Paritätischer fordert Geschlechtergerechtigkeit bei der Pflege durch Angehörige

Zwei Frauen sitzen auf dem Sofa und schauen sich an

Stuttgart 27.02.2026   Nach Angaben des Statistischen Landesamtes waren im Jahr 2023 in Baden-Württemberg insgesamt 625.000 Menschen pflegebedürftig. Rund 56 Prozent von ihnen wurden überwiegend von pflegenden Angehörigen versorgt. Dabei ist der Anteil an erwerbstätigen Frauen, die zusätzlich eine*n Angehörige*n pflegen, mehr als doppelt so groß gegenüber erwerbstätigen Männern. Anlässlich des Equal Care Day (01.03.2026) fordert der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg eine geschlechtergerechte Ausgestaltung der Familienpflegezeit sowie eine finanzielle und rechtliche Absicherung für berufstätige pflegende Angehörige. Analog zu Elternzeit und Elterngeld sei eine bezahlte Familienpflegezeit als staatliche Familienleistung einzuführen. Diese solle einen Rechtsanspruch auf Freistellung vom Arbeitsplatz sowie ein Familienpflegegeld in Höhe des Elterngeldes vorsehen. Dafür müsse das Familienpflegezeitgesetz novelliert und mit dem Pflegezeitgesetz zusammengeführt werden, so der Verband.

“Care-Arbeit ist vorwiegend weiblich. Zudem reduzieren Frauen ihren Beschäftigungsumfang eher als Männer, um Angehörige zu pflegen. Dies hat oft Auswirkungen auf ihre beruflichen Perspektiven sowie finanzielle Unabhängigkeit und Absicherung im Alter. Die bestehende Regelung für Familienpflegezeit begünstigt keine geschlechtergerechte Aufteilung der Pflegeverantwortung“, betont Mirko Hohm, Bereichsleitung Ältere Menschen und Pflege beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg. Um den Anreiz zur familiären Pflege für Männer und Frauen gleichermaßen zu fördern, müsse das Familienpflegegeld als gesamtgesellschaftliche Aufwendung steuerfinanziert und einkommensabhängig sein – analog zum Elterngeld. Ebenso seien Rentenansprüche pflegender Angehöriger aus Steuermitteln zu finanzieren, anstatt die Pflegeversicherung weiterhin mit versicherungsfremden Ausgaben zu belasten. „Zur besseren Vereinbarkeit von familiärer Pflege und Beruf ist grundsätzlich eine bessere Infrastruktur vor Ort mit niedrigschwelligen Beratungs- und Hilfeangeboten erforderlich“, so Hohm.

Hintergrundinformation:

Equal Care Day am 1. März 2026
Die Initiative Equal Care (Day) macht auf die mangelnde Wertschätzung von Care aufmerksam und informiert über ihren Wert und die Folgen ihrer unfairen Verteilung.  Sie schafft mit dem Aktionstag Equal Care Day am 29. Februar bzw. 1. März mediale Sichtbarkeit und öffentliche Aufmerksamkeit, über die Grenzen Deutschlands hinaus, und setzt sich für konkrete strukturelle Veränderungen ein. Sie unterstützt Menschen, Firmen und Verbände, die sich für #EqualCare einsetzen, bei der Vernetzung sowie bei der Entwicklung und Umsetzung von Ideen, den Care Gap zu schließen. Weitere Infos unter Equal Care Day - Wege in eine fürsorgliche Demokratie 

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg ist einer der sechs anerkannten Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege. Er ist konfessionell, weltanschaulich und parteipolitisch unabhängig. Er steht für Solidarität, soziale Gerechtigkeit und Teilhabe und wendet sich gegen jegliche Form sozialer Ausgrenzung. Ihm sind in Baden-Württemberg über 940 selbstständige Mitgliedsorganisationen mit insgesamt rund 2.000 sozialen Diensten und Einrichtungen angeschlossen sowie rund 50.000 freiwillig Engagierte und 80.000 Hauptamtliche.