Das freiwillige bzw. bürgerschaftliche Engagement als zentrales Element einer starken und demokratischen Zivilgesellschaft in Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr an gesellschaftspolitischer Relevanz gewonnen. Der PARITÄTISCHE ist einer der Spitzenverbände für Organisationen, die unsere Zivilgesellschaft maßgeblich mit gestalten. Baden-Württemberg verfügt in hohem Maße über engagierte Bürgerinnen und Bürger wie auch über Unternehmen, die durch persönlichen oder finanziellen Einsatz Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen. Viele sind bereits aktiv. Für die Zukunft ist bedeutsam, durch niederschwelligere Zugangsmöglichkeiten auch die Menschen zu gewinnen, die aufgrund sozialen Benachteiligungen von sich aus nicht im selben Maße teilhaben und sich engagieren können und jene, die in den letzten Jahren zu uns geflüchtet sind.

Dabei werden die vorhandenen bürgerschaftlichen Potenziale und Ressourcen gerade im Zusammenspiel mit der professionellen sozialen Arbeit dringend benötigt. Familien und Kinder profitieren z. B. von Familienpatenschaften oder Vorlesestunden. Bei der Armutsprävention, der positiven Gestaltung der Altersphase oder der generationsübergreifenden und inklusiven Ausgestaltung der Quartiere prägt Bürgerengagement die lokale Gesellschaft entscheidend mit und trägt zu mehr Selbstbestimmung und sozialem Zusammenhalt bei.

Der PARITÄTISCHE ist davon überzeugt, dass bürgerschaftliches Engagement und Selbsthilfe zur Qualität der sozialen Daseinsvorsorge der Kommunen sowie zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen, die soziale Integration fördern und die lokale Demokratie durch eine intensive Beteiligungskultur stärken und

beleben kann. Voraussetzung für die Entfaltung der Potenziale des bürgerschaftlichen Engagements ist eine angemessene Unterstützungsstruktur in der Kommune. Sie sollte sich am Leitbild einer bürgerorientierten Verwaltung, einer breiten Engagementförderung und einer offenen Bürgerbeteiligung orientieren. Beteiligung hört dabei nicht beim Freiwilligenengagement des Einzelnen auf, sondern umfasst die verschiedensten Formen von Partizipation, so z. B. auch Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger im Rahmen der Aufstellung von Bürgerhaushalten oder bei Planungsprozessen in den Quartieren, Stadtteilen und in der gesamten Gemeinde.

Vorrangige Kernpunkte einer Engagementförderung im kommunalen Raum sind:

  • Förderung der Wertschätzung des bürgerschaftlichen Engagements durch Anerkennungskultur, fachliche Unterstützung und Weiterbildung, Unterstützung mit Infrastruktur (kostenfreie Räume) und Finanzmittel (z. B. Fördertöpfe für Selbsthilfegruppen, Migrantenselbsthilfeorganisationen u.a.).
  • Kommunale Anlaufstellen für bürgerschaftliches Engagement, Kooperation mit freigemeinnützigen Initiativen und Bündelung von Engagement in lokalen Netzwerken.
  • Entwicklung und Förderung neuer Formen des freiwilligen Engagements, Gewinnung neuer Gruppen Freiwilliger (insbesondere auch jener mit höheren Zugangsschwellen), Unterstützung von Selbsthilfegruppen und Organisationen, Initiierung von Beteiligungsprozessen und Förderung von Partizipation (z. B. durch Quartiersmanagement).
  • Gewinnung von Unternehmen für lokale Partnerschaften, in deren Rahmen diese das bürgerschaftliche Engagement ihrer Belegschaften fördern, soziale Organisationen unterstützen bzw. neue Kooperationen eingehen.