Die Wirkung der Selbsthilfe

Die positiven Wirkungen von Selbsthilfe und Selbsthilfegruppen sind zahlreich.

Viele Mitglieder von Selbsthilfegruppen haben die Erfahrung gemacht, daß sie Belastungen besser bewältigen. Häufig gehen sie selbständiger und selbstbewußter als andere Menschen in vergleichbaren Situationen mit ihren Problemen um.

Weitere positive Wirkungen:

* Verbesserung der Fähigkeit, die Krankheit zu bewältigen (Erwerb von Fachwissen)
* Abbau von sozialer Isolierung, Bevormundung und Ängsten
* Selbstsicherer Umgang mit Professionellen (z.B. mit Ärzten)
* Entwicklung von neuen Lebensinhalten und Perspektiven und das Einfordern von Rechten.

„Die gegenseitige Unterstützung von Betroffenen ist eine wirksame Hilfe gegen die Vereinzelung und Ausgrenzung, von denen Langzeitkranke bedroht sind. In den Gruppen ist Solidarität erfahrbar. Die Gesundheitsarbeit, die in Selbsthilfegruppen geleistet wird, ist viel mehr als nur die Beschäftigung mit der Krankheit.“ Es geht in den Gruppen um „Probleme der Bewältigung krankheitsbedingter Angst, Scham und Unsicherheit, das tägliche Zurechtkommen mit der Krankheit im Alltag (Beruf, Familie), mit Trauer und Depression über erlittene Einschränkungen der Teilhabe am öffentlichen Leben, über Rollen- und Integrationsverlust, das Erlebnis sozialer Stigmatisierung, d. h. des Ausgeschlossenseins von vollständiger sozialer Anerkennung, und um Minderung des Selbstwertgefühls, Identitätskrisen“ (Röhrig 1991, S.V, 3).

Außerdem gingen durch Selbsthilfegruppen oft kritische und innovative Impulse aus, die zur Veränderung und zum Umdenken im professionellen Bereich beitragen.

Selbsthilfe führt zur Kompetenz der Bürger/-innen in eigener Sache (gegen Expertendominanz) und für die Pluralität der Werte und Wege“ (v. Ferber 1996, S. 129 f).

Dabei kann und will Selbsthilfe keine sozialstaatlichen Leistungen ersetzen, wohl aber ihre eigenen spezifischen Qualitäten entwickeln und so die Selbst- und Fremdhilfe fördern (vgl. Trojan 1986, S. 176 - 200; Braun/Greiwe 1989, S. 36).
 
„Über den volkswirtschaftlichen Nutzen der Arbeit von Selbsthilfegruppen und Initiativen liegen bislang nur wenige gesicherte Informationen vor. Eine in München 1992 durchgeführte Untersuchung ergibt, daß Investitionen der Selbsthilfeförderung durch Einsparung sonst notwendiger Leistungen des Sozial- und Gesundheitssystems sowie durch unentgeltlich erbrachte Leistungen der Bürger zu erheblichen Rückflüssen führen. Neben den öffentlichen Haushalten profitieren hiervon die Träger der Sozialversicherungen, insbesondere die Krankenkassen. Die Befragungen von Selbsthilfegruppen und Initiativen zeigen, daß die gesellschaftliche Wertschöpfung, die von den Mitgliedern der Selbsthilfegruppen und Initiativen für sich und andere jährlich erbracht wird, auf über 4 Milliarden DM geschätzt werden kann.“ (Braun/Kettler/Becker 1997, S. 7 f; vgl. Engelhardt u. a. 1995)