Inklusionskampagne: Was bedeutet Inklusion für Dich?

Der PARITÄTISCHE Regionalverbund Südbaden und das Selbsthilfebüro Freiburg/Breisgau-Hochschwarzwald starten im Rahmen der Inklusionswoche um den Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai eine Kampagne. In einer Foto-Serie unter dem Motto „Inklusion ist für mich…“ kommen bereits über 40 Menschen aus dem paritätischen Umfeld zu Wort, die erklären, was Inklusion für sie bedeutet.

 

Jetzt mitmachen:

Ab sofort kann jeder, der für sich selbst oder andere mehr Inklusion wünscht oder einfach seine Gedanken mit uns teilen möchte, auf Instagram mitmachen und sein persönliches Foto mit Statement einstellen unter dem Hashtag #InklusionIstFürMich.

 

 Die UN-Behindertenrechtskonvention erklärt Inklusion zum Menschenrecht. Es geht dabei um die selbstverständliche Teilhabe aller Menschen in der Gesellschaft. „Viele sind bereits auf dem Weg in ein inklusiveres Leben. Aber es gibt auch noch viel zu bewegen – vor allem in den Köpfen von uns Menschen“, betont Annika Beutel, Leiterin des Regionalverbunds Südbaden. "Und genau das ist das Ziel unserer Foto-Mitmach-Aktion. Wir wollen denen das Wort geben, über die ansonsten oft gesprochen wird, die jedoch selbst nur selten zu Wort kommen. Allerdings freuen wir uns im nächsten Schritt über noch viele weitere Menschen, die ihre Gedanken und Wünsche mit uns teilen wollen und bei unserer Inklusionskampagne mitmachen“, so Beutel weiter.

  Norbert Köthnig, Vorstandsvorsitzender im Kreisverband Emmendingen des PARITÄTISCHEN und Geschäftsführer der Lebenshilfe Breisgau gGmbH, spricht derweil von einer Rückwärtsbewegung der Inklusion während der Pandemie und betont die besonderen Herausforderungen der Menschen mit Behinderung: „Der Alltag der Menschen wurde mehrfach komplett verändert, was die psychischen Belastungen erhöht. Denn die Pandemie wird nicht von allen Personen in allen Konsequenzen gleich gut verstanden.“

 Norbert Weiß, Vorstandsmitglied im Kreisverband Freiburg des PARITÄTISCHEN und Geschäftsführer Ring der Körperbehinderten Freiburg, ergänzt: „Durch die Corona-Schutzmaßnahmen ergaben sich für Menschen mit Behinderung nochmals zusätzliche Hürden. Denn deren Situation wurde in politischen Erlassen auf allen Ebenen bestenfalls miterwähnt aber nicht ausreichend mitbedacht. Und so machen die Erfahrungen der letzten Monate schlaglichtartig deutlich, dass der Weg hin zur Inklusion leider noch auf keinem sehr gefestigten Grund verläuft.“

 „Unser Begriff von Inklusion ist ein weit gefasster“, sagt Bernarda Deufel, Leitung Selbsthilfebüro Freiburg/Breisgau-Hochschwarzwald und verweist auf Menschen mit chronischen Erkrankungen, psychischen Beeinträchtigungen, alte Menschen, Migranten und all jene, die möglicherweise das Gefühl haben, sich nicht uneingeschränkt frei bewegen und entfalten zu können.  

 Die Aussagen der Menschen mit und ohne Behinderung auf den Fotos zeigen deutlich, wie unterschiedlich Menschen Teilhabe erleben und sich Inklusion wünschen:

 „Inklusion ist für mich Zusammensein - wenn es egal ist wieviel Gepäck man mitnehmen muss - der Weg darf holprig sein und lang:  Die Sonnenstunden schmecken gemeinsam am besten“, sagt Annas Familie. Anna besucht die Grundstufe der Freiburger Janusz-Korczak-Schule und ist ebenso wie Schulkollegin Jennifer auf offene Augen, offene Ohren und offene Herzen der Mitmenschen angewiesen. Denn sie können nicht sprechen, nicht gehen und ihre Hände nicht gezielt einsetzen. „Was ich brauche, sind Menschen, die meine besondere Situation verstehen, die fühlen, was ich brauche und möchte, die mir einen Raum im Leben geben, in dem ich mich entfalten kann“, sagt Jennifers Vater über seine Tochter.

