Rund 87.000 junge Menschen wuchsen 2023 in Deutschland in Pflegefamilien auf – das sind 40,5 Prozent aller erzieherischen Hilfen außerhalb der Herkunftsfamilie. In Baden-Württemberg sind es 6.878 junge Menschen in einer Pflegefamilie, davon 302 unbegleitete minderjährige Geflüchtete (Quelle KVJS).
Die Vollzeitpflege ist zentraler Bestandteil der Kinder- und Jugend- hilfe und bietet jungen Menschen Schutz, emotionale Sicherheit und Entwicklung in einem familiären Setting. Pflegeeltern sind meist keine pädagogischen Fachkräfte. Sie übernehmen anspruchsvolle Aufgaben zwischen privater Elternschaft und öffentlicher Verantwortung. Für ihr Engagement nehmen sie nicht selten berufliche und private Einschränkungen auf sich.
Das Engagement kann jedoch mit biografischen Risiken für die Pflegeeltern verbunden sein. Dies zeigt sich bei der Altersabsicherung und dem fehlenden Anspruch auf Elterngeld.
Zentrale Forderungen: Verbesserte Altersvorsorge und Elterngeld für Pflegeeltern
Ein Pflegelternteil verzichtet nicht selten auf Erwerbstätigkeit oder arbeitet in Teilzeit. Die neben dem Pflegegeld gewährten Beiträge zur Alterssicherung sind in der Regel nicht ausreichend. Derzeit orientiert sich die Altersvorsorge an einem hälftigen Mindestbetrag der Rentenversicherung – das reicht nicht aus, um Altersarmut zu verhindern. Besonders prekär ist die Lage in der Bereitschaftspflege, da dort keine Erziehungszeiten anerkannt werden.
Hinzu kommt: Pflegeeltern haben aktuell keinen Anspruch auf Elterngeld. Sie sind damit schlechter gestellt als leibliche Eltern, obwohl sie vergleichbare oder höhere Anforderungen schultern. Die neue Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag die Einführung des Elterngelds für Pflegeeltern aufgenommen; Zeitpunkt der Umsetzung noch ungewiss. Deshalb fordert der Paritätische Baden-Württemberg eine zeitnahe Einführung eines gesetzlichen Elterngeldanspruchs für Pflegeeltern, Verbesserung der Rentenleistungen zur realistischen Altersabsicherung und die Anerkennung von Erziehungszeiten auch in der Bereitschaftspflege.
Professionelle Begleitung und verbindliche Qualitätsstandards unabdingbar
Pflegekinder benötigen starke Pflegefamilien – dazu braucht es neben der finanziellen Absicherung professionelle Begleitung, verbindliche Qualitätsstandards und verlässliche Rahmenbedingungen. Dies gelingt, wenn Pflegefamilien stärker unterstützt und durch professionelle Beratung begleitet werden, eine entlastende Infrastruktur vorgehalten wird, Qualifizierungsangebote einheitlich geregelt und Pflichtinhalte wie Kinderschutz, Rechte und pädagogisches Wissen umfasst sind, und der Zugang zu Fortbildungen und Austauschformaten niederschwellig und finanziell abgesichert ist.