Gemeinde- und Kreisräte konnten aus rund sechzig Angeboten von Fachgesprächen bis hin zu Hospitationen auswählen. Siebzehn Mitgliedseinrichtungen des Paritätischen luden Besucher*innen aus der Kommunalpolitik zu sich ein. Letztlich kamen vierzehn Besuchstermine zustande, bei denen die Gäste soziale Wertarbeit in den Einrichtungen erlebten und sich mit Mitarbeitenden und Klienten austauschten.
Dabei lernten sie die Themen der jeweils unterstützten Menschen kennen. Mit welchen bürokratischen Hürden psychisch Kranke kämpfen und dass das Ausfüllen eines Antrages einen Menschen bereits in eine Krise stürzen kann, überraschte die Stadträtin Carola Brenner (CDU) aus Weingarten. Sie wünscht sich, „dass die Gesellschaft und die (Kommunal-)Politik ihren Blick öffnen und unsere Mitmenschen mit Beeinträchtigungen nicht nur wahrnehmen, sondern sie auch fördern.“
Die Besucher*innen gewannen auch Einblicke in die Abläufe, Angebote und Anliegen der Organisationen. Hannes Bauer, CDU-Kreisrat im Bodenseekreis, zeigt sich begeistert vom Besuch einer Werkstatt in der Camphill-Lebensgemeinschaft Lehenhof: „Hier wird „umgekehrte Inklusion“ ganz selbstverständlich gelebt – den Arbeitsrhythmus bestimmen die Menschen mit Behinderung; Vollzeitkräfte ohne Behinderung arbeiten und leben an der Seite der Menschen mit Behinderung, nicht umgekehrt. Danke, dass ich diesen einmaligen authentischen Einblick genießen durfte.“
Gerade angesichts der in vielen sozialen Bereichen drohenden Kürzungen ist es den Organisationen ein Anliegen, ihr Angebot und die Relevanz für unsere Gesellschaft aufzuzeigen. Anna Engelberg von der Lebenshilfe Ravensburg sieht im „Seitenwechsel“ die „Chance, auf bestehende Schwierigkeiten und notwendige Unterstützungsbedarfe seitens der Politik aufmerksam zu machen.“
Die Vorstände der Paritätischen Kreisverbände Bodenseekreis und Ravensburg danken den interessierten politischen Akteuren sowie den zahlreichen Fachkräften, die zusätzlich zu ihrem herausfordernden Alltag diesen Perspektivwechsel für die Politiker*innen ermöglicht haben.