Im Kontaktcafé "Panto" des bwlv

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Im Kontaktcafé "Panto" des bwlv

Am 17. April lud Nathalie Dennnemoser, Leitung der Reutlinger Jugend- und Drogenberatung des bwlvs, interessierte paritätische Kolleg*innen im Rahmen des Café Pari zum gemütlichen Austausch in das Kontaktcafé Panto in der Metzgerstraße 67.

In den Räumlichkeiten des Kontaktcafés Panto konnten die Gäste aus verschiedenen paritätischen Mitgliedseinrichtungen spannende Details über die Jugend- und Drogenberatung insgesamt und das Kontaktcafé im Besonderen erfahren: So stellt das Café Panto montags und donnerstags für je 3 Stunden eine sehr niedrigschwellige Begegnungsmöglichkeit für Menschen mit Suchterkrankung dar. Dort wird zum einen die Grundversorgung gesichert, indem z.B. Frühstück angeboten wird. Zum anderen soll aber vor allem Kontakt stattfinden – Kontakt der Betroffenen untereinander, aber auch Kontakt zu den Mitarbeitenden der Sucht- und Drogenberatung, die hier spontan mit den unterschiedlichsten Anliegen angesprochen werden können. Natürlich wird auch ohne konkretes Anliegen gesprochen; die Begegnung und die Beziehung stehen im Mittelpunkt. Dass dies vor allem für Menschen mit schwerer Suchterkrankung sehr wichtig ist, wurde im Austausch deutlich: Die gesellschaftliche Ausgrenzung von Erkrankten ist erkennbar. Umso wichtiger für die Betroffenen, wenn es Begegnungsorte gibt, an denen sie willkommen sind. Nathalie Dennenmoser benannte auch weitere aktuelle Herausforderungen, mit denen sie in der Jugend- und Drogenberatung konfrontiert sind: Von der Zunahme multimorbider Erkrankungen, systemsprengenden Verhaltens bis hin zum ausgeprägten Mischkonsum unterschiedlicher Drogen von jungen Konsument*innen ist die alltägliche Arbeit fern von Routine. Auch im Kontaktcafé Panto sind die Zeiten herausfordernd, da z.B. die gesellschaftliche Spaltung in Form von diskriminierenden Parolen auch dort ihren Niederschlag findet. Hier leisten die anwesenden Mitarbeitenden dann Integrationsarbeit, sorgen für ein respektvolles Miteinander und ordnen solche Aussagen ein. Da die Suchtberatung keine kommunale Pflichtleistung ist, wurden hier zuletzt Stellen gekürzt; dies spannt die Lage natürlich zusätzlich an. 

Im kollegialen Austausch wurde zudem deutlich, dass es ganz dringend Wohnraum für Suchterkrankte braucht, der eigentlich von sozialen Einrichtungen betrieben werden sollte, da diese auf den Wohnungsmarkt nicht vermittelbar sind. Kolleg*innen des Vereins für Sozialpsychiatrie e.V., der mehr als 100 Wohnungen tatsächlich betreibt, rieten hiervon aber deutlich ab, da der Betrieb von Wohnungen nicht ansatzweise kostendeckend erfolgen könne und insofern wirtschaftlich für soziale Träger eigentlich nicht tragbar sei. Auch hier wurde im Gespräch deutlich, dass es politische Lösungen braucht, um dem Problem zu begegnen. Gut, dass auch Gabriele Janz, Gemeinderätin der Stadt Reutlingen, in ihrer Funktion als paritätische Kreisvorständin anwesend war. 

Da Suchterkrankung ein breites Feld ist und oftmals auch multimorbide auftritt, war der Einblick in die Arbeit der Jugend- und Drogenberatung für die Kolleg*innen anderer sozialer Einrichtungen sehr gewinnbringend – denn auch in anderen Beratungsdiensten und Begegnungsstätten schlagen Menschen mit Suchterkrankung auf. Entsprechend ist die Vernetzung und der durch die Veranstaltung gestärkte Kontakt unter den Fachkolleg*innen der unterschiedlichen sozialen Disziplinen von großem Wert – der Weg zu Nathalie Dennenmoser und ihrem Team ist ganz sicher kürzen geworden.