Was aJusa ist und was sie leistet
Alina Beck, Referentin für arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit, Der Paritätische Baden-Württemberg
Die aJusa ist ein eigenständiges Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendhilfe nach § 13 SGB VIII. Sie begleitet junge Menschen bis 27 Jahre, deren Startbedingungen schwieriger sind als bei anderen – so lange und so individuell, wie sie es brauchen. Ihr Ziel ist, dass junge Menschen ihren eigenen Weg in Ausbildung und Arbeit finden, dort Fuß fassen und selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilhaben.
Die Arbeit ist individuell, beziehungsorientiert, niedrigschwellig, freiwillig, ressourcenorientiert und verlässlich. Sie verbindet sozialpädagogische Begleitung mit Lern- und Erfahrungsräumen und stimmt beides mit Schule, Betrieben, Jobcenter, Agenturen für Arbeit, Gesundheitswesen und Jugendhilfe ab.
Wen aJusa erreicht – junge Menschen an möglichen Punkten des Übergangs:
- Eingebunden, aber unsicher: noch in der Schule, ohne klare Perspektive. Hier reichen oft Orientierung und eine verlässliche Ansprechperson.
- Im Übergang, aber gefährdet: in Ausbildung oder im Übergangssystem, ein Abbruch droht. Entscheidend ist, an den kritischen Punkten da zu sein und zu vermitteln.
- Nach Abbrüchen: aus dem Tritt geraten, meist mit mehreren Belastungen. Zuerst braucht es Tagesstruktur, Erfolgserlebnisse und Stabilisierung.
- Schwer erreichbar: von Schule, Jobcenter und Hilfesystemen nicht mehr erreicht. Die Arbeit beginnt mit aufsuchender Kontaktaufnahme und Beziehungsaufbau.
Das sind keine festen Gruppen: Junge Menschen wechseln zwischen den Gruppen, in beide Richtungen. Belastungen wie Armut, psychische Probleme, Schulden oder schwierige Wohnverhältnisse kommen in jeder Gruppe vor. Die Stärke der aJusa liegt darin, dort ansetzen zu können, wo der junge Mensch gerade steht, und die Intensität der Begleitung fachlich begründet anzupassen.
Was aJusa tut: Beratung und Clearing, Berufsorientierung und Kompetenzfeststellung, Werkstätten und Arbeitsprojekte mit echten Aufträgen, soziale Kompetenzentwicklung, psychosoziale Unterstützung, Ausbildungsplatzsuche und Bewerbung, Begleitung in Schule und Ausbildung sowie die rechtskreisübergreifende Vernetzung.
Was aJusa bewirkt: Ziel ist die biografische Handlungsfähigkeit – das eigene Leben selbstbestimmt gestalten zu können. Wirkung zeigt sich in drei ineinandergreifenden Bereichen: persönliche Entwicklung (Selbstwert, Ressourcen, Zukunftsperspektiven), soziale Inklusion (tragfähige Beziehungen, Zugang zu Unterstützung) und berufliche Integration. Persönliche Stabilität ist die Voraussetzung für Teilhabe, und beides zusammen macht berufliche Integration nachhaltig.
Praktiker*innen erzählen
In drei Gesprächsrunden gaben sechs Praktiker*innen Einblick in ihre Arbeit.
Kooperation mit Schulen
Vincenzo Esposito, Fachbereichsleiter arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit und AV dual, Arbeitsförderung Karlsruhe gGmbH

Seit 2014 gibt es in Baden-Württemberg das Ausbildungsvorbereitungsjahr AV dual. Jugendsozialarbeiter*innen gehören dort als AV-dual-Begleiter*innen fest zum Bildungsgang. Die Arbeitsförderung Karlsruhe, ein gemeinnütziges Sozialunternehmen der Stadt, ist seit 2016 an drei großen Übergangsschulen dabei.
