09:30 Uhr Beginn
10:00 Uhr Begrüßung
Ursel Wolfgramm, Vorstandsvorsitzende
PARITÄTISCHER Baden-Württemberg e.V.
Christian Brokate, Vorstandsvorsitzender
Integrative Wohnformen e.V.
Christine Engelhardt, Leiterin der Abteilung Soziales
Ministerium für Soziales und Integration


10:30 Uhr Genossenschaften als Organisationen sozialer Innovation
Burghard Flieger, innova eG Freiburg

Genossenschaften im sozialen Sektor stehen für die vielfältigen Facetten, wohin die Reise für sozialwirtschaftliche Organisationen gehen könnte, die soziale und wirtschaftliche Aspekte miteinander verbinden. Burghard Flieger veranschaulicht die Möglichkeiten und Grenzen genossenschaftlicher Ansätze für die Bewältigung sozialer Aufgaben. Themenschwerpunkte sind u.a.:

  • Was ist unter (Sozial-)Genossenschaften zu verstehen?
  • Mit welchen widersprüchlichen Anforderungen werden Sozialgenossenschaften konfrontiert?
  • In welchen sozialen Geschäftsfeldern sind Genossenschaften tätig?
  • Wann ist die Wahl der genossenschaftlichen Rechtsform besonders empfehlenswert?
  • Ist einer Anerkennung der Gemeinnützigkeit als eG möglich?
  • Was sind die wichtigsten Schritte für eine erfolgreiche Gründung?

 

11:00 Uhr Bürgerunternehmen und Bewohnergenossenschaften in Rheinland-Pfalz
Thomas Pfundstein, Servicestelle für kommunale Sozialraumentwicklung

  • Genossenschaften sind seit über hundert Jahren die stabilste, ökonomische Unternehmensform und tragen mit ihren Prinzipien der Selbsthilfe, Selbstverantwortung, Selbstverwaltung  und dem Identitätsprinzip zur Förderung Ihrer Mitglieder bei. Mit dem Solidarprinzip des gemeinsamen Wirtschaftens sind Ihre Mitglieder zugleich Abnehmer / Lieferanten,  gleichwertige Eigentümer und Kapitalgeber.  Genossenschaften eignen sich damit besonderes um soziale mit ökonomischen Zwecken zu verbinden und Wertschöpfungsketten entstehen zu lassen.
  • In den letzten beiden Jahrzehnten haben sich zahlreiche Seniorengenossenschaften auf örtlicher Ebene gebildet, die zwar dem Solidargedanken folgen, aber meist als gemeinnütziger Verein organisiert sind. Der Beitrag zeigt an einigen Beispielen, dass die eingetragene Genossenschaft,  trotz rechtlicher Hürden, spezielle Vorteile bietet und besonders geeignet ist, Projekte des Wohnens mit Hilfeangeboten und Leistungen der Pflegeversicherung zu verbinden.


11:30 Uhr Weiterentwicklung traditioneller Wohngenossenschaften zu Genossenschaften mit sozialen Dienstleistungen
Rainer Böttcher, Vorstand FLÜWO Bauen Wohnen eG

  • Wohnungsgenossenschaften agieren im Spannungsfeld zwischen betriebswirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten einerseits und sozialer Teilhabe im Rahmen ihres satzungsgemäßen Auftrags andererseits. Im Ergebnis führt die Suche nach Ausgewogenheit zwischen angemessener Fürsorge für die Genossenschaftsmitglieder bei gleichzeitig hinreichender Wirtschaftlichkeit zu einer Vielzahl von Fragestellungen.
  • Welche Ressourcen werden notwendig, um die älter werdende Bewohnerschaft angemessen zu versorgen und Wohnen lebenswert zu erhalten?
  • Wie wird die notwendige Transformation des Wohnungsbestandes bewältigt, um so künftig nachgefragte Wohnformen für ältere Mitglieder aber auch für Familien anbieten zu können?
  • Welche Möglichkeiten der individuellen Mitgliederförderung lässt der genossenschaftsrechtlich verankerte Gleichbehandlungsgrundsatz vor dem Hintergrund der zu erwartenden Altersarmut überhaupt zu?
  • Welche Möglichkeiten hat eine Genossenschaft, deren Kerngeschäft die Versorgung ihrer Mitglieder mit Wohnraum ist, soziale Dienstleistungen (z.B. hauswirtschaftliche Dienste, Pflege) anzubieten, die den Verbleib ihrer (älteren)Mitgliedern ihrer Wohnung überhaupt erst möglich macht?
  • Wie kann eine Wohngenossenschaft sich mit Formen von Vernetzung und Kooperationen im Quartier zum Wohle seiner Bewohnerinnen einbringen?
  • Und schließlich: Wie lässt sich der Rollenkonflikt, dem Genossenschaftsmitglieder als Mieter und Gesellschafter zugleich ausgesetzt sind, künftig moderieren?
  • Bei der Suche nach Antworten auf diese Fragen ist festzustellen, dass die genossenschaftliche Rechtsform nur bedingt zufriedenstellende Antworten zulässt und deshalb neue Wege eingeschlagen werden müssen. Im Rahmen des strategischen Handlungsfeldes „Soziale Teilhabe“ entwickelt die FLÜWO Bauen Wohnen eG deshalb Lösungsansätze. Diese sollen vorgestellt werden und einen möglichen Weg aus dem „genossenschaftlichen Dilemma“ aufzeigen.


12:00 Uhr Sozialgenossenschaften beispielhaft: Die Familiengenossenschaft eG, Mannheim
Heike Schreiner, Geschäftsführung
Anton Frey, Gründungsmitglied

  • Die Familiengenossenschaft verbindet inzwischen die Arbeit von 50 aktiven DienstleisterInnen „rund um die Familie“, insb. Tagespflegepersonen, Erzieherinnen und hauswirtschaftlich und pflegerisch orientierte Fachkräfte.
  • Mitarbeiterfamilien der investierenden 35 Mitglieder (namhafte Unternehmen in der Metropolregion Rhein-Neckar, verschiedenster Größe!) können zentral und direkt diese Dienstleistungen abrufen.
  • Der Betrieb der Familiengenossenschaft eG wird über Mitgliedsbeiträge finanziert. Die aktiven Mitglieder führen 15% ihres Umsatzes ab, der Beitrag für Unternehmen staffelt sich nach der Anzahl der MitarbeiterInnen.
  • Die aktiven Mitglieder können sich voll und ganz auf ihre fachliche Arbeit konzentrieren. Aufgaben, wie Kundenakquise, Marketing (incl. Erschließung neuer Geschäftsfelder) Qualitätssicherung und fachlicher Austausch, Verwenden von rechtssicheren Verträgen, transparente Abrechnung, werden in gemeinsamer Verantwortung über die Familiengenossenschaft eG erledigt.
  • Das Einkommen der aktiven Mitglieder ist überdurchschnittlich hoch; die Koordination über die Familiengenossenschaft eG bewirkt eine sehr hohe Auslastungsquote, diese führt auch dazu, dass die Arbeit und damit das Einkommen sich gegenüber den „AlleinkämpferInnen“ verstetigt.
  • Die Unternehmen, als investierende Mitglieder, verfügen mit der Familiengenossenschaft eG über einen Ansprechpartner für alle Belange der „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“. Sie ersparen sich die Regiekosten und das Betriebsrisiko für eigen betriebene Einrichtungen. Sie haben jedoch über die Gremienarbeit einen direkten Einfluss auf die „Geschäftspolitik“.
  • In gemeinsamer Verantwortung kann so eine familienfreundliche Arbeitswelt gefördert werden, von der Online-Bedarfsanalyse über verschiedene Ebenen bis zum vertraulichen persönlichen Beratungsgespräch für Mitarbeiterfamilien.

12:30 Uhr Mittagessen

FACHFOREN
Alle Teilnehmenden haben die Möglichkeit, zwei unterschiedliche Foren zu besuchen.
13:15 bis 14:15 Uhr und 14:15 bis 15:15 Uhr

Fachforum 1
Genossenschaftsgründung: Organisatorische, rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen
Dr. Michael Roth,
Baden-Württembergischer Genossenschaftsverband, Stuttgart

Fachforum 2
Sozialgenossenschaft: Praktische Umsetzung
Dorothea und Anton Frey, Die Familiengenossenschaft eG, Mannheim

Fachforum 3
Die Weiterentwicklung traditioneller Wohngenossenschaften zu Sozialgenossenschaften
Rainer Böttcher, Vorstand FLÜWO Bauen Wohnen eG

Fachforum 4
Ausbildung/Qualifizierung zu „Genossenschaftsexperten/-innen“
Burghard Flieger, innova eG Freiburg

15:15 Uhr Schlussbemerkungen
Martin Link, Paritätische Akademie Süd

16:15 Uhr Ende