Von der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) zum attraktiven Betrieb für Alle
Die Lebenshilfe Zollernalb steht für eine konsequente Weiterentwicklung von Angeboten für Menschen mit Behinderung. Unsere strategische Ausrichtung orientiert sich an den Leitgedanken der UN-Behindertenrechtskonvention und setzt neben inklusiven Ansätzen vor allem auf eine starke Personenzentrierung. In unserer Idealvorstellung gehen wir davon aus, dass Menschen die Unterstützungen und die Lohnkostenzuschüsse erhalten, die sie benötigen, um gleichberechtigt am Arbeitsleben teilzuhaben. Ziel ist es, schon heute individuelle Berufswege zu entwickeln und Teilhabemöglichkeiten zu schaffen, die sich an den Talenten, Interessen und Entwicklungschancen der einzelnen Personen orientieren, unabhängig von Behinderungsgraden oder Behinderungsarten.
Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) werden in der öffentlichen Diskussion häufig negativ wahrgenommen. Bemängelt wird die geringe Entlohnung der Beschäftigten und die geringe Quote von Übergängen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Andererseits kommen Werkstätten ihrerseits bei der personen-zentrierten Ausrichtung ihrer Angebote an enge institutionelle Grenzen.
Arbeitsmarkt wenig aufnahmefähig
Die Erfahrung zeigt, dass selbst mit sehr guten finanziellen Anreizen und gezielten Unterstüt-zungs- und Beratungsangeboten die Vermittlung von Menschen aus Werkstätten in Betriebe des allgemeinen Arbeitsmarktes nur in wenigen Fällen gelingt. Für die allermeisten Beschäftigten ist der Wechsel auf den allgemeinen Arbeitsmarkt somit keine realistische Alternative. Deshalb ist es notwendig, berufliche Qualifizierungs- und Teilhabeangebote miteinander zu vernetzen und weiterzuentwickeln. Ziel ist es, individuelle beruf-liche Entwicklungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung zu verbessern und ihnen echte Perspektiven zu eröffnen.
Als Lebenshilfe Zollernalb entwickeln wir unsere Organisation zu einem inklusiven Sozialunter-nehmen mit vielfältigen und modernen Qualifizierungs- und Arbeitsangeboten und ausdifferenzierten sozialen Dienstleistungen. Das bedeutet:
- Verschmelzung von Angeboten und Leistungstypen.
- Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten gemeinsam in Betrieben, die wirtschaftlich und sozial beispielhaft sind.D
- Die Angebotsentwicklung erfolgt personen-zentriert und mit einer inklusiven Ausrichtung.
- Menschen mit einem anspruchsvollen Unterstützungsbedarf können ebenfalls entsprechend ihrer Möglichkeiten und Bedarfe teilhaben.
- Bestehende Finanzierungsmöglichkeiten werden ausgehend von individuellen Bedarfen genutzt.
- Ergänzende, notwendige und personen-zentrierte Unterstützungsangebote und Finanzierungen werden mit den Partnern vor Ort entwickelt.
- Modellprojekte und Versuchsräume werden geschaffen.
- Neue Ansätze werden erprobt und aus den Ergebnissen gelernt.
- Die Betriebsgebäude haben keine oder nur in Teilbereichen eine Zweckbindung. Dies ermöglicht Vielfalt in einem räumlichen Verbund.
- Investitionen in unsere wirtschaftliche Leistungs- und Zukunftsfähigkeit werden forciert und umgesetzt.
So viel wie möglich gemeinsam – so wenig wie nötig trennen
Im Rahmen der Transformation unserer Angebote möchten wir nur noch so viel wie nötig nach Finanzierungsarten oder gar nach Behinderungs-arten bzw. nach den einzelnen Unterstützungsbedarfen trennen. Unsere Zukunft sehen wir in der Entwicklung von attraktiven Betrieben für alle. Als zukunftsgerichtetes Sozialunternehmen wollen wir uns an den Menschen und ihren Möglichkeiten orientieren und nicht an einzelnen Leistungstypen und zweckgebundenen Gebäuden. Wir schaffen durchlässige Strukturen, entwickeln zieldifferente Möglichkeiten und gestalten diese Veränderungen gemeinsam.
Auf Landesebene sind Rahmenbedingungen erforderlich, die eine stärkere Orientierung an personenzentrierten Finanzierungen ermöglichen. Gleichzeitig sollten neue Förderungen für inklusive Sozialunternehmen und Risikokapital für innovative Geschäftsfelder erprobt werden. Wichtig sind zudem rechtliche Vorgaben, die individuelle Berufswege und Wahlmöglichkeiten fördern sowie die gezielte Unterstützung, Er-probung und Verbreitung von Modellprojekten sicherstellen. Darüber hinaus sollte die Zweck-bindung von Gebäuden reduziert werden, und die gewonnenen Erkenntnisse inklusiver Sozial-unternehmen sollten in die bevorstehenden Gesetzesreformen auf Bundesebene einfließen.