Ausstellungseröffnung Inklusionsbilderkampagne mit Interviews

Fachinformation - geschrieben am 02.06.2022 - 12:41

„Inklusion ist die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen in unserer Gesellschaft“, erinnert Norbert Weiß, Vorstandsmitglied beim PARITÄTISCHEN Kreisverband Freiburg/Breisgau-Hochschwarzwald und Geschäftsführer des Ring der Körperbehinderten Freiburg bei der Ausstellungseröffnung der Inklusionsbilder in der Freiburger Stadtbibliothek am 30. Mai 2022 den gut 50 Gästen. Unter ihnen waren neben Vertretern der Freiburger Stadtverwaltung, des Gemeinderats und sozialen Organisationen durch die öffentliche Plakatierung auch viele Privatpersonen.

Die durch die Volker Homann-Stiftung geförderte Ausstellung: „Inklusion ist für mich…“ des PARITÄTISCHEN Regionalverbundes Südbaden und des Selbsthilfebüros Freiburg/Breisgau-Hochschwarzwald soll das Thema Inklusion in die öffentliche Wahrnehmung rücken. Menschen mit und ohne Behinderung erklären, was Inklusion für sie bedeutet. Zu Wort kommen Menschen aus unterschiedlichsten Teilen der Gesellschaft, die mit ihrer Stellungnahme deutlich machen: Inklusion geht uns alle an!

„Ich freue mich, dass wir diese wichtige Ausstellung an einem so zentralen Ort zeigen können und hoffe, dass sie viele Menschen dazu anregt, sich mit dem Thema Inklusion zu beschäftigen“, sagt Freiburgs Erster Bürgermeister Ulrich von Kirchbach in seinem Redebeitrag. Er berichtete von den kommunalen Aktivitäten im Rahmen des ‚Aktionsplans Inklusion‘ mit den Themen Arbeit, Ausbildung und Beschäftigung. Zudem möchte er die Teilhabe von Menschen mit Behinderung bei Sportangeboten langfristig noch mehr unterstützen. Aus diesem Grund habe sich die Stadt Freiburg erfolgreich als Gastgeberstadt für eine Delegation im Vorfeld der Special Olympics World Games beworben. Vom 12. bis 15. Juni 2023 werden 45 Sportlerinnen aus Algerien zu Gast sein. Gemeinsam mit Menschen mit geistiger Behinderung und verschiedenen Akteuren aus dem Sportbereich und den kommunalen Behindertenbeauftragten würde die Stadt für den viertägigen Aufenthalt ein Programm mit gemeinsamem Sportangeboten, Ausflügen und anderen Aktivitäten organisieren.

„So bunt wie die Facetten der Inklusion sind, so schwarz sah es für dieses Thema in den letzten beiden Jahren leider aus“, sagte Norbert Weiß später. Die Corona-Pandemie habe die weitere Umsetzung der Inklusion nicht nur zum Stillstand gebracht, sondern auch Erfolge aus der Vergangenheit teilweise leider wieder zunichte gemacht. Gerade in seinem Arbeitsfeld der Behindertenhilfe registriere er beispielsweise dass die Folgen der sozialen Isolation vieler Menschen mit Behinderungen in ihrer Gesamtheit und Schwere für die Zukunft noch gar nicht komplett absehbar seien. Menschen mit Behinderung wären in den diversen Corona-Verordnungen bestenfalls miterwähnt aber in der Regel nicht wirklich adäquat mitbedacht worden. Eine von Aktion Mensch beauftragte Studie mache deutlich, dass Menschen mit Schwerbehinderung in Corona-Zeiten deutlich öfter von Arbeitslosigkeit betroffen waren und sind als der Bevölkerungsdurchschnitt.

Damit wir alle dieses wichtige Thema im Blick behalten, ist es sinnvoll und notwendig, immer wieder dafür zu sensibilisieren und zu werben. „Dazu ist diese Ausstellung hier aus meiner Sicht hervorragend geeignet“, so Weiß. Er dankte Annika Beutel und alle weiteren Aktiven des Paritätischen Regionalverbunds Südbaden für die Idee, Konzeption und tatkräftige Umsetzung dieser Ausstellung und wünschte den Gästen spannende Einsichten.

