Der Ministerpräsident besucht während seiner Sommertour Ausweg Rhein Neckar e. V. in Mannheim
Mannheim/Stuttgart, 13. August 2026 – Im Rahmen seiner Sommertour besuchte Ministerpräsident Cem Özdemir am gestrigen Mittwoch (12. September) den Nachbarschaftstreffpunkt Kupfer von Ausweg Rhein Neckar e.V., einer Mitgliedsorganisation des Paritätischen Landesverbands Baden-Württemberg, die sich mit großem persönlichem Einsatz für von Armut und von gesellschaftlicher Ausgrenzung betroffene Menschen einsetzt. Der Besuch ist ein wichtiges Signal, denn: gesellschaftliche und politische Teilhabe sind zentral für eine demokratische und solidarische Gesellschaft.
Özdemir: „Unserem Land geht es nur so gut wie dem schwächsten Glied in der Kette."
„Unserem Land geht es nur so gut wie dem schwächsten Glied in der Kette. Gerade die Politik muss im Blick behalten: Es gibt Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen und gesehen werden müssen. Wir sind alle Bürger derselben Gesellschaft – Macht ist geliehen. Die Stabilität einer Gesellschaft hängt davon ab, ob es gelingt, Armut zu reduzieren und gesellschaftliche Teilhabe zu sichern. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie und habe nicht vergessen, woher ich komme. Wir sind stark als Wirtschaft, stark in der Forschung – wir müssen auch stark sein im Sozialen,“ sagt Ministerpräsident Cem Özdemir anlässlich des Besuchs. „Die Landespolitik kann bei einer Sache etwas tun: bei der Wohnungsnot. Die Mietpreisbremse muss neu verhandelt, der Wohnbau gefördert und entbürokratisiert, die Kommunen bei ihren freiwilligen Leistungen unterstützt werden."
Ausweg Rhein Neckar: „Teilhabe ist Handwerk, keine Rhetorik"
Die Vertreter*innen von Ausweg Rhein Neckar sehen im Besuch des Ministerpräsidenten nicht nur eine Anerkennung ihrer alltäglichen Arbeit sondern vor allem ein wichtiges Signal, armutsbetroffenen Personen und ihren Anliegen Gehör zu verschaffen und damit einer Gruppe ohne Lobby ein Gesicht zu geben: „Wir arbeiten jeden Tag daran, dass Menschen mit prekären Lebenssituationen wieder Halt finden – in der Familie, in unserer Gemeinschaft, in der Gesellschaft und sich nicht für ihre Situation schämen. Armut ist nicht per se selbst verschuldet, sondern kann durch politische Entscheidungen verhindert werden. Das funktioniert, wenn Politik, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft an einem Strang ziehen," sagt Dr. Verena Mayer.
Der Paritätische: Demokratie braucht starke Zivilgesellschaft
Der Landesverband Baden-Württemberg des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes begrüßt ausdrücklich, dass Ministerpräsident Özdemir sich persönlich in den Mitgliedseinrichtungen informiert und zuhört. Armut und mangelnde soziale Teilhabe sind nicht nur individuelle Schicksale, sie sind ein Problem für die Demokratie selbst. Menschen, die täglich ums Überleben kämpfen, haben weder Zeit noch Kraft, sich demokratisch zu beteiligen. Sie können nicht wählen gehen, weil sie keinen festen Wohnsitz haben. Sie können nicht bei Bürgerbeteiligungen mitreden, weil sie keinen Zugang zu Informationen haben. Und sie verlieren das Vertrauen in ein System, das ihnen ständig den Rücken zukehrt.
Der Paritätische und seine Mitgliedsorganisationen wie Ausweg arbeiten an der Schnittstelle zwischen individueller Hilfe und struktureller Veränderung. Teilhabe muss möglich sein, nicht nur für wenige, sondern für alle.
Das setzt voraus:
- Existenzsichernde Einkommen statt Armutsverwaltung
- Niedrigschwellige Zugänge zu Bildung, Gesundheit und Kultur
- Respektvolle Partizipation von Betroffenen bei Entscheidungen, die sie betreffen
- Bezahlbare Wohnungen statt Notunterkünfte
Über Ausweg Rhein Neckar e.V.
Ausweg Rhein Neckar e.V. engagiert sich gegen strukturelle Ursachen von Armut, Klassismus und Ausgrenzung von Betroffenen. Mit dem Treffpunkt Kupfer hat der Verein einen sog. dritten Ort geschaffen, der neben niedrigschwelliger Beratung, gegenseitige Unterstützung vor allem Beteiligung schafft – mit dem Ziel, Betroffenen ihre Würde zurückzugeben und gesellschaftliche wie politische Teilhabe zu ermöglichen. Der Verein wurde 2022 teilweise von Menschen mit eigener Armutserfahrung gegründet und erreicht auch Menschen, die aufgrund von Scham, Ausgrenzungserfahrungen oder Misstrauen gegenüber Institutionen klassische Hilfsangebote nicht nutzen, vereinsamen und durch das soziale Netz fallen. Weitere Informationen unter: www.ausweg-rhein-neckar.de