Die Schüler*innen sind keine homogene Gruppe: junge Geflüchtete, Schulpflichtige und nicht mehr Schulpflichtige lernen gemeinsam. Sie verbindet, dass ihnen der Hauptschulabschluss fehlt – im letzten Schuljahr waren es 63 %. Die AV-dual-Begleitung nennt Esposito das „Geheimrezept“ des Bildungsgangs. Sie sitzt bei den Zielvereinbarungsgesprächen, die alle drei Monate stattfinden, mit am Tisch und nimmt die Aufgaben direkt mit. Anders als Lehrkräfte, Eltern oder die für alle zuständige Schulsozialarbeit ist sie ausschließlich für den Übergang da – mit Kapazitäten, in Betriebe zu gehen, zu begleiten und Hausbesuche zu machen.
Das zeigt sich in den Zahlen: Fast 90 % schaffen den Abschluss, knapp 30 % gehen direkt in Ausbildung – deutlich mehr als dort, wo es keine Begleitung gibt – und rund 20 % auf eine weiterführende Schule. Besonders wichtig ist ihm, dass niemand verschwindet: Von 152 Schüler*innen blieb im letzten Schuljahr nur bei fünf der Verbleib unbekannt. „Das ist das Schlimmste: Alex ist zu Hause und keiner weiß es.“ Für jeden Abbruch wird ein Anschluss gesucht und ehemalige Schüler*innen dürfen auch ein halbes Jahr später noch einmal kommen.
Barbara Stanger, Leiterin Förderband Mannheim e.V.
Das Förderband ist seit fast 50 Jahren auf junge Menschen mit Förderbedarf Lernen spezialisiert. Mit dem Fortschreiten der Inklusion fiel auf: Jugendliche in der inklusiven Beschulung sitzen in der 9. Klasse, und niemand weiß, wie es weitergeht. 2018 startete deshalb, gefördert von der Aktion Mensch, das Projekt „Zukunftslotsen“. Im Projekt suchen Sozialarbeiter*innen diese Jugendlichen an den Mannheimer Schulen auf und begleitet sie in Praktika, Berufsvorbereitung und Ausbildung.
Diese jungen Menschen sind meist gut eingebunden: in ihrer Klasse, mit sonderpädagogischer Förderung und oft unterstützenden Eltern. Die Herausforderung ist eine andere: Familien und Jugendlichen ist oft nicht klar, welche Wege realistisch sind. Deshalb gehören Elterngespräche fest dazu – wenn etwas zu scheitern droht, rufen meist Mutter oder Vater an, was das Problembewusstsein verdeutlicht.
Stangers Beispiel: Eine junge Frau, die sich immer als „so kreativ“ beschrieb, fand nach Praktika schnell eine Friseurausbildung. Schon in der Probezeit kam es zum Abbruch, ein zweiter und dritter Salon folgten. Als sie ratlos vor ihr stand, erinnerten sich beide an ein Praktikum in einer Konditorei. Heute macht die junge Frau dort eine Fachpraktiker-Ausbildung im Verkauf und ist sehr glücklich. Ripplingers Fazit: Niemand wird verloren gegeben, manchmal braucht es Schleifen.
Entkoppelte junge Menschen – niedrigschwellige Zugänge
Jutta Goltz, Bereichsleiterin Bildung, Teilhabe und soziale Integration, kit jugendhilfe Tübingen e.V.

Die Anlaufstelle zur beruflichen Orientierung K.I.O.S.K. der kit jugendhilfe ordnete Goltz folgendermaßen ein: "Hier ist jemand da, der zuhört, nachfragt und junge Menschen in ihrem Eigensinn begleitet." Natürlich werden Bewerbungen geschrieben und Praktika und Ausbildungsplätze vermittelt, auch an Jugendliche ohne oder mit Hauptschulabschluss, mit Unterstützung engagierter Betriebe. Den Unterschied mache aber die Haltung: ressourcen- und stärkenorientiert, wertschätzend und, dass Diskriminierungserfahrungen und der Verlust des Aufstiegsversprechens ernst genommen werden.
