Die Stärke der Freien Wohlfahrtspflege: Engagement, Vielfalt und demokratische Praxis
In herausfordernden Zeiten werden die Rufe nach Veränderung laut, zu Recht. Wir brauchen soziale Innovationen und kreative Kooperationen, um die Lebenssituation breiter Bevölkerungsschichten spürbar zu verbessern. Die Freie Wohlfahrtspflege ist dabei ein zentraler Akteur. Sie entwickelt soziale Innovationen nicht nur, sie trägt sie auch in die Breite. Denn erst mit ihrer Verankerung in der Fläche wird aus einer Idee eine wirksame Innovation. Der Paritätische, als Verband der Offenheit und Vielfalt, als Dachverband unterschiedlichster Initiativen, Vereine und Selbsthilfeorganisationen, verfügt mit seinen flachen Hierarchien über besonders günstige Voraussetzungen dafür.
In der Freien Wohlfahrtspflege sind über zwei Millionen Menschen hauptamtlich und weitere drei Millionen ehrenamtlich engagiert. Sie leisten täglich soziale Hilfen, helfen, soziale Probleme zu überwinden, und entwickeln neue Lösungsansätze, nicht nur in vermeintlich innovativen urbanen „Spaces“, sondern überall im Land. Diese breite gesellschaftliche Verankerung ist eine enorme Stärke, gerade mit Blick auf die großen Herausforderungen unserer Zeit. Der Schutz der Demokratie, die Gestaltung des demografischen Wandels, der Ausbau sozialer Hilfen und weitere Fortschritte auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft zählen zu den drängendsten Aufgaben der Gegenwart. Keine dieser Herausforderungen lässt sich ohne die gemeinnützigen Einrichtungen und Dienste der Wohlfahrt bewältigen. Sie leben Demokratie im Alltag, fördern Teilhabe am Erwerbsleben, gestalten neue Arbeitsteilungen zwischen den Generationen und bauen Barrieren ab. Was wir dafür brauchen, sind neue Kombinationen der Leistungserbringung, flexiblere Förder- und Finanzierungsmodelle sowie das Zusammenführen unterschiedlicher Kompetenzen und Erfahrungen – ebenso wie Offenheit und Experimentierfreude bei der Einführung neuer Technologien.
Nicht jede Innovation ist jedoch eine soziale Innovation. Wenn heute, wie im Taxigewerbe, per App neue Dienstleistungen angeboten werden, die bestehende Angebote lediglich ersetzen – allerdings ohne sichere Arbeitsverhältnisse, tarifliche Entlohnung und verbindliche Qualitätsstandards –, dann ist das weder sozial noch innovativ. Soziale Innovationen im eigentlichen Sinne schaffen reale Fortschritte bei der Bewältigung konkreter sozialer Problemlagen vor Ort.