Der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg hat sich bei der Erstellung des Orientierungsrahmens an vier zentralen Leitlinien orientiert. Diese bilden den roten Faden für die Analyse, Argumentationen und Empfehlungen des PARITÄTISCHEN.

1. Teilhabe aller gesellschaftlichen Gruppen und aller Generationen

Der PARITÄTISCHE setzt sich für die soziale Teilhabe als Grundvoraussetzung der Chancengleichheit aller gesellschaftlichen Gruppen und eines Miteinanders der Generationen ein. Die Förderung und der Erhalt von Zugehörigkeit und Teilhabe müssen daher ein grundlegendes Ziel einer Politik mit und für alle gesellschaftlichen Gruppen und die Generationen sein. Soziale Teilhabe setzt voraus, dass sich Menschen im öffentlichen Raum bewegen, dass sie für andere erreichbar, dass sie soziale Kontakte und einen Austausch mit anderen pflegen und kulturelle Angebote wahrnehmen können. Teilhabe ist derzeit u. a. auch bei kognitiv und in der Mobilität eingeschränkten Menschen erschwert. Die gesundheitliche und die pflegerische Unterstützung und Versorgung sowie die Gestaltung des öffentlichen Raumes und der Wohnbedingungen müssen an dem Ziel ausgerichtet werden, Teilhabe auch Menschen mit Einschränkungen zu ermöglichen und zu fördern. Entscheidend für Teilhabe sind derzeit die ungleich verteilten Zugangsvoraussetzungen: Kommunen stehen hier in der Pflicht, insbesondere mit Blick auf Menschen mit geringen materiellen und sozialen Ressourcen die Beteiligung an Entscheidungs- und Beteiligungsprozessen zu ermöglichen. Der Erfolg von partizipativen Verfahren und engagementfördernden Interventionen misst sich an der Beteiligung benachteiligter Menschen.

2. Differenzierter Blick auf die Generationen

Der Blick auf die Vielschichtigkeit der Generationen entspricht einer zentralen Forderung des PARITÄTISCHEN. Insbesondere gilt es, die in jedem Lebensalter vorfindbaren Aspekte des „Sorge-Geben“ als auch des „Sorge-Empfangens“ – wenn auch mit unterschiedlichen Ausprägungen im Lebensverlauf – in den Blick zu nehmen. Die Diversität der Generationen hebt der PARITÄTISCHE besonders hervor. Die Lebensphasen der Generationen begründen keine einheitliche Lebenslage, vielmehr differenzieren sich die Lebenslagen im Lebensverlauf weiter aus. Dabei betreffen soziale Ungleichheiten zwischen verschiedenen Gruppen der Generationen (Alte und Menschen mit Behinderung) unter anderem finanzielle Ressourcen, Bildung, Wohnbedingungen, soziale Netze und Gesundheit. Eine Auseinandersetzung mit „Sorgearrangements“ der Generationen muss die Ver-schiedenartigkeit von Lebenslagen und die damit verbundenen unterschiedlichen Bedarfe berücksichtigen.

3. Generationsübergreifende Konzepte

Ausgangspunkt sind die Lebenslagen der Generationen. Verbesserungen im Gesundheitswesen, der Abbau von Barrieren in Wohnungen und im öffentlichen Raum, die Förderung des Engagements, eine ausgebaute Dienstleistungsinfrastruktur sowie gute öffentliche Verkehrsangebote steigern die Lebensqualität aller Bevölkerungsgruppen, egal welchen Alters und unabhängig von ihren Lebenslagen. Der PARITÄTISCHE hat den Anspruch eine Politik mit und für die Generationen umzusetzen, diese wird in einer generationsübergreifenden Politik der Sorge und Mitverantwortung eingebunden und ist Teil einer generationsübergreifenden Demografiepolitik.

4. Gleichstellung von Frauen und Männern sowie der Generationen

Die Weiterentwicklung und die Stärkung von Strukturen der Sorge und Mitverantwortung, der Unterstützung und der Pflege können nur dann nachhaltig sein, wenn es gelingt, die bestehende Ungleichheit zwischen den Generationen, zwischen Frauen und Männern in diesem Bereich abzubauen. Der PARITÄTISCHE setzt sich für eine gleichberechtigte Verteilung der Aufgaben der Sorge zwischen den Generationen und zwischen Frauen und Männern ein. Die Vereinbarkeit von Sorgearbeit und Erwerbstätigkeit muss für die Generationen sowie für Frauen und Männern in allen Wirtschaftsbereichen möglich sein. Eine kommunale Politik wirkt den Nachteilen entgegen, wenn die Generationen sowie die Frauen und Männer Sorgeaufgaben übernehmen.