Junge Menschen zwischen 16 und 25 können ein-, zwei- oder dreimal kommen, zwei Jahre wegbleiben und wiederkommen, eine Ausbildung beginnen und abbrechen – sie werden dafür nicht beschämt. Weil die Anlaufstelle mit dem Fokus „Jobsuchen“ verbunden ist (und nicht mit "Problemen"), ist der Zugang für die jungen Menschen niedrigschwellig. Erst im Kontakt „entblättern“ sich oftmals die Mehrfachbelastungen, und die Fachkräfte übernehmen eine Lotsenfunktion in andere Hilfesysteme. Eine junge Frau sagte einmal über ihre Begleiterin: „Immer wenn es geklemmt hat, hast du mir einen Push gegeben.“
Dafür braucht es eine verlässliche Infrastruktur. Das Angebot hat es von der Projekt- in die Regelfinanzierung geschafft, die angesichts der Haushaltslage nun wieder brüchig wird. Goltz setzt Hoffnung in die SROI-Studie des Paritätischen BW als Argument in den kommunalen Gremien.
Eckhard Juwig, Fachdienstleiter Arbeit und pädagogischer Leiter Jugendberufshilfe, Caritasverband für Stuttgart e.V.
Die Jugendarbeitsprojekte der Caritas Stuttgart gibt es seit über 45 Jahren. Das zentrale Angebot „400plus Zukunft“ wird vom Jugendamt finanziert und ist für Juwig eine klassische Leistung nach § 13 SGB VIII. Der Name erinnert an die frühere Minijob-Grenze – die jungen Menschen werden für ihre Arbeit entlohnt.
Die Teilnehmenden haben in der Schule meist genug negative Erfahrungen gemacht, deshalb setzt das Angebot auf fachpraktisches Lernen statt Seminarraum. Arbeitsanleiter*innen und Sozialpädagog*innen sind den ganzen Tag dabei. Gearbeitet wird im Bauhandwerk mit kleinen Reparaturen, Streich- und Trockenbauarbeiten, bei der Aufbereitung gebrauchter Spielwaren für den Verkauf im Sozialkaufhaus und in einer Fahrradwerkstatt mit Zweiradmechaniker. Die Werkstatt ist so gefragt, dass die Stadt kaum noch Termine bekommt, inzwischen werden auch E-Bikes gewartet. In Kooperation mit der Volkshochschule können junge Menschen den Hauptschulabschluss nachholen.
Erfolg beginnt im Kleinen: „8 Uhr heißt 8 Uhr“ – und wer zu spät kommt, merkt, dass die Gruppe auf ihn wartet, bevor der Bus zur Baustelle fährt. Messbarer Erfolg sind Übergänge in Ausbildung, weiterführende Schulen oder passende Maßnahmen. Das Angebot ist im städtischen Doppelhaushalt verstetigt, muss aber alle zwei Jahre neu bestätigt werden. Ripplinger hob es als positives Beispiel hervor, wie § 13 SGB VIII trotz Sparzwängen eine verlässliche Grundfinanzierung bekommen kann.
Entkoppelte junge Menschen – zweite Chancen
Uwe Seitz, Bereichsleiter Jugendberufshilfe und Straffälligenhilfe, Waldhaus Jugendhilfe gGmbH
Uwe Seitz begann mit einem Fall, der zeigt, wie Rechtskreisgrenzen Wege abschneiden. Ein junger Mann kam mit Reha-Status in eine Maßnahme der Agentur für Arbeit. Weil er zusätzlich erzieherische Probleme hatte, zu spät oder gar nicht kam, war er nach drei Monaten wieder draußen. Eine Begleitung über ein Projekt nach § 16h SGB II lehnte das Jobcenter ab, weil er schon einer Reha-Maßnahme zugewiesen war. Die Jugendhilfe war wegen Kürzungen kaum erreichbar. Am Ende fand sich ein Platz in einem ESF-Projekt.
Seine Forderung: mehr niedrigschwellige, offene Zugänge – die ESF-Projekte seien hier ein gutes Beispiel – und Lots*innen, die junge Menschen von einem Angebot zum nächsten begleiten, statt sie mit „wir sind nicht zuständig“ weiterzuschicken. Schon eine Jugendstudie der LAG Jugendsozialarbeit mit der Universität Tübingen von 2020 habe gezeigt: Wer nicht begleitet wird, verschwindet.
