Pflegeausbildung und internationale Fachkräfte: Jetzt handeln – für eine starke Pflege in Baden-Württemberg

Die Pflegeversorgung in Baden-Württemberg steht unter massivem Druck – Fachkräftemangel, unzureichende Ausbildung und steigender Bedarf gefährden die Versorgung
Pfleger mit Migrationsgeschichte unterhält sich mit älterem Mann

Die Versorgung Pflegebedürftiger in Baden-Württemberg steht vor großen Herausforderungen. Schon heute spüren Pflegeeinrichtungen, Pflegeschulen und Träger den Druck, Ausbildungsplätze zu sichern und Fachkräfte zu gewinnen.
Betroffene suchen verzweifelt Pflegeplätze, die aufgrund von Personalmangel oft nicht angeboten werden können. Laut Prognosen werden bis 2049 bundesweit bis zu 690.000 Pflegekräfte fehlen (Destatis 2024).

Als Wohlfahrtsverband erleben wir täglich, wo Hindernisse bestehen und Chancen ungenutzt bleiben. Es braucht gezielte politische Lösungen – nicht nur Mangelverwaltung.

Pflegeausbildung stärken

Die Pflegeausbildung ist die Grundlage für eine gute Versorgung. Im Ausbildungsjahr 2024 stiegen die Zahlen der Pflegefachausbildung leicht auf 17.652 Auszubildende. Dies reicht jedoch nicht für den zukünftigen Bedarf aus.
Pflegeschulen leiden unter Lehrkräftemangel und unzureichender Finanzierung. Mangelnde Praxiseinsatzstellen können dazu führen, dass weniger Ausbildungsplätze angeboten werden und kurzfristige Absagen von Einsatzstellen Ausbildungsabbrüche verursachen.

Die Landesförderung der regionalen Koordinierungsstellen lief im Herbst 2025 aus (Landtag Baden-Württemberg 2025) – ein Fehler. Mit der neuen Pflegefachassistenzausbildung ab 2027 steigt der Koordinierungsbedarf weiter.
Pflegeschulen brauchen zudem sozialpädagogische Begleitung, um Ausbildungsabbrüche zu vermeiden.

Internationale Fachkräfte integrieren

Pflegepersonen aus dem Ausland sind oft hochqualifiziert, stehen jedoch vor erheblichen Einstiegshürden. Doch Träger stoßen bei Anwerbung und Integration an Grenzen – zum Beispiel bei der Suche nach einer Wohnung oder deren Finanzierung.

Eine gelungene Integration internationaler Fachkräfte ist entscheidend, um den Fachkräftebedarf zu decken und die Pflegeversorgung langfristig sicherzustellen.

Häusliche Versorgung sichern

Die häusliche Versorgung ist ein zentraler Baustein der pflegerischen Versorgung in Baden-Württemberg. Rund 85 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt, etwa 56 Prozent durch An- und Zugehörige.

Gleichzeitig steht die häusliche Versorgung unter erheblichem Druck. Gründe dafür sind unter anderem die wachsende Zahl pflegebedürftiger Menschen, der zunehmende Fachkräftemangel sowie die steigende Komplexität der Versorgung. Hinzu kommt die hohe Belastung pflegender Angehöriger und die Vielzahl erheblicher bürokratischer Anforderungen, die die Arbeit zusätzlich erschweren.

Um die häusliche Versorgung langfristig zu sichern, braucht Baden-Württemberg eine gezielte politische Strategie, die sie stärkt. Flächendeckende Case- und Care-Management-Strukturen müssen sicherstellen, dass jede pflegebedürftige Person eine individuelle, bedarfsgerechte Versorgung erhält und Angehörige aktiv entlastet werden.

Nur durch verbindliche Umsetzung können Versorgungslücken geschlossen, Übergänge zwischen Einrichtungen gesichert, Ressourcen effizient genutzt und die häusliche Versorgung nachhaltig gestärkt werden.

 

Gruppensymbol

Wer ausländische Auszubildende oder Mitarbeitende haben will, muss für Wohnraum sorgen. Weder Schulen noch Träger erhalten staatliche Unterstützung und bleiben auf den Kosten sitzen. Das ist kein Anreiz zur Anwerbung, das überfordert die Anwerbenden.
 

Paritätische Schulen für soziale Berufe

Unsere Forderungen für die Altenhilfe

Megafon
  • Dauerhafte Förderung der Koordinierungsstellen
  • Ausbau von Pflegepädagogikstudienplätzen
  • Finanzierte sozialpädagogische Begleitung an Pflegeschulen
  • Gemeinsamer Unterricht für Pflegefachpersonen und -fachassistent*innen
  • Vereinfachte Anerkennung und schnelle, digitale Verfahren
  • Finanzielle Unterstützung der Träger bei Anwerbung und Integration ausländischer Fachkräfte, ähnlich wie in Schleswig-Holstein
  • Auf- und Ausbau lokaler Case- und Care-Management-Strukturen durch die Landesregierung in Zusammenarbeit mit allen Akteur:innen
  • Regelhafte Finanzierung von Case- und Care-Management 
  • Flächendeckende Beratungsangebote, die auch Themen der Gesundheitsedukation und Prävention als zentrale Bausteine beinhalten
  • Abbau administrativer Hürden und Überregulierung. Die Landesregierung muss sich für die Vereinfachung des Leistungsrechts einsetzen
Ansprechperson