Kita für alle Kinder – zusammen Alltag leben

Kinder spielen in einer Kita zusammen

Das inklusive Kita-Modell der KBF

Inklusion anders: Die Kitas der KBF starteten als Schulkindergärten für Kinder mit Förderbedarf – um dann sukzessive Regelkitaplätze zu schaffen und Kinder ohne Behinderung zu integrieren. Wie gut das funktioniert, zeigt das Kinderhaus „Alte Weberei“ in Tübingen-Lustnau. 

Mmmh! Dieser Duft, der da durch die Gänge zieht!  Am liebsten möchte man sich an die liebevoll gedeckten Tischlein in den Gruppenräumen setzen. Dort stoppen die Servierwägelchen, die just aus der Küche herausgeschoben werden. Mittagszeit im Kinderhaus „Alte Weberei“ in Tübingen-Lustnau!  Und da geht es lebhaft zu. Alle machen mit von klein bis groß, transportieren, servieren. Kinder, die sich auf das Essen freuen in der Gemeinschaft  ihrer Gruppe. Kinder mit und ohne Behinderung. Doch das fällt weder auf, noch spielt es in dem fröhlichen Treiben eine Rolle. Ein Knirps, dessen Hände geschützt in Fäustlingen sind, hält galant die Tür auf, andere Mädels und Jungs, die aus dem Außenbereich hereinkommen, ziehen sich die Hausschuhe an – und helfen jenen, die dafür etwas länger brauchen. Von den insgesamt  62 Kindern im Alter von eins bis sechs Jahren haben 20 Kinder Förderbedarf.

Inklusion von Anfang an: Das integrative Konzept der KBF-Kitas

In der „Alten Weberei“ bilden Schulkindergarten, ein Angebot für Kinder mit sonderpädagogischem  Bedarf, und Regelkindertagesstätte ein integratives  Konzept! Unter einem Dach erleben Kinder mit und ohne Förderbedarf gemeinsamen Kindergartenalltag. „Wir sind Träger von Einrichtungen der Inklusion, Eingliederungshilfe, frühe Hilfen, für Kinder, Erwachsene und ältere Menschen“, beschreibt Wolfgang Welte, der mit Klaus Barthold  die Geschäfte der Stiftung KBF und ihrer gGmbHs  führt. Diese blickt auf eine 50-jährige Geschichte zurück, startete als Verein „Körperbehindertenförderung Neckar-Alb“. Seit sich das Angebot in den Landkreisen Tübingen, Reutlingen und Zollern-Alb-Kreis über die Jahre stark erweiterte, auch auf Menschen ohne Behinderung, werden die Initialen verwendet.

Schon 1998 eröffnete die erste Integrative Kindertageseinrichtung in Hechingen – im Haus der Sozialen Dienste. 2008 wurden alle Schulkindergärten inklusiv. Andersherum ausgedrückt: Die KBF integrierte und integriert Kinder ohne Behinderung. „Wir konnten mit unserem Ganztagsbetrieb im Schulkindergarten punkten“, so Claudia Haigis, Frau der ersten Stunde und seit über zehn Jahren Einrichtungsleitung in Tübingen- Lustnau. Klaus Barthold wiederum betont, für Eltern sei attraktiv gewesen, dass die KBF- Kitas schon Zweijährige aufnahmen. Von der  Regelkita habe man zudem die deutlich kürzere  Schließungszeit während der Ferien übernommen. „Wir brachten das Beste aus beiden Konzepten zusammen, immer vom Kind aus denkend.“ Wolfgang Welte nickt und ergänzt, dass die Integration der Regelplätze folgerichtig war. „Wir hatten und haben das Fachpersonal für Kinder mit Förderbedarf – und ohne. Das heißt, alle Leistungen kommen aus einer Hand.“

Mittlerweile betreibt die KBF an 13 Standorten Kitas, über 600 Kinder besuchen diese, 380 davon  ohne Behinderung. Nachdem anfangs noch manche  Gemeinde und Eltern überzeugt werden mussten, sind die KBF-Häuser längst in der Bedarfsplanung  der Kommunen, die die Kitaplätze verteilen. „So entdecken uns Familien, die zuvor nie an eine inklusive Einrichtung dachten“, so Welte. „Eine Erfolgsstory, die auch mit der Haltung unserer Mitarbeitenden zu tun hat, die das Konzept leben.“ Wie Claudia Haigis, die begeistert durch das Kinderhaus führt. In die Räume der Kleingruppen. In die Räume für Ergotherapie, Logopädie und andere Therapien. In die Ruheräume für ältere und jüngere Kinder samt „Little Room“. Das Holzhäuschen dient als Rückzugsort für Kinder mit Autismus-Spektrum, Sehbehinderung und multipler Behinderung. Und in den Bewegungs-raum, wo Physiotherapeutin Anja Barth mit zehn Kindern ein buntes rundes Tuch „fliegen“ lässt. 
„Nun abwechselnd unten durchkrabbeln oder rennen, abwechselnd wie ihr könnt!“ Haigis lacht und nickt: „Wir richten uns nach dem Orientierungsplan, aber auch nach der individuellen Entwicklung jedes Kindes, unser Credo heißt ganzheitliche Förderung und Lernen nach dem eigenen Rhythmus.“ Sie schwärmt von der „wert-vollen interdisziplinären“ Zusammenarbeit im Team und mit externen Einrichtungen, etwa mit Sonderschullehrer*innen, Heilpädagog*innen und mehr. „Das bedeutet kurze Wege und schnelle Hilfe – wir haben ein Netzwerk mit Fachleuten, die uns begleiten. Und auch die Eltern, mit denen wir eine Erziehungspartnerschaft haben.“