Auch positive Erfahrungen brachte er mit. Straffällige Jugendliche, die über die Jugendgerichtshilfe Arbeitsstunden leisten, arbeiten im Waldhaus in derselben Werkstatt wie Jugendliche in Berufsorientierung und Auszubildende eines Betriebs. Dort entsteht echte Inklusion, und für viele öffnet sich über die Arbeitsstunden ein Weg in Praktikum und Arbeitswelt.
Silke Banning, Abteilungsleiterin Dienste für junge Menschen, Evangelische Gesellschaft Stuttgart e.V

2010 fragten sich Vertreter*innen des Johanniterordens und der Evangelischen Gesellschaft, was sie für junge Menschen tun können, die schon mehrfach an einem Schulabschluss gescheitert sind und mit vielen Unwägbarkeiten leben. Daraus entstand das „Haus der Lebenschance“. Hier holen junge Menschen von etwa 17 bis 25 Jahren in 13 Monaten ihren Hauptschulabschluss als Schulfremdenprüfung nach.
Der Tag ist voll strukturiert: gemeinsames Frühstück, Fachunterricht, dazu Beziehungsarbeit, Projekte, Talentförderung und Ausflüge. Ziel sind neben dem Abschluss Ausbildungsreife, ein gelingender nächster Schritt, Persönlichkeitsentwicklung und das Erleben von Selbstwirksamkeit. Die jungen Menschen bewerben sich selbst – nicht die Mutter oder eine Sozialarbeiterin. Bei maximal zwölf Plätzen schaffen meist neun bis zehn den Abschluss, bisher über 115. Manche sind heute selbst Meister*in und bilden aus andere erkennen im Haus, dass sie sich zuerst um ihre Gesundheit kümmern müssen, und kommen später wieder. Schon der Weg zum Haus ist eine Hürde: Es liegt am Berg, und jeder, der ihn täglich hochgeht, wird dafür gewürdigt.
Die Finanzierungsgeschichte zeigt, wie aufwändig Verstetigung ist: vier Jahre Eigenmittel aus Spenden, von 2014 bis 2023 ein ESF-Projekt mit jährlichen Anträgen, ab 2017 zusätzlich Bildungsgutscheine und seit 2022 ein städtischer Zuschuss. Der Eigenanteil bleibt hoch. „Das ist es wert, weil die Jugendlichen es wert sind.“
Was die Runde zeigt
Die Angebote sind so vielfältig wie die jungen Menschen und reichen von der Begleitung im Schulalltag bis zur aufsuchenden Arbeit mit denen, die niemand mehr erreicht. Gemeinsam sind ihnen eine stärkenorientierte Haltung, die niemanden abschreibt, und Erfolge, die sich in Abschlüssen ebenso zeigen wie in kleinen Schritten. Gemeinsam ist ihnen aber auch die Abhängigkeit von befristeten und unsicheren Finanzierungen.
Ergebnisse der Wirkungsanalyse von „SLAY! Your career“
Dr.in Katrin Hunsicker, Regionale Jugendagentur Job Central Weinheim
Die Zahl der sogenannten entkoppelten jungen Menschen – nicht mehr in Schule, Ausbildung, Arbeit oder einer Maßnahme – wächst von Jahr zu Jahr. Genau für sie ist das Landesmodellprojekt „SLAY! Your career“ entstanden. Es wird von der LAG Jugendsozialarbeit Baden-Württemberg getragen, vom Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit aus Mitteln des Landtags gefördert und vom Paritätischen Baden-Württemberg koordiniert. Das Projekt sollte erproben, ob und wie sich diese jungen Menschen wieder an Unterstützungssysteme heranführen lassen, und die Erfolgsfaktoren dokumentieren. Dr.in Katrin Hunsicker stellte die Wirkungsanalyse für den gesamten Projektverbund vor, die sie gemeinsam mit Jutta Goltz (kit jugendhilfe), Alina Beck sowie Mitarbeitenden und Teilnehmenden aller Standorte erarbeitet hat.
