Finanzierung von offenen Hilfen und Diensten sowie Tagesstätten sichern

Pressemitteilung - geschrieben am 02.12.2022 - 09:08

Stuttgart 02.12.2022   Anlässlich des Tags der Menschen mit Behinderung (3.12.) fordern der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg und Behindertenverbände eine sichere Finanzierung von Offenen Hilfen, Diensten, familienunterstützenden Angeboten für Menschen mit Behinderung sowie Tagesstätten für Menschen mit psychischer Erkrankung. Diese niederschwelligen Beratungs- und Unterstützungsangebote sichern gesellschaftliche Teilhabe und vermeiden Isolation. Die Kosten dürfen nicht aufgrund der derzeit prekären Finanzlage der Städte und Kommunen zu Lasten der Betroffenen eingespart werden, so die Verbände.

„Menschen mit Behinderung profitieren von Offenen Hilfen und Diensten ganz besonders. Bedarfsgerechte Assistenzen und niederschwellige Freizeit-, Kultur- und Treffangebote ermöglichen es, am Leben in der Gesellschaft gleichberechtigt teilzuhaben, Freunde zu treffen und Kontakte zu pflegen. Dadurch werden soziale Isolation und Vereinsamung vermieden und Inklusion gefördert“, erklärt Ulf Hartmann, Vorstand des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Baden-Württemberg. Familienunterstützende Dienste und ihre Angebote seien wichtig, um Familien mit Kindern oder Angehörigen mit Behinderung zu entlasten. „Für viele Menschen mit psychischer Erkrankung sind Tagesstätten ein Grund, überhaupt einmal das Haus zu verlassen und eine wichtige Anlaufstelle, um mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, ohne sich stigmatisiert zu fühlen. Hier finden sie eine Tagesstruktur mit Gruppenangeboten und Beschäftigungsmöglichkeiten wie die gemeinsame Zubereitung von Mahlzeiten, aber auch die Möglichkeit, sich zu alltäglichen oder auch sozialrechtlichen Fragen beraten zu lassen“, so Hartmann. Diese niederschwelligen Angebote dürften nicht länger von freiwilligen Leistungen der Kommunen abhängen. Hier brauche es eine sichere Regelfinanzierung.

„Die Tagesstätten sind ein unverzichtbares, niedrigschwelliges Angebot für Menschen mit einer psychischen Erkrankung. Sie bieten die Möglichkeit, ohne jede Formalität an Gemeinschaftsaktivitäten, Mittagstisch, Zuverdienstangeboten etc. teilzunehmen und einen ersten Zugang zum Hilfesystem zu finden. Sie müssen – wie im Landespsychiatrieplan vorgesehen - unbedingt aus dem Bereich der Freiwilligkeitsleistungen der Stadt- und Landkreise in ein Pflichtangebot im Psychischkrankenhilfegesetz des Landes überführt werden,“ sagt Barbara Wolf, Geschäftsführerin des Vereins für Sozialpsychiatrie e.V. in Reutlingen.

"Das Gemeindepsychiatrische Zentrum in Ulm bietet nicht nur zahlreiche Angebote zur Tagesstrukturierung für psychisch erkrankte Menschen, sondern ist für viele Menschen auch eine Anlaufstelle, die Gelegenheit schafft, soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Für viele unserer Besucher*innen sind wir eine Art "Familie". Man wird begrüßt, man wird vermisst--- Alltagssorgen werden geteilt. Man kann hier in Gemeinschaft Frühstücken, Mittagessen und ein respektvolles und wohlwollendes Miteinander erfahren. Gemeinsam wird gebacken, gehäkelt, gestrickt und vieles mehr mit den Händen erschaffen. Ohne diese Institution wären diese Menschen wahrscheinlich noch einsamer mit ihrer Erkrankung", erklärt Monika Balint, Geschäftsführende Vorständin der RehaVerein Geschäftsstelle in Ulm.

„Wir als offene Hilfen unterstützen und entlasten Familien in ihrem Alltag. Jedoch steht das Erleben, die Freude und die Gemeinsamkeit für die Menschen mit Behinderung für uns im Mittelpunkt“, sagt Leonie Fetscher, Leitung Offene Hilfen bei der Lebenshilfe im Kreis Rottweil.

„Wir als Familie schätzen die Angebote der offenen Hilfen sehr. Dank ihnen können wir wenigstens einige Tage im Jahr, etwas für uns unternehmen, ohne Zeitdruck und schlechtem Gewissen. Denn wir sind sicher, dass sich das Team bestens um unseren Sohn kümmert und dort eine sehr schöne und wertvolle Zeit verbringt, erklärt eine Klientin zum Angebot der Lebenshilfe im Kreis Rottweil.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg und Behindertenverbände fordern eine sichere Finanzierung von familienunterstützenden und offenen Hilfen sowie Tagesstätten.

Hinweis an die Redaktionen

Stimmen von Klient*innen der Offenen Hilfen, Dienste, familienunterstützenden Angeboten sowie Tagesstätten finden Sie am Aktionstag 3.12.2022 auf Facebookexternal link, opens in a new tab und Instagramexternal link, opens in a new tab.

Pressekontakte:      

  • VSP - Verein für Sozialpsychiatrie e.V. in Reutlingen, Barbara Wolf, Geschäftsführung, Tel. Tel.: 07121 345399 – 0, E-Mail: gf@vsp-net.de
  • RehaVerein für soziale Psychiatrie Donau-Alb e.V., Monika Balint, Geschäftsführende Vorständin, Tel. 0731/228 33, E-Mail: m.balint@rehaverein.de
  • Lebenshilfe im Kreis Rottweil gGmbH, Leonie Fetscher, Leitung Offene Hilfen, Tel. 07402/9301-22, E-Mail: ohr-fetscher@lh-rw.de

Hintergrundinformation:

Laut Statistischem Landesamt lebten in Baden-Württemberg zum Jahresende 2021 insgesamt 957 415 Menschen mit einer Schwerbehinderung, davon 26.275 Kinder. Pro Tag besuchen in Baden-Württemberg 1.981 Menschen mit einer psychischen Erkrankung eine Tagesstätte in der Gemeindepsychiatrie (Stand 2018)

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