Tausende Menschen beanspruchen für die häusliche Pflege keine "Hilfe zur Pflege"

Ältere und jüngere Frau sitzen auf dem Sofa und lächeln sich an

Laut dem Statistischen Landesamt waren in Baden-Württemberg in 2023 rund 625.000 Menschen pflegebedürftig. Davon wurden 85 Prozent zu Hause versorgt. Von insgesamt 38.750 Pflegebedürftigen, die Hilfe zur Pflege in Anspruch nahmen, erhielten lediglich 13 Prozent finanzielle Unterstützung für häusliche Pflege. Das ergibt eine neue vom Paritätischen Gesamtverband in Auftrag gegebene Studie zum Thema Pflegearmut. Darin wird von einer hohen Dunkelziffer an Betroffenen ausgegangen, die aus Unwissenheit, unzureichender Beratung, bürokratischen Hürden und Scham keine ambulante Hilfe zur Pflege beanspruchen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg fordert, die Beratungsangebote flächendeckend auszubauen, damit Menschen, die finanzielle ambulante Hilfe benötigen, diese auch erhalten. Um eine bedarfsgerechte Versorgung vor Ort insgesamt sicherzustellen, sei auch eine verbesserte regionale Datenlage im ambulanten Bereich unerlässlich, so der Verband. 

„Menschen, die zu Hause gepflegt werden, geraten durch die stetig steigenden Kosten im ambulanten Bereich zunehmend unter finanziellen Druck. Deshalb ist auch in Baden-Württemberg von einer hohen Dunkelziffer an Pflegebedürftigen im häuslichen Umfeld auszugehen, die keine Hilfe zur Pflege in Anspruch nehmen. Das zeigt den großen Beratungsbedarf, um Betroffene dabei zu unterstützen, ihre Ansprüche auf ambulante „Hilfe zur Pflege“ geltend zu machen. Es fehlt insbesondere an niedrigschwelligen Beratungsangeboten, die einen frühzeitigen Zugang zu diesen Leistungen sicherstellen“, erklärt Ulf Hartmann, Vorstand des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Baden-Württemberg. Der demografische Wandel, die zunehmende Überalterung der Bevölkerung und der anhaltende Fachkräftemangel führten dazu, dass die häusliche Versorgung zunehmend an Bedeutung gewinne. „Immer mehr Menschen werden auf diese ergänzende finanzielle Leistung angewiesen sein, da die Pflegeversicherung nur einen Teil der Kosten abdeckt. „Hilfe zur Pflege“ darf kein Stigma sein, denn sie gewährleistet, dass auch Menschen mit begrenzten eigenen Mitteln sich die Pflege leisten können, die sie benötigen – sei es in der eigenen Häuslichkeit oder in ambulant betreuten Wohngemeinschaften“, so Hartmann.

Neue Studie „Pflegearmut“ im Auftrag des Paritätischen Gesamtverbandes
Die explorative Studie wurde im Auftrag des Paritätischen Gesamtverbandes zum Thema „Armut in der häuslichen Pflege“ anhand von Grundsicherungs- und Hilfe zur Pflege-Daten von Prof. Dr. habil. jur. Thomas Klie durchgeführt. Die Auswertungen basieren auf amtlichen Sozialhilfestatistiken des Statistischen Bundesamts sowie der Statistischen Landesämter. Studie zum Download: Expertise Armut in der häuslichen Pflege