 Die Rollstuhl fahrende Mutter Anna sagt: „Inklusion ist für mich, wenn die Leute nicht mehr total überrascht sind, wenn sie von meiner Familie hören“ – und wirft ihrem Sohn, dessen Buggy vorne auf dem Rollstuhl angebracht ist einen liebevollen Blick zu. Sabali aus der Schulkindbetreuung des Jugendhilfswerks wünscht sich, dass alle miteinander spielen können und jeder so sein darf wie er ist. Stefan schreibt, dass er unter Inklusion versteht, wenn er selbstverständlich mit seinem gleichgeschlechtlichen Partner händchenhaltend durch die Innenstadt laufen kann. Gerda, Bewohnerin einer Seniorenresidenz, schreibt: „Inklusion ist für mich wenn ich ohne Stufen und zu schnell schließende Bustüren heil an mein Ziel komme“ und Susanne wünscht sich, dass sie mit anderen Menschen ohne Scham- und Schuldgefühle über ihre psychische Erkrankung sprechen kann.

 

Alle Beiträge finden Sie auf dieser Seite unten, sowie in den sozialen Medien unter dem Hashtag #InklusionIstFürMich

Pressespiegel

Beitrag Baden TV Süd:

"Aufmerksamkeit für das Thema Inklusion" von Kevin Sprauer, 7. Mai 2021

Beitrag der Badischen Zeitung Müllheim sowie als "BZ-Thema" in der Badischen Zeitung Freiburg:

"Teilhabe ist... im Alter Spaß haben und nach einer Krankheit wieder arbeiten können" von Simone Höhe und Alexander Huber, 7. Mai 2021 (Müllheim), 11. Mai 2021 (Freiburg)

Beitrag der Badischen Zeitung Freiburg:

"Menschen mit Behinderung sind einzigartig – so wie alle Menschen" von Anja Bochtler, 6. Mai 2021

Beitrag der Badischen Zeitung Freiburg:

"Die Freiburger Woche der Inklusion findet in diesem Jahr digital statt" von BZ-Redaktion, 29. April 2021

Eine sehr bewegende Rückmeldung kam von Jennifers Vater, der in Absprache mit seiner Tochter folgendes schreibt:

Ich heiße Jennifer. Ich kann nicht sprechen, ich kann nicht gehen, ich kann meine Hände nicht gezielt benutzen. Aber ich freue mich, dass ich leben darf - dass ich wie alle anderen Menschen die Sonne, den Wind, den Regen, den Schnee auf meiner Haut, auf meinem Gesicht spüren darf. Ich bin glücklich, wenn mir jemand über Arm und Hände streichelt, wenn mich ein "naher" Mensch in den Arm nimmt und mir sagt, dass es schön ist, dass ich da bin. Was ich geben kann, erscheint nicht viel. Es sind nur meine Blicke, mit denen ich meine Freude und meine Liebe ausdrücken möchte. Was ich brauche, ist die Fürsorge der Menschen um mich. Ich habe oft Schmerzen und kann nicht sagen, wo genau es weh tut. Vielleicht habe ich ein Wimperhaar im Auge und niemand merkt es. Mein Rücken schmerzt und ich möchte gerne liegen, aber man setzt mich in den Rollstuhl. Ich habe Angst, weil ich nicht verstehe, was um mich herum geschieht.


Manche Menschen reden über mich, wenn ich dabei bin - aber viele reden nicht mit mir.


Ich muss nicht alles haben und machen, was andere haben und machen. Ich bin ganz still und kann nicht sagen, was ich gerne möchte. Was ich brauche, sind offene Augen, offene Ohren, offene Herzen der Menschen um mich. Was ich brauche, sind Menschen, die meine besondere Situation verstehen, die fühlen, was ich brauche und möchte, die mir einen "Raum" im Leben geben, in dem ich mich entfalten kann. Meine Schwester hat gestern meine Hände gehalten und Ostereier mit mir bemalt. Da war ich stolz, dass ich das auch kann.


Meine Eltern müssen viel mit Behörden streiten, weil staatliche Stellen und die "Kassen" immer wieder versuchen, die notwendigsten Dinge zu verweigern. Das verstehe ich nicht. Dieser Staat ist so reich, aber an mir, die ich mich nicht wehren kann, soll gespart werden.


Einige wenige Jahre darf ich noch in die Korczak-Schule gehen. Dort sind Menschen, die genau verstehen, was ich brauche. Dort kann ich Dinge lernen, die ich sonst nirgends lernen kann. Das ist gut für mich. Die große Frage ist, wo ich sein werde, wenn die Schule für mich zu Ende geht und wenn meine Eltern alt werden und ich nicht mehr zuhause leben kann. Das macht mir Angst, auch wenn ich diese Sache nicht genau verstehe.

Schlagworte zum Thema

Wichtige Werkzeuge

Artikel merken