Projekt und Zielgruppe
Aktuell läuft das Projekt an vier Standorten: bei der AWO Schwäbisch Hall, bei der kit jugendhilfe Tübingen, bei der Arbeitsförderung Karlsruhe gemeinsam mit dem Verein für Jugendhilfe Karlsruhe sowie bei der Jugendagentur Heidelberg gemeinsam mit der Regionalen Jugendagentur Job Central Weinheim. Wie die Arbeit konkret aussieht, variiert: von intensivem Case Management und aufsuchender Arbeit über Gruppenaktivitäten bis zu Projekten, in denen die jungen Menschen etwas für die Gemeinschaft tun, etwa ein Nachbarschaftscafé.
Die Zielgruppe sind junge Menschen, die keine Schule mehr besuchen, keiner Ausbildung oder Arbeit nachgehen und oft auch von keinem anderen Hilfesystem mehr erreicht werden. Sie sind mehrfach belastet: außergewöhnlich häufig psychisch, bis hin zu schweren Erkrankungen, dazu Armut, Verschuldung, Wohnungs- oder Obdachlosigkeit, schwere familiäre Probleme und Gewalterfahrungen. Rund ein Drittel hat keinen Schulabschluss, kaum jemand eine abgeschlossene Ausbildung. Besonders auffällig ist die Vereinsamung: Viele leben sehr zurückgezogen, ohne tragfähige Kontakte zu Familie oder Freund*innen. Von ersten Schritten in den Beruf sind sie zu Beginn meist weit entfernt.
Wie die Wirkung untersucht wurde
Befragt wurden zwölf Teilnehmende und acht Mitarbeitende verschiedener Standorte. Die Stichprobe ist klein, die Ergebnisse sind daher keine umfassende Evaluation. Weil sich die Antworten beider Gruppen aber weitgehend decken, gelten die beobachteten Wirkungen als plausibel und aussagekräftig. Grundlage ist das Wirkungsmodell der International Group of Controlling mit vier Ebenen: Output, Impact, Effect und Outcome. Es erlaubt, die Selbsteinschätzung der jungen Menschen und die Einschätzung der Fachkräfte getrennt zu erfassen.
Output: Was das Projekt erreicht hat
Von Anfang 2024 bis Juni 2026 nahmen 156 junge Menschen teil. An allen Standorten übersteigt die Nachfrage die verfügbaren Plätze. 95 Teilnehmende haben das Projekt bisher abgeschlossen. Bei 48 von ihnen – mehr als der Hälfte – gelang der direkte Übergang in Schule, Ausbildung, Arbeit oder einen Freiwilligendienst. 20 wurden an Angebote anderer Rechtskreise angebunden, etwa Jugendhilfe, Jobcenter, Agentur für Arbeit oder Eingliederungshilfe. 18 wurden in stabilisierende Angebote vermittelt – für sie war das der erste Schritt, um überhaupt eine berufliche Perspektive entwickeln zu können. Nur bei 9 Personen ist der Verbleib unbekannt, etwa nach einem Umzug. Gemessen an der Ausgangslage ist das eine sehr gute Vermittlungsquote.
Impact: Wie die jungen Menschen die Wirkung erleben
Die Rückmeldungen der jungen Menschen fielen sehr positiv aus. Jeweils 11 von 12 stimmten voll oder eher zu, dass es ihnen psychisch besser geht, dass sie eine bessere Tagesstruktur und mehr Motivation haben und dass sie wissen, was sie als Nächstes tun wollen. Auch Aussagen wie „Ich habe ein berufliches Ziel entwickelt“, „Meine Lebenssituation hat sich verbessert“ oder „Ich habe neue Stärken und Interessen entdeckt“ fanden hohe Zustimmung.
Gefragt, was ihnen ohne das Projekt fehlen würde, sagten die jungen Menschen: Sie wären stärker auf sich allein gestellt und hätten in Phasen der Orientierungslosigkeit weniger Unterstützung. Ohne das Projekt hätten sie keine Tagesstruktur und weniger Kontakte zu anderen Menschen aufgebaut. Beides ist für diese Zielgruppe zentral: Viele haben ihren Tag-Nacht-Rhythmus verloren, viele haben Mobbing und Ausgrenzung erlebt und daraus soziale Ängste entwickelt. Korrigierende Erfahrungen mit Erwachsenen und Gleichaltrigen sind deshalb zentrale Voraussetzungen für jeden weiteren Schritt. Die Ergebnisse zeigen: Erfolg in der aJusa mit dieser Zielgruppe lässt sich nicht nur an Vermittlungen messen, sondern an vielen persönlichen Entwicklungsschritten, auf denen ein Berufswegeplan erst aufbauen kann.
