Paradigmenwechsel hin zu einer konsequenten Sozialraum- und Quartiersorientierung

Quartiere sind nicht notwendigerweise deckungsgleich mit verwaltungstechnischen Grenzen wie (Klein-)Stadt, Gemeinde, Ortsteil, Stadtteil etc. Quartiere zeichnen sich immer durch eine gewisse Bindung und Vertrautheit der Bürgerinnen und Bürger zueinander und zu dem Ort aus. Die Größe eines solchen, emotional besetzten Raumes mit sozialen Beziehungssystemen kann erheblich Schwanken und von wenigen Straßenzügen bis zu Stadtteil ähnlichen, größeren Arealen reichen. Unter dem Aspekt der Größe sind es insbesondere die Quartiere, die im Sinne einer sozialraumorientierten, kooperativen Quartiersentwicklung in den Blick genommen werden.

Um den wachsenden sozialen Herausforderungen zu begegnen, braucht es die Handlungskräfte des lokalen Raumes und der dort lebenden Menschen. Ein umfassendes Dienstleistungsangebot im Sinne eines sozialraumorientierten Versorgungsansatzes können einzelne Akteure/innen vor Ort nicht allein vorhalten. Vielmehr müssen sie sich in lokale Verantwortungs- und Versorgungsnetzwerke einbringen, zu Kooperationen bereit sein und bestehende Angebote besser vernetzen. Dabei gilt es, sich auf die lokal bereits vorhandenen Potenziale zu konzentrieren und diese durch Kooperationen und Partizipation mit den Bürgern/innen und Akteuren/innen vor Ort gemeinsam zu erschließen. Dazu müssen alle Akteure/innen, die die Sozial- und Lebensverhältnisse vor Ort beeinflussen, umdenken, ihr Handeln neu ausrichten und als mitverantwortliche Partner/innen in eine sozialraumorientierte kooperative Quartiersentwicklung eingebunden werden.

Es gilt, neue Modelle der Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung (Gesundheit, Jugend und Familie, Umwelt, Sport, Soziales, Bildung sowie Stadtentwicklung), aber auch mit den Bürgern/innen und Akteuren/innen im Quartier zu finden. Die teilweise Fokussierung „Einzelfall“ und „Zuständigkeit“ führt zum viel beklagten sektoralen Denken und Handeln. Sozialraumorientierte Quartiersentwicklung braucht eine bürgerfreundliche Verwaltung und Beteiligungsformen mit daraus entstehenden, integrierten kooperativen Planungsprozessen und Konzepten.