Pflegemutter sein? Das kann sich Andrea Leitgebs leibliche Tochter Lara vorstellen. Die 23-Jährige macht den Master in Sozialer Arbeit, arbeitet in der Jugendhilfe. Vier Jahre war sie, als Regina kam, habe sich früh mit der Bedeutung von Familie auseinandergesetzt. Mit Regina habe sie „eine Schwester dazu gewonnen!“ Den Rahmen schuf Andrea Leitgeb mit Liebe, Bedacht, Erfahrung und fachlichem Hintergrund, sie ist seit 30 Jahren professionelle Pflegemutter. Das braucht? „Verständnis, Willen, Nerven, vor allem Wertschätzung, die oft schwere Herkunft im Auge!“ Viele der Kinder brächten Päckchen mit, die manche ihr Leben lang nicht trügen, hätten Förderungsbedarf. Pflegefamilien stünden in der Öffentlichkeit durch den regelmäßigen Austausch mit Jugendamt und anderen Stellen. „Wichtig ist ein Netzwerk, mit allen vertrauensvoll im Gespräch zu sein“, also die Verbindung zwischen Menschen im vertrauten Lebensumfeld des Pflegekindes – Eltern, Geschwister, Angehörige – und den Kontakten zu Vormündern, Jugendämtern, Gerichten, Kindergärten, Schulen und Therapierenden.
Die kit jugendhilfe Tübingen vermittelt Pflegekinder nur in Familien, wo ein Partner vom Fach ist. Jugendämter machen es anders. Aber anfangs steht stets der Eignungsprüfungsprozess der Pflegepersonen. Wera Thomßen: „Wir beraten kontinuierlich in Reflexionsgesprächen, gehen auf die Lebensrealität des Kindes ein, unterstützen in Krisen.“ Andrea Leitgeb wechselt nun, da Regina erwachsen ist, selbst in die Beratung, benachteiligten Kindern ein neues Heim zu bieten, die Chance, neue Erfahrungen zu machen, Altes abzuschließen, das stiftet Sinn. Die ganze Familie habe Reginas Erfolge gefeiert. „Meilensteine, die man gemeinsam bewältigt, jeder Fortschritt freut wahnsinnig, macht auch stolz. Vielleicht werde ich ja mal Pflegeoma.“
Autorin: Petra Mostbacher-Dix, Journalistin, Kunsthistorikerin, Dozentin
Beitrag aus ParitätInform 3/2025