-Mail: Kay.Toewe@bw-lv.de

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