 

Spannende Einsichten bot auch das dann folgende Interview, was Annika Beutel, Regionalleitung Südbaden des PARITÄTISCHEN, mit drei Kampagnenteilnehmern vor den Gästen führte. So berichtete Anna van Santen vom Ringsport Freiburg von ihrer Situation als Rollstuhlfahrende Mutter zweier Kinder: „Auf einer Party fragte mich jemand: Zu wem gehört eigentlich das Kind, das immer auf Ihrem Schoß mitfährt?“. Solche Unterhaltungen machen deutlich, wie unnormal das Bild einer rollstuhlfahrenden Mutter in der Gesellschaft sei. Dem wolle sie mit ihrer Teilnahme an dieser Kampagne entgegentreten und sich zeigen. „Wer das Plakat gesehen hat, hat wenigstens schon einmal eine Mutter im Rollstuhl gesehen. Und wenn er dann eine in echt trifft, ist er schon eine Spur weniger überrascht“, hofft Anna van Santen. Andere Eltern haben manchmal Angst, ich würde den Kindern über die Finger fahren, aber da entgegne sie einfach, dass die Wahrscheinlichkeit und Folgen vermutlich genauso wären, wie wenn sie einem Kind auf die Finger treten würden. Eigentlich seien sie, ihre Kinder und ihr nicht behinderter Mann eine ganz normale Familie, sie müssten sich nur besser organisieren. Ihr Sohn Justus (2) wirbt mit seiner Freundin Maya auf dem Plakat für die Ausstellung.

Anna van Santens Sohn Johannes (10) hat ebenfalls an der Kampagne teilgenommen und zeigt sich mit Integralhelm und Knieschonern im Rollstuhl oben auf der Halfpipe. Inklusion sei für ihn, wenn er mit seinen Freunden Skaten kann. Vor den Gästen zählte der sportliche Viertklässler, der im Sommer aufs Gymnasium kommt, sein Lieblingssportarten auf.

Kresimir Rudic, ein gehörloser Mann und Geschäftsführer von Barrierefreie Kommunikation e. V., berichtete von seinen alltäglichen Herausforderungen. Die Gebärdensprachdolmetscherin Bea Blumrich übersetzte. Er sei einer von etwa 360 Gehörlosen in Freiburg und Umgebung, in Deutschland leben etwa 80.000 gehörlose Menschen, etwa 200.000 sprechen die deutsche Gebärdensprache. Entsprechend schwer sei es, spontan mit anderen ins Gespräch zu kommen. „Wenn mehrere Hörende sich miteinander unterhalten und ich nichts mitbekomme frage ich manchmal nach. Dann wird mir gesagt: Ah, ist nicht so wichtig“, so kommentiert Kresimir Rudic dir Frage, was besonders herausfordernd wäre. „Die Gesellschaft sollte verstehen, dass wir die Gebärdensprachdolmetscher brauchen so wie die Rollstuhlfahrer die Rampe und es als normal ansehen, die Kosten sollten dafür immer übernommen werden“, fordert Kresimir Rudic. Er schlug vor, die Grundlagen der Deutschen Gebärdensprache bereits im Kindergarten und in der Schule den Kindern beibringen. Das mache den Kindern auch Spaß und unterstütze auch die Kommunikation von Kleinkindern, die noch nicht sprechen können und ihrem Umfeld, fügte Annika Beutel hinzu. Wenn jemand mit gehörlosen Menschen in Kontakt treten wolle, dann ginge das laut Kresimir Rudic am besten übers Schreiben, vor allem über E-Mail, WhatsApp, Handy Speech-to-Text. Mundablesen sei häufig schwierig, da man langsam und deutlich sprechen müsse.

