Mentoring statt Eskalation! Dialog als Schlüssel für Gewaltprävention und Integration bei Jugendlichen

Eskalierende Gewalt und Jugenddelinquenz zeigen: Repressive Maßnahmen allein erreichen gefährdete junge Menschen nicht.

mehrere Jugendliche konzentriert an einem TischDas Projekt MIR

Gewaltvorfälle, Jugenddelinquenz und eskalierende Gruppendynamiken im öffentlichen Raum –  etwa in der Stuttgarter Innenstadt – zeigen seit Jahren, dass klassische repressive Maßnahmen allein nicht ausreichen, um gefährdete junge Menschen zu erreichen. Viele Jugendliche befinden sich in belastenden Lebenssituationen, geprägt von Perspektivlosigkeit, fehlenden Vertrauenspersonen und negativen Gruppeneinflüssen. Daraus entstehen Konfliktspiralen, die langfristig sowohl die individuelle Entwicklung als auch das gesellschaftliche Zusammenleben gefährden. 

Das Projekt „MIR – Mentoring für soziale Integration und Resilienz“ der Deutschen Jugend  aus Russland e. V. möchte durch verlässliche Mentorenbeziehungen und dialogorientierte Begegnungen soziale Integration von Jugendlichen unabhängig von ihrer Herkunft oder Religion fördern, Gewalt reduzieren und Vertrauen zu gesellschaftlichen Institutionen aufbauen. Im Mittelpunkt steht nicht die Sanktionierung, sondern die Stärkung der Persönlichkeit,  Eigenverantwortung und sozialen Kompetenz junger Menschen. Durch verlässliche Mentorenbeziehungen und dialogorientierte Begegnungen wird die soziale Integration von Jugendlichen unabhängig von ihrer Herkunft oder Religion  gefördert, Gewalt reduziert und Vertrauen in  gesellschaftliche Institutionen gestärkt.

Präventiver Ansatz: Mentoring und dialogorientierte Konfliktbearbeitung

MIR setzt auf einen kombinierten Ansatz aus Mentoring, Empowerment und strukturiertem Dialog. Ehrenamtliche Mentor*innen begleiten Jugendliche langfristig, unterstützen sie bei  schulischen und beruflichen Herausforderungen, helfen in Krisensituationen und bieten Orientierung im Alltag. Diese Beziehungen schaffen  Vertrauen und eröffnen alternative soziale Zugehörigkeiten und positive Erfahrungserlebnisse  jenseits destruktiver Gruppendynamiken. Ein innovativer Bestandteil sind die sogenannten „Fairness-Runden“. In diesen moderierten Dialogformaten begegnen sich Jugendliche sowie Vertreter*innen aus Jugendhilfe, Polizei und Justiz auf Augenhöhe. In einem geschützten Rahmen  werden Konflikte, gegenseitige Erwartungen  sowie Rechte und Pflichten offen besprochen.  Dadurch entsteht ein persönlicher Bezug, der Vorurteile abbaut und Konflikte nachhaltig ent-schärft. Jugendliche erleben staatliche Institutionen als ansprechbare Partner, während Institutionen ein besseres Verständnis für die Lebensrealitäten junger Menschen entwickeln.

Jugendliche mit Schildern ihres Herkunftslandes vor dem Rathaus

 

Wie Mentoring Integration und Resilienz fördert

Die Methode basiert auf bewährten pädagogischen Grundsätzen von Johann Heinrich Pestalozzi und Anton Makarenko, die Beziehung, Verantwortung und Gemeinschaft als zentrale  Elemente erfolgreicher Erziehung verstehen. Ergänzt durch moderne Empowerment-Ansätze werden Jugendliche gezielt darin gestärkt, ihre eigenen Fähigkeiten zu erkennen, Verantwortung zu übernehmen und ihren Lebensweg aktiv zu gestalten. Die Wirksamkeit dieses Ansatzes ist bereits empirisch erprobt. In den 1990er Jahren wurde die Methode erfolgreich in der Arbeit mit straffälligen Spätaussiedlern eingesetzt. Durch Mentoring, gruppenbezogene Arbeit und klare soziale Orientierung konnten Gewalt  reduziert, Rückfallquoten gesenkt und nach-haltige Integrationsprozesse gefördert werden. Diese Erfahrungen zeigen, dass stabile Beziehungen und dialogorientierte Begleitung  eine wirksame und nachhaltige Alternative zu  rein repressiven Maßnahmen darstellen.

Zur landesweiten Umsetzung ist eine strukturelle Förderung dialogorientierter Mentoringprogramme  und eine verbindliche Kooperation zwischen  Jugendhilfe, Justiz und Polizei erforderlich. Das Land Baden-Württemberg sollte erprobte Mentoringmodelle systematisch fördern und als festen Bestandteil der Präventionsstrategie etablieren.

Kontakt

Ernst Strohmaier 
Geschäftsführer Deutsche Jugend aus Rußland e. V. 
Telefon 0711 2849480 
djr-bund@t-online.de
https://www.djr-bund.de

Soziale Innovation

mehrere Menschen in einem Büro um einen runden Tisch

Ein neues Präventionsmodell für Baden-Württemberg: Mentoring, Empowerment und Kooperation 

Das Projekt „MIR – Mentoring für soziale Integration und Resilienz“ zeigt, wie stabile Mentorenbeziehungen und dialogorientierte Fairness-Runden Jugendlichen neue Zugehörigkeit, Orientierung und Vertrauen in staatliche Institutionen vermitteln – jenseits von Sanktionierung und Stigmatisierung. Als landesweit übertragbares Präventionsmodell verbindet es persönliche Begleitung, Empowerment und institutionellen Dialog so wirkungsvoll, dass Baden-Württemberg mit MIR eine nachhaltige Antwort auf Integra-tions-, Gewalt- und Teilhabeherausfordrungen junger Menschen entwickeln kann.

Ansprechperson
Nathalie Wollmann
Nathalie
Wollmann
Familie, Kinder, Migration, Vielfalt und Demokratie
Referat Migration; Referat Vielfalt und Demokratie
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