Netzwerk, Haltung und Vielfalt: Erfolgsfaktoren für gelebte Inklusion 

Kooperiert wird zudem mit Grundschulen und sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZs), Kinderkliniken, Kinderärztinnen und -ärzten, aber auch Einrichtungen wie die Stuttgarter Nikolauspflege für blinde und sehbehinderte Menschen. „Je nach Bedarf des Kindes.“ Haigis erzählt von einer Mutter, die sagte, ihr Kind sei nach einem epileptischen Anfall über das Wochenende erblindet, es könne nun nicht mehr kommen. „Doch kann es,“ antwortete ich, so Haigis. „Wir machen es möglich. Mit dem Einverständnis  der Eltern rief ich die Nikolauspflege an – die schickten jemand.“ Die Kleinen lernten in der „Alten Weberei“ mit unterschiedlichen Situationen, seien es Handicaps oder Anfälle, gechillt umzugehen. „Wir haben Kinder mit Sprachbehinderung,  motorischer Entwicklungsverzögerungen, einfacher bis schwererer Mehrfachbehinderung.“ Niemand werde abgelehnt, aber bekomme möglichst auch keine Sonderbehandlung. „Am liebsten würde ich weg von Begriffen wie Inklusion und Integrativ, wir leben einfach ‚Alltag’! Vielfalt wird als etwas Natürliches und Wertvolles erfahren.“ Haigis freut sich, dass „ihre Kinder“ danach in den Grundschulen als besonders sozial kompetent auffallen. „Die spüren, wenn jemand Unterstützung braucht, das macht mich richtig stolz.“ 
 

Autorin
Petra Mostbacher-Dix 
Journalistin, Kunsthistorikerin, Dozentin 
pamostbach@aol.com 

Soziale Innovation

Verschiedene Betreuungs- und Fördermöglichkeiten für alle Kinder in einem Haus

Das inklusive Kita-Modell der KBF Mössingen  im Landkreis und Stadtgebiet Tübingen verbindet Schulkindergarten und Regelkita zu einem einzigartigen inklusiven Lern- und Lebensort, an dem Kinder mit und ohne Förderbedarf selbstverständlich miteinander aufwachsen – getragen von interdisziplinärer Expertise, gemeinsamer Haltung und echter gelebter Vielfalt. Durch diese konsequente Zusammenführung von Betreuung, Therapie, Bildung und Alltag entstehen kurze Wege, schnelle Hilfen und ein Umfeld, in dem jedes Kind seinen eigenen Rhythmus entfalten kann und soziale Stärke ganz selbstverständlich entsteht. Inklusion wird so bereits in der  frühen Kindheit möglich und ist ein Modell  zur landesweiten Umsetzung.

Kontakt

Klaus Barthold, Wolfgang Welte 
Geschäftsführung
KBF
Telefon 07473 377-0 
www.kbf.de

Claudia Haigis 
Einrichtungsleitung 

Kinderhaus Alte Weberei
Telefon 07071 8884211 
kiga-lustnau@kbf.de
https://www.kbf.de/kinderhaus- alte-weberei-tuebingen-lustnau/

Ansprechperson
Michael Tränkle
Michael
Tränkle
Leitung Soziale Rehabilitation, Teilhabe und Inklusion
Referat Soziale Teilhabe Menschen mit Behinderung; Referat Frühförderung, Kinder u. Jugendliche m. Behinderung
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Alte Weberei Lustnau – wir erleben Vielfalt als Bereicherung

Unsere Kindertageseinrichtung verbindet den Schulkindergarten  und die Kindertagesstätte in einem gemeinsamen integrativen  Konzept. Unter einem Dach erleben Kinder mit und ohne  Förderbedarf selbstverständlich ihren Kindergartenalltag. 
Infos: https://www.kbf.de/kinderhaus-alte-weberei-tuebingen-lustnau/