Zusammenfassend sagte Annika Beutel: „Alle Menschen möchten selbstverständlicher Bestandteil der Gesellschaft sein, sich nicht verbiegen müssen um irgendwie dabei zu sein - egal ob jemand eine Behinderung oder eine Mirgationsgeschichte hat, in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft lebt, jung oder alt, Mann oder Frau ist.“ Aber viele Menschen hätten Berührungsängste, sprächen aus Sorge, etwas vermeintlich Falsches zu sagen und damit in ein Fettnäpfchen zu treten, die irgendwie "anderen" Menschen gar nicht erst an. „Inklusion können wir aber nur durch Begegnungen erreichen“, so Beutel. Diese versuche der PARITÄTISCHE Regionalverbund Südbaden durch die Ausstellung niederschwellig zu unterstützen. Nach dem offiziellen Teil der Ausstellungseröffnung haben sich einige Gäste intensiv darüber ausgetauscht, was Inklusion eigentlich für sie bedeutet und was sie sich von der Gesellschaft wünschen, damit sie selbst, aber auch andere selbstverständlicher Bestandteil sein können und nicht nur "irgendwie dabei" sind.

Kinder an die Macht!
Kinder an die Macht! Warum? -->
Kinder an die Macht! Warum? -->
Luca erklärt, dass kleinere Mädchen geärgert werden
Luca (9)
Johannes will nicht "du Rollstuhlfahrer genannt werden"
Johannes (10)
Rawi will nicht wegen seiner roten Haare geärgert werden
Rawi (8)
Tausch Rollstuhl gegen Fahrradanhänger: Als Rollstuhlfahrer wird man weniger bemerkt, sagt Rawi
Rawi und Johannes tauschen fahrbaren Untergrund
Regionalleitung Annika Beutel im Gespräch mit Kampagnenteilnehmer:innen
Regionalleitung Annika Beutel im Gespräch mit Kampagnenteilnehmer:innen
Freiburgs Erster Bürgermeister Ulrich von Kirchbach spricht bei der Ausstellungseröffnung
Freiburgs Erster Bürgermeister Ulrich von Kirchbach spricht bei der Ausstellungseröffnung
Eröffnung der Ausstellung durch Norbert Weiß, Vorstand PARITÄTISCHER Kreisverband Freiburg/Breisgau-Hochschwarzwald
Eröffnung der Ausstellung durch Norbert Weiß, Vorstand PARITÄTISCHER Kreisverband Freiburg/Breisgau-Hochschwarzwald
Eine Kampagnenteilnehmerin berichtet
Eine Kampagnenteilnehmerin berichtet
Ein Kampagnenteilnehmer berichtet
Ein Kampagnenteilnehmer berichtet
Ein Kampagnenteilnehmer berichtet
Ein Kampagnenteilnehmer berichtet
Die Inklusionsbilderausstellung
Die Inklusionsbilderausstellung
Die Inklusionsbilderausstellung
Die Inklusionsbilderausstellung
Die Inklusionsbilderausstellung
Die Inklusionsbilderausstellung
Die Inklusionsbilderausstellung
Die Inklusionsbilderausstellung
Die Inklusionsbilderausstellung
Die Inklusionsbilderausstellung
Die Inklusionsbilderausstellung
Die Inklusionsbilderausstellung
Die Inklusionsbilderausstellung
Die Inklusionsbilderausstellung
Die Inklusionsbilderausstellung
Die Inklusionsbilderausstellung
Die Inklusionsbilderausstellung
Die Inklusionsbilderausstellung
Die Inklusionsbilderausstellung
Die Inklusionsbilderausstellung
Iris Heindl (v. l.) und Annika Beutel (Regionalverbund Südbaden), Bernarda Deufel (Selbsthilfebüro Freiburg)
Iris Heindl (v. l.) und Annika Beutel (Regionalverbund Südbaden), Bernarda Deufel (Selbsthilfebüro Freiburg)
Die Inklusionsbilderausstellun
Die Inklusionsbilderausstellun
Die Inklusionsbilderausstellun
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Pressespiegel

Blog "Ge(h)Schichten" der Kampagnenteilnehmerin Ayasha Mack, 10. Juni 2022, "Inklusion ist für mich..."

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