Kommunen sind in den unterschiedlichen Lebenswelten und ihrer Sozialräumlichkeit zentraler Ort und Akteur einer nachhaltigen Förderung der Gesundheit ihrer Bürgerinnen und Bürger, wenngleich grundsätzliche Weichenstellungen und der Rahmen der Gesundheitspolitik durch den Bund und die Sozialversicherungsträger vorgegeben werden.

Dabei ist Gesundheitsförderung gerade auch im kommunalen Bereich eine Querschnittsaufgabe, die in allen Bereichen mitgedacht werden muss, beispielsweise beim Städtebau, in der Quartiersplanung, in der Verkehrsplanung, bei der Einrichtung von Bildungsangeboten oder der Wirtschaftsförderung. Eine effektive lokale Gesundheitsstrategie setzt in den Lebenswelten der Menschen und in allen Lebensphasen an. Risiken und Belastungen müssen minimiert und Ressourcen für ein gesundes Leben gefördert werden.

Chronisch kranke und behinderte Menschen sind in besonderer Weise an der Teilhabe gehindert, denn zur Bewältigung ihrer Alltagsaufgaben kommen häufig armutsbedingte Belastungen und die Schwierigkeit, sich die notwendigen Ressourcen zu erschließen.

Zunehmend ist zu beobachten, dass im Gesundheitswesen eine Zwei-Klassen-Medizin Einzug hält und eine Diskriminierung bestimmter Bevölkerungsgruppen stat-findet. Geflüchtete Menschen und Menschen ohne gül-

tige Papiere und Krankenversicherung haben nur einen begrenzten Zugang zu medizinischer Versorgung.

Die Stärkung gesundheitlicher Kompetenzen der Bürgerinnen und Bürger leistet einen wichtigen Beitrag, um Teilhabe aller gesellschaftlicher Gruppen zu ermöglichen und sozialer und gesellschaftlicher Ausgrenzung entgegenzuwirken. Dies bedeutet u. a.:

  • Gesundheitsförderung als Querschnittsaufgabe der öffentlichen Verwaltung, Krankenkassen, Betriebe und Träger der freien Wohlfahrtspflege wahrnehmen unter Einbindung der Kommunalen Gesundheitskonferenzen.
  • Erstellung einer sozialraumbezogenen Bestands- und Bedarfsanalyse unter Einbeziehung des Gesundheitsatlasses Baden-Württemberg sowie entsprechender Gesundheitsberichterstattung der Stadt- und Landkreise.
  • Gelebte Subsidiarität durch Beteiligung der Betroffenen durch ihre Verbände und Patientenvertreter/innen bei der Umsetzung des Gesundheitsleitbildes Baden-Württemberg und weiterer Versorgungskonzepte.
  • Gesundheitsförderung und Prävention als fest integrierter Bestandteil von Arbeitskonzepten in unterschiedlichen Settings – Familien, Kitas, Schulen, Betriebe.
  • Beteiligung der Suchthilfeeinrichtungen und Suchtselbsthilfe an den kommunalen Suchthilfenetzwerken.
  • Ausbau und Absicherung von Angeboten der unabhängigen Beratung von Patientinnen und Patienten zur Stärkung ihrer individuellen Gesundheitskompetenz.
  • Ausrichtung der gesundheitsfördernden Maßnahmen und Angebote stärker auf ihre Wirkung im Hinblick auf spezifische Bedürfnisse von PatientInnen und Patientengruppen (ethnische Herkunft, Geschlecht, Religion und Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexuelle Identität).
  • Erstellung und Verbreitung barrierefreier Übersichten über gesundheitsbezogene Einrichtungen und deren Angebote im Stadt- oder Landkreis in Abstimmung mit bestehenden Einrichtungen.
  • Initiierung von Konzepten und Aktivitäten im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements über Kommunale Gesundheitskonferenzen.
  • Stärkung der beruflichen Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von sozialen Diensten in öffentlicher und frei gemeinnütziger Trägerschaft und ihre Sensibilisierung für lokale gesundheitlich relevante Themen durch gemeinsame Fortbildungen.