Teilhabe muss für alle verlässlich und sicher sein

Stuttgart, 04. Mai 2026 – Anlässlich des europaweiten Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen am 5. Mai 2026 hat der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg die neue Landesregierung in einem offenen Brief zu entschlossenem Handeln aufgefordert. Die Eingliederungshilfe muss gezielt weiterentwickelt werden, um gleichberechtigte Teilhabe zu sichern und die Rechte von Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen konsequent umzusetzen. Allein in Baden-Württemberg gibt es fast eine Million Bürger*innen mit einer Schwerbehinderung, rund 2.000 Menschen besuchen jeden Tag Tagesstätten für psychisch erkrankte Menschen. 

Im Zentrum der Forderungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands steht die Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe in Baden-Württemberg. Mit dem Bundesteilhabegesetz wurde ein grundlegender Systemwechsel hin zu personenzentrierten Leistungen eingeleitet, der nun konsequent umgesetzt werden muss. Ziel muss es sein, Leistungen bedarfsgerecht, wirksam und nachhaltig auszugestalten und die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Die aktuell umfangreichen bürokratischen Verwaltungsabläufe müssen kritisch auf die Notwendigkeit und Teilhabeförderlichkeit geprüft und Abläufe müssen, wo immer möglich und sinnhaft, verschlankt und standardisiert werden.

„Menschenrechte sind nicht verhandelbar. Die Unterstützung von Menschen mit Behinderungen und die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes dürfen nicht dem Spardruck öffentlicher Haushalte zum Opfer fallen. Menschen mit Behinderungen sind keine Objekte staatlicher Fürsorge, sondern Träger*innen eigener Rechte“, so Ulf Hartmann, Vorstand des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. 

Dr. Jürgen Heinz, Vorstandsvorsitzender der Lebenshilfe Donau-Iller e.V., ergänzt: „Ich erwarte von der neuen Landesregierung, dass die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention konsequent und verbindlich verfolgt wird. Dazu gehört, dass Leistungen zu Teilhabe schnell und unbürokratisch am tatsächlichen Bedarf orientiert gewährt werden und Fachkräfte im Teilhabebereich die Aufmerksamkeit bekommen, die sie tatsächlich verdienen, damit Teilhabe überhaupt erst möglich wird.”

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg bietet der Landesregierung seine fachliche Expertise für die anstehenden Reformprozesse an und steht für einen konstruktiven Dialog zur Verfügung. Ziel ist es, gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln, die eine wirksame, bedarfsgerechte und zukunftsfeste Eingliederungshilfe gewährleisten.

Den offenen Brief an die Landesregierung finden Sie hier.