Effect: Was die Fachkräfte beobachten
Die Mitarbeitenden wurden zu denselben Punkten befragt. Ihre Einschätzungen sind überwiegend positiv und decken sich weitgehend mit denen der jungen Menschen. Als weitere Wirkung nannten sie an erster Stelle positive zwischenmenschliche Erfahrungen und den Abbau sozialer Ängste – der Schlüssel, um die Spirale aus Vereinsamung und Rückzug zu durchbrechen und soziale Kompetenzen für das Berufsleben einzuüben. Außerdem beobachten sie:
- Selbstwirksamkeit durch echte Beteiligung: Die jungen Menschen gestalten die Angebote mit und erleben, dass sie gehört werden.
- mehr Mut, Offenheit für Neues und Lebensfreude – wichtig für junge Menschen, deren Alltag von existenzieller Not geprägt ist
- zurückgewonnenes Vertrauen in unterstützende Systeme
- klarere Ziele und selbstständige Entwicklungsschritte
Ohne das Projekt, so die große Mehrheit der Fachkräfte, würde für diese Zielgruppe ein niedrigschwelliges, freiwilliges und passendes Angebot fehlen – trotz aller bestehenden Angebote von Arbeitsagenturen, Jobcentern und Trägern. Und es gäbe weniger erfolgreiche Übergänge, weil bei dieser Zielgruppe ein paar Beratungstermine nicht reichen: Die Begleitung ist ein längerer Prozess, in dem die anderen Belastungen gleichzeitig bearbeitet werden müssen.
Outcome: Die gesellschaftliche Wirkung
Langfristig trägt das Projekt dazu bei, dem Arbeits- und Fachkräftemangel zu begegnen. Wichtiger noch: Auch bei jungen Menschen, für die eine berufliche Perspektive noch nicht in Reichweite ist, entfaltet es Wirkung. Sie nehmen wieder am sozialen Leben teil und erfahren, dass Institutionen ihnen Unterstützung anbieten. Das gibt ihnen Vertrauen zurück und stärkt ihre demokratische Resilienz. Ob mit oder ohne schnelle Vermittlung – die aJusa leistet einen wichtigen Beitrag zur Integration junger Menschen, die sich aus der Gesellschaft zurückgezogen hatten, und zu einer inklusiven Gesellschaft, in der alle ihren Platz finden.
Fazit und Wirkfaktoren
Die Analyse zeigt: Es ist möglich, entkoppelte junge Menschen mit multiplen Problemlagen zu erreichen und bei der Entwicklung einer beruflichen Perspektive zu unterstützen – auch wenn sie andere Stellen teils schon aufgegeben haben. Dafür braucht es innovative, flexible Ansätze, die sich an die Bedarfe vor Ort anpassen. Über alle Standorte hinweg wirken dieselben Faktoren:
- Niedrigschwelligkeit: kein wochenlanges Warten auf einen Termin, keine Formalien als Hürde.
- Freiwilligkeit ohne Sanktionen – und damit ohne Angst, Beschämung oder Druck.
- Eine wertschätzende Haltung, die auf Stärken und Interessen schaut statt auf Defizite – ein Blick, den diese jungen Menschen oft lange nicht erfahren haben.
- Eine verlässliche Vertrauensbeziehung, die nicht plötzlich abbricht.
- Intensive Begleitung der Berufswegeplanung über längere Zeit, mit mehreren Anläufen und der Möglichkeit, wiederzukommen.
All das erfordert qualifiziertes und engagiertes Personal, ausreichend Zeit und eine solide, verlässliche Finanzierung.
Die Wirkungsanalyse ist Teil des Papiers „Handlungsanforderungen für die strukturelle Verankerung der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit in Baden-Württemberg“. Mitarbeitende des Projekts haben außerdem die „Fachstandards für die arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit“ erarbeitet. Beide Papiere stehen auf der Projektseite zum Download bereit.