Mehr als 30 Prozent der Bevölkerung werden im Jahr 2050 60 Jahre und älter sein, dabei steigt im hohen Alter der Pflegebedarf deutlich an. Die demografische Entwicklung führt in den Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg teils zu gravierenden Veränderungen: In ländlichen und strukturschwachen Regionen stellt sich angesichts der steigenden Zahl älterer und der Abwanderung junger Menschen bereits heