2015 und 2016 war es die zentrale Aufgabe, Flüchtlinge in hoher Zahl aufzunehmen. Das hat das Land, aber auch die Zivilgesellschaft, vor große Herausforderungen gestellt. Durch hohes bürgerschaftliches Engagement und unterstützt durch die freie Wohlfahrtspflege wurde vieles gemeistert.

Die Kommunen stehen jedoch weiterhin vor großen Herausforderungen, denn in den nächsten Monaten und Jahren werden immer mehr Flüchtlinge in den Gemeinden in Baden-Württemberg ankommen. Alle Erfahrungen, die im Bereich der Integration in der Ver-gangenheit gemacht wurden, alle Erkenntnisse, die Wissenschaft und Praxis in den letzten Jahren gewinnen konnten, werden nun gebraucht.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt gelingt nur, wenn wir die Vielfalt in unseren Städten und Gemeinden als Chance sehen und das Wissen und die Erfahrungen von Migrantinnen und Migranten als Bereicherung begreifen. Keinesfalls dürfen Migrantinnen und Migranten weiter in zentralen Lebensbereichen wie Arbeit, Einkommen, Bildung, Ausbildung oder Wohnen Benachteiligung erfahren.

Integration ist ein Prozess, der auf Gegenseitigkeit beruht. Integration gelingt nur, wenn alle Beteiligte es wollen.

  • Erfolgreiche kommunale Integrationspolitik bedeutet gleichzeitig auch immer die Stärkung des kommunalen Wirtschaftsstandorts. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels in vielen Branchen, gewinnt dieser Aspekt immer mehr an Bedeutung. Auch die Bedeutung von Migranten als Arbeitgeber hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen.
  • Eine weitere Schlüsselfunktion übernimmt die kommunale Ebene bei der sozialräumlichen Integration. In Ballungsräumen, wo der Wohnungsmarkt sehr angespannt ist, müssen Kommunen sozialplanerische Gesamtkonzepte auflegen, um Migrantinnen und Migranten oder Flüchtlinge zu integrieren. So wird Ghettoisierung vermieden und unterschiedliche sozial schwache Gruppen werden nicht gegeneinander ausgespielt.
  • Die Kommunen müssen mit der größeren Vielfalt vor Ort auch ihre interkulturelle Kompetenz in Ver-waltung und in Bildungseinrichtungen stetig fortentwickeln. Die Mitarbeiter/innen dürfen hier nicht allein gelassen werden, sondern es müssen Konzepte entwickelt und Fortbildungen angeboten werden.
  • Integration ist heute schon lange kein Nischenthema mehr. Integration muss als kommunale Querschnittsaufgabe gedacht und auf allen Ebe-nen konsequent umgesetzt werden. Dabei kommen der interkulturellen Öffnung der Verwaltung, der beruflichen und sozialräumlichen Integration Schlüsselaufgaben zu. Außerdem gilt es ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Integration kein Projekt neben anderen, sondern eine kontinuierlich fortgeführte, sich aus Erfahrung verbesserlich fortgeführte, sich aus Erfahrung verbessernde Querschnittsaufgabe ist.