Die Zahlen sprechen für sich: Mehr als 10.000 Menschen starben 2024 in Deutschland durch Suizid, fast 500 davon waren jünger als 25 Jahre. In dieser Altersgruppe ist Suizid seit 2025 die häufigste Todesursache. In Baden-Württemberg nahmen sich insgesamt 1.336 Menschen das Leben – das entspricht einer Suizidrate von 12,1 pro 100.000 Einwohnern. Rund 75 Prozent der Fälle betreffen Männer. Deshalb fordern der Paritätische Landesverband Baden-Württemberg und die Landesarbeitsgemeinschaft der Arbeitskreise Leben (LAG AKL) anlässlich des Welttags der Suizidprävention am 10. September von der Landesregierung eine umfassende Strategie zur Suizidprävention.
„Suizidalität entsteht nicht plötzlich. Ihr geht meist eine lange Leidensphase voraus, die oft aus einer Krise resultiert, in der Betroffene keinen Ausweg sehen“, erklärt Kathrin Paul-Prössler, Geschäftsführerin des Arbeitskreises Leben in Nürtingen und Mitglied des LAG AKL. „Entscheidend ist: Diese Krisen sind lösbar – durch rechtzeitige Hilfe und flächendeckende Prävention.“
Präventionsarbeit ermutigt zur Hilfesuche
Junge Menschen berichten zunehmend von sozialen Ängsten, Einsamkeit und Depressionen. Viele haben Angst vor Verurteilung oder zögern, sich Hilfe zu suchen. Präventionsveranstaltungen an Schulen und in Gemeinden haben hier eine wesentliche Funktion: Sie enttabuisieren das Thema Suizid, vermitteln, dass Krisen jeden treffen können und stärken die Selbstwirksamkeit junger Menschen im Umgang mit Belastungen. Derzeit gibt es in Baden-Württemberg noch nicht überall entsprechende Präventionsangebote. Angesichts der zunehmenden psychischen Belastungen vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch vielfältige Krisen und eine unsichere Zukunft gibt es hier klaren Handlungsbedarf.
Forderungen an die Politik
Der Paritätische Baden-Württemberg und die LAG AKL fordern eine Landesstrategie zur Suizidprävention, die unter anderem folgende Maßnahmen umfasst:
- Ausbau einer flächendeckenden suizidpräventiven Angebotsstruktur
- Systematische Präventionsangebote für alle Schulen und Gemeinden
- Stärkere Vernetzung von Kliniken, Schulen, Sozialarbeit und Beratungsstellen
- Investitionen in die Qualifizierung von Fachkräften für Suizidpräventionsarbeit
Arbeitskreise Leben – schnelle Hilfe in Baden-Württemberg
Acht Arbeitskreise Leben mit insgesamt elf Beratungsstellen bieten in Baden-Württemberg niedrigschwellige und kostenlose Hilfe für Betroffene, Angehörige und Hinterbliebene an. Ein Anruf kann Leben retten.
Ulf Hartmann, Vorstand des Paritätischen Landesverbands Baden-Württemberg, ergänzt: „Suizidprävention ist von großer Bedeutung. Wir dürfen nicht zulassen, dass Menschen in schwerer seelischer Not alleine und ohne Hilfe bleiben. Es braucht eine Landesstrategie Suizidprävention, die den Zugang zu Hilfe für alle Menschen in schweren psychischen Krisen oder mit Suizidgedanken in Baden-Württemberg sicherstellt – unabhängig davon, wo sie leben und wie alt sie sind.“
Hintergrundinformationen
Welttag der Suizidprävention: Jedes Jahr am 10. September rufen Organisationen der Suizidprävention zum gemeinsamen Handeln auf. In Deutschland wird dieser Tag seit 2003 von vielen Initiativen, Organisationen und Einzelpersonen genutzt, um mit Aktionen, Veranstaltungen und Gedenkmomenten ein starkes Zeichen für das Leben und die Solidarität zu setzen.
Die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Arbeitskreise Leben e.V. ist der Zusammenschluss aller AKL-Einrichtungen in Baden-Württemberg. Sie haben sich auf gemeinsame Richtlinien zur Qualitätssicherung verpflichtet, wie zum Beispiel einen schnellen, unbürokratischen Zugang sowie Präventionsangebote für alle Risikogruppen in Form von Einzelgesprächen und Präventionsveranstaltungen. Die AKL arbeiten nach dem Prinzip „Krise braucht ein Gegenüber“ als persönliches Gesprächsangebot. In ihrer täglichen Arbeit geht es darum, zu sensibilisieren, zu stärken und zu vernetzen. Besonderes Merkmal des AKL-Konzepts ist die enge Zusammenarbeit von hauptamtlich tätigen Fachkräften und ehrenamtlich qualifizierten Krisenbegleiter*innen. Im Jahr 2024 haben die AKL Baden-Württemberg 839 Präventionsveranstaltungen durchgeführt und damit 8.828 Personen erreicht. Weitere Informationen unter http://www.suizidpraevention-bw.de.