Pflegepolitische Grundsatz- und Richtungsdebatte
Die Pflege steht unter zunehmendem politischen und wirtschaftlichen Druck. Die anhaltende Unterfinanzierung der Kranken‑ und Pflegekassen, angekündigte Sparvorgaben und aktuelle, strukturelle Reformdebatten verschärfen die ohnehin angespannte Versorgungslage. Gleichzeitig steigen die Bedarfe, während Personal und Ressourcen knapper werden.
Im Rahmen der Fachgruppensitzung möchten wir mit Ihnen anhand von vier Themenschwerpunkten Lösungsmöglichkeiten und Handlungsoptionen diskutieren.
Die Ergebnisse der Fachgruppensitzung sollen den Auftakt zur Erarbeitung pflegepolitischer Positionen des Paritätischen Baden-Württemberg auf Landes- und Bundesebene zu entwickeln.
Wir laden Sie herzlich ein zur Teilnahme an der
Fachgruppensitzung des Bereichs Ältere Menschen und Pflege
Am Mittwoch, 20.05.2026
Von 9:30 Uhr - 16:00 Uhr
Im Wohnstift Karlsruhe e.V. - Residenz Rüppurr, Joseph-Keilberth-Saal, Erlenweg 2, 76199 Karlsruhe
Tagesordnung:
9:30 Uhr: Begrüßung
9:45 Uhr: Bekanntgabe der gewählten Fachgruppensprecher und Kernteammitglieder
10:15 Uhr - 12:00 Uhr: Workshopphase Finanzierung und Bürokratie
12:00 Uhr - 13:15 Uhr: Mittagspause mit kleinem Imbiss
13:15 Uhr - 15:00 Uhr Workshopphase Versorgungsstruktur und Personal
15:15 Uhr: Präsentation der Ergebnisse aus den Workshops, Ausblick und Abschluss
ca. 16:00 Uhr: Ende der Veranstaltung
Zu den Workshops:
Versorgungsstruktur zukunftsfähig gestalten
Die pflegerische Versorgung steht vor tiefgreifenden strukturellen und finanziellen Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach tragfähigen Handlungsoptionen. Wie lässt sich die ambulante Versorgung durch trägerübergreifende Zusammenarbeit, eine gezielte Bündelung von Aufgaben, stärkere Vernetzung und einen effizienteren Ressourceneinsatz zukunftsfähig weiterentwickeln? Welche Rolle können (teil-)stationäre Einrichtungen künftig einnehmen – etwa als Anbieter (behandlungs‑)pflegerischer Leistungen im unmittelbaren Wohnumfeld?
Zugleich rückt die Verantwortung von Kommunen und Ländern stärker in den Fokus: von einer verbindlichen Altenhilfe‑ und Pflegestrukturplanung über die Weiterentwicklung des § 9 SGB XI bis hin zur konsequenten Umsetzung des § 71 SGB XII.
Daraus ergibt sich die zentrale strategische Frage: Wie können und wollen wir uns positionieren? Wie wollen wir auf den politischen Spar‑ und Reformdruck reagieren?
Finanzierung
Die soziale Pflegeversicherung steht durch den demografischen Wandel und steigende Pflegebedarfe zunehmend unter finanziellem Druck. Hinzu kommen steigende Kosten, insbesondere durch höhere Löhne im Pflegebereich und allgemeine Preissteigerungen, die zwar notwendig sind, aber die Ausgaben weiter erhöhen. Die Einnahmen können mit dieser Entwicklung bislang nicht Schritt halten, wodurch strukturelle Finanzierungsprobleme sichtbar werden.
Gleichzeitig geraten Pflegeeinrichtungen wirtschaftlich unter Druck, da ihre Kosten oft nicht vollständig refinanziert werden. Fachkräftemangel, hohe Personalkosten, Liquiditätsengpässe durch ausbleibende und verspätete Zahlungen sowie unzureichende Investitionsförderung verschärfen die Lage zusätzlich und führen vermehrt zu Insolvenzen oder Schließungen.
Personal
Die steigende Zahl Pflegebedürftiger führt zu einem wachsenden Bedarf an professionell Pflegenden. Dem gegenüber stehen sinkende personelle Quantität und Qualität: Chronischer Personalmangel bei gleichzeitig abnehmendem fachlichem Niveau des vorhandenen Personals in der Altenpflege.
Wir wollen gemeinsam mit Ihnen Möglichkeiten diskutieren, die Sie als Vertreter*innen von Einrichtungen und Diensten der (teil-)stationären und ambulanten Altenpflege sehen, um mit Ihren Mitarbeitenden künftig eine fachlich angemessene professionelle Pflegequalität zu gewährleisten und eine bedarfsgerechte professionelle Versorgung Pflegebedürftiger sicherzustellen: Wie definieren wir „fachlich angemessen“? Wie definieren wir eine bedarfsgerechte, an der Lebenswelt der Betroffenen ausgerichteten, Pflege- und Versorgungsqualität? Sind die aktuell bestehenden Qualitätsmaßstäbe, Reglementierungen und Standards im Rahmen der genannten Entwicklungen noch realistisch?
Welche neuen Qualifikations- und Kompetenzmodelle können dazu beitragen, den veränderten personellen Bedingungen vor Ort zu begegnen, Mitarbeitende in der Branche zu halten und ihnen bei knappen personellen, zeitlichen und finanziellen Ressourcen fachliche Handlungssicherheit zu geben?
Bürokratie
Die Bürokratie in der Langzeitpflege nimmt von Jahr zu Jahr weiter zu. Pflegeeinrichtungen sehen sich mit einer stetig wachsenden Fülle an Vorgaben konfrontiert. Diese ergeben sich aus Bundesgesetzen und bundesweit geltenden Regelwerken wie Rahmenverträgen, Empfehlungen, Richtlinien, Verordnungen und weiteren Festlegungen, die in der Regel zusätzlich in Landesrecht oder landesspezifische Vereinbarungen überführt werden müssen. Die daraus entstehenden Anforderungen führen in den Pflegeeinrichtungen zu erheblichem bürokratischem Aufwand.
Hinzu kommen ordnungsrechtliche Vorschriften auf Landesebene, die unabhängig davon weiteren Aufwand verursachen. Auffällig ist dabei, dass die verschiedenen Regelungen meist nicht ausreichend aufeinander abgestimmt sind, sodass Doppel- und Mehrfacharbeit entsteht.