Die Erfolgsgeschichte von Bahara, einer jungen Afghanin
Zugleich macht sie deutlich, welche Hürden junge (zugewanderte) Menschen überwinden müssen, um den eigenen schulischen und beruflichen Werdegang zu meistern.
Knapp 60 Prozent aller Asylanträge im ersten Halbjahr stammten von unter 25-Jährigen. Über 23 Prozent befinden sich am Übergang von der Schule in den Beruf – also zwischen 16 und 25 Jahren. An diesem Punkt war auch die junge Bahara, als sie von ihrem Sozialarbeiter in der Gemeinschaftsunterkunft an NIFA plus verwiesen wurde. Sie hatte bereits erfolgreich eine Vorbereitungsklasse für zugewanderte Kinder und Jugendliche besucht und anschließend den Hauptschulabschluss absolviert. Aber ihre Noten reichten nicht aus, um auch noch die mittlere Reife zu machen. Eine 2-jährige Berufsfachschule brach Bahara bereits nach kurzer Zeit ab. Tief enttäuscht und verunsichert kam sie bei NIFA plus an.
Bei der NIFA plus-Beratung stellte sich schnell heraus, dass sie trotz vorhandener Ausbildungsreife, Sprachkenntnissen und Abschlusszeugnis keine
Ausbildung beginnen, sondern zuerst die mittlere Reife erlangen wollte. Gesagt, getan – gemeinsam mit dem NIFA-plus-Berater der Arbeitsgemeinschaft für die eine Welt e. V. wurden Bewerbungsunterlagen erstellt und alle Schulen mit diesem Bildungsziel im Raum Stuttgart kontaktiert – über 60! Mit Erfolg: eine Schule meldete sich und bot Bahara ein Vorstellungsgespräch an. Gemeinsam mit dem NIFA plus-Berater nahm Bahara diesen
Termin wahr und wurde direkt in die 10. Klasse aufgenommen! Dank dieser erhaltenen Chance, ihrer Motivation und Fleiß erhielt Bahara im Sommer
2024 den Realschulabschluss – mit Belobigung! Das Engagement relevanter Akteure und eine gezielte Zusammenarbeit – etwa von Arbeitgebenden,
Schulleitungen, Lehrkräften und Sozialarbeitenden – sind hierbei nicht zu unterschätzen!
Netzwerkarbeit ist in NIFA plus die entscheidende Grundlage, nach außen wie nach innen. Um die fachliche Qualität der Beratung am Übergang Schule-Beruf kontinuierlich weiterzuentwickeln, arbeitet NIFA plus auch in der bundesweiten Arbeitsgruppe des WIR-Programms mit. Hier werden sowohl Einzelfälle besprochen, aktuelle Entwicklungen und strukturelle Herausforderungen der Berufsberatung junger Geflüchteter aufgegriffen als auch Good- Practice-Ansätze entwickelt und evaluiert. Die Fachberatungsstelle NIFA plus unterstützt überregional Arbeitgebende, Haupt- und Ehrenamtliche, speziell bei Fragen zu Beschäftigungserlaubnis, Ausbildungsförderung und Sicherung des Aufenthaltsstatus durch Ausbildung oder Arbeit. Alle Beteiligten im Integrationsprozess junger Geflüchteter – von der Schulsozialarbeit in VAB-O Klassen über Mitarbeitende in Wohngruppen oder Unterkünften bis hin zu Ausbilder*innen, Lehrkräften und ehrenamtlichen Mentor*innen – können von der Fachberatungsstelle geschult oder beraten werden.
Seit Projektbeginn im Oktober 2022 haben mehr als 250 Multiplikator*innen unser Angebot genutzt und sich für die Lebensrealität junger Geflüchteter
sensibilisieren und zu aufenthalts- und sozialrechtlichen Fragen wie zu gezielter Netzwerkarbeit qualifizieren lassen.