Sponsoring

(a) Umsetzung von Sponsoringvereinbarungen

Hinsichtlich der schriftlichen Absicherung des Verhältnisses zu Sponsoren besteht ein gewisses Spannungsverhältnis zwischen der Rechtssicherheit, der Praktikabilität und steuerrechtlichen Aspekten: Denkbar ist, eine konkrete Rahmenvereinbarung zu schließen, in der die Eventualitäten aller denkbaren Zuwendungsfälle geregelt werden, oder aber man kann für jedes Einzelprojekt eine gesonderte schriftliche Vereinbarung abschließen, was aber recht aufwändig ist.

Eine ganz allgemeine Rahmenvereinbarung, in der konkrete Angaben zu den Zuwendungen bzw. zu den Gegenleistungen fehlen, ist nicht hilfreich. Es sollten vielmehr die von der BAG SELBSTHILFE und dem FORUM im PARITÄTISCHEN entwickelten Musterverträge Verwendung finden.

Es wird darauf hingewiesen, dass eine Gegenleistung wegen der unterschiedlichen Steuersätze klar benannt werden muss. Sponsoringvereinbarungen liegen im Übrigen auch dann vor und sind schriftlich zu fixieren, wenn sie die Entgegennahme von Sachleistungen zum Inhalt haben.

Auch durchlaufende Zuwendungen sind entweder als Spende oder als Sponsoringvertrag einzustufen und verbuchen.

(b) Auslegen von Flyern und Publikationen eines Wirtschaftsunternehmens bei Veranstaltungen der Selbsthilfeorganisation

Eine Abmachung mit einem Vertreter eines Pharmaunternehmens, dass man einen bestimmten Betrag als Zuschuss für eine Veranstaltung erhalte und dass man dann Flyer des Unternehmens dort auslege, stellt bereits einen Sponsoring-Vertrag dar, der schriftlich zu fixieren ist. Es werden dann nämlich schon - anders als bei einer Spende - Leistung und Gegenleistung in ein Abhängigkeitsverhältnis zueinander gebracht. Sponsoring-Vereinbarungen lösen Steuerpflicht aus.

(c) Anfertigung eines Kalenders für die Selbsthilfeorganisation auf Kosten eines Wirtschaftsunternehmens

Bei einer Anfertigung eines Kalenders mit den Logos einer Selbsthilfeorganisation und eines Wirtschaftsunternehmens auf Kosten des Unternehmens, bei dem die Selbsthilfeorganisation die Verteilung des Kalenders übernimmt, handelt sich um ein Sponsoring. Daher ist ein schriftlicher Vertrag mit dem Wirtschaftsunternehmen erforderlich; die Selbsthilfeorganisation unterliegt der oben beschriebenen Steuerpflicht.

Weitere Spezialfälle:

(d) Pharmaunternehmen verschenkt Kugelschreiber an eine gemeinnützige Organisation

Es liegt eine Sachspende des Pharmaunternehmens an die Selbsthilfegruppe vor, da keine weitere Gegenleistung erfolgt.

(e) Pharmaunternehmen stellt Sachpreise für die Weihnachtstombola einer gemeinnützigen Organisation zur Verfügung

Sofern das Pharmaunternehmen die Sachpreise zur Verfügung stellt, ohne hierfür eine (finanzielle) Gegenleistung zu erhalten, liegt wiederum eine Spende an die gemeinnützige Organisation vor.

(f) Pharmaunternehmen verteilt Flyer einer gemeinnützigen Organisation

Sofern das Pharmaunternehmen die Flyer der gemeinnützige Organisation verteilt, ohne hierfür eine (finanzielle) Gegenleistung zu erhalten, liegt wiederum keine Gegenleistung vor, die einer Steuer unterfallen könnte.

Erhält das Pharmaunternehmen ein Entgelt für das Verteilen des Flyers oder darf es im Gegenzug auf einer Veranstaltung der gemeinnützigen Organisation einen Werbe- und Informationsstand aufstellen, so liegt in dem Entgelt oder der Nutzungsmöglichkeit eine Gegenleistung an das Unternehmen. Das Pharmaunternehmen müsste das Entgelt bzw. den steuerlichen Wert der Nutzungsmöglichkeit versteuern.

Die gemeinnützige Organisation müsste ein fiktives Entgelt für das Verteilen der Flyer durch das Unternehmen versteuern. Hierbei dürfte es schwierig sein, die Höhe des fiktiven Entgeltes zu bestimmen. Das Entgelt würde im Rahmen eines steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetriebes erzielt werden, so dass es grundsätzlich der Körperschaft- und Umsatzsteuer unterfiele. Jedoch dürfte oftmals die Besteuerungs-grenze der Körperschaftsteuer nicht erreicht werden bzw. die Kleinunternehmerklausel des § 19 Umsatzsteuergesetz Anwendung finden.

(g) Pharmaunternehmen darf Informationsstand auf Mitgliederversammlung der gemeinnützigen Organisation aufstellen und „spendet“ zwei Wochen später 5.000,00 €

Sofern der Betrag von 5.000,00 € durch das Unternehmen an die gemeinnützige Organisation auch erfolgt wäre, wenn das Unternehmen keinen Informationsstand aufgestellt hätte, handelte es sich um eine echte Spende. Stellt jedoch die „Spende“ in Höhe von 5.000,00 € eine Gegenleistung für die Erlaubnis dar, einen Informationsstand aufzustellen, so ist diese Gegenleistung körperschaft- und umsatzsteuerbar.

(Aus: Merkblatt zum Sponsoring & Arbeitshilfe für die Leitsätze der Selbsthilfe)

Weiterführende Informationen: