SLAY! your Career – Perspektiven für entkoppelte Jugendliche

Abbrüche führen oft zum Ausschluss – das Projekt SLAY! your Career setzt genau bei diesen Jugendlichen an.
5 Jugendliche unterschiedlicher Herkunft vor einer grünen Wiese machen ein Selfie

(Adobe Stock | william87)

Arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit als Brücke zurück ins System

„War mir zu viel“, „konnte gerade nicht“ – wenn junge Menschen Angebote abbrechen, bedeutet das in herkömmlichen Maßnahmen am Übergang Schule-Beruf oft den Ausschluss. Doch was passiert mit Jugendlichen, die weder von Jobcentern, Berufsschulen noch der Jugendhilfe erreicht werden? Genau hier setzt das Modellprojekt SLAY! your Career an.

Fast jede*r Fünfte (19,1 Prozent) der 20- bis 34-Jährigen hat keinen Berufsabschluss –Tendenz steigend. Mehr als die Hälfte der Ge-förderten in bestehenden Übergangsangeboten beginnt im Anschluss keine Berufsausbildung, rund 40 Prozent beginnen auch keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Die Struktur der Maßnahmen nach SGB II und III lässt zu wenig Spielraum für individuelle Bedarfe im Jugendalter – Grundprinzipien der Jugendsozialarbeit wie Lebensweltorientierung, Freiwilligkeit und Niederschwelligkeit können oft keine ausreichende Anwendung finden.

Zwei Innovationen, die zusammenwirken

Seit Januar 2024 wird SLAY! your Career mit Förderung des Landes an mehreren Standorten umgesetzt. Die Koordination des Projekts hat der Paritätische Baden-Württemberg im Auftrag der Landesarbeitsgemeinschaft  Jugendsozialarbeit inne. Das Projekt setzt auf zwei ineinander-greifende Neuerungen: Bedingungslose Teilnahme: Wenn junge  Menschen eine Zeit lang nicht teilnehmen können, erleben sie jederzeit eine „Willkommen zurück“-Atmosphäre statt Sanktionierung.  Diese Haltung ermöglicht überhaupt erst den Zugang zu einer Zielgruppe, die durch andere Angebote nicht mehr erreicht wird.

Professionelle Autonomie:

Die beteiligten  Träger sind Profis der Jugendsozialarbeit –  sie haben die fachliche Expertise und kennen ihren Sozialraum. Das Projekt vertraut auf diese Kompetenz: Die Träger erhielten Ressourcen  und Freiraum, nach ihren Stärken und den  individuellen Bedarfen vor Ort kreative und  einzigartige Angebote zu entwickeln. 

Und das funktioniert!
Die Vielfalt zeigt diese Innovationskraft. Jeder Standort hat seinen passgenauen Ansatz entwickelt – nicht weil ein Handbuch das vorschreibt, sondern weil die Fachkräfte vor Ort wissen, was ihre Zielgruppe braucht. Diese Kombination aus bedingungsloser Teilnahme und professioneller Autonomie ermöglicht Niedrigschwelligkeit, Flexibilität und individuell angepasste Entwicklungsrahmen. An allen Standorten zeigt sich: Junge Menschen, fassen wieder Vertrauen in Fachkräfte und in das System.

Messbare Wirkung und Innovationsgewinn

Die bisherigen Projekterfahrungen sind eindeutig: An allen Modellstandorten übersteigt die Nachfrage die verfügbaren Plätze deutlich. Das Projekt entfaltet dabei eine doppelte  Wirkung: Individuell gelingt es, jungen Menschen Perspektiven zu eröffnen, die zuvor in keinerlei institutionellen Bezügen mehr standen – junge Menschen, die „verloren“ waren, finden zurück. Sozialräumlich nimmt SLAY! your Career eine wertvolle „Brückenfunktion“ zwischen Institutionen ein – neue Bezüge zwischen Gesundheitsversorgung und Jugendsozialarbeit, zwischen Schulen und freien Trägern entstehen. Träger  der Jugendsozialarbeit können zeigen, was möglich ist, wenn sie nicht durch starre Vorgaben, enge Zeitfenster und Sanktionsmechanismen eingeschränkt werden. 

Weitere Infos: https://paritaet-bw.de/verband/ projekte/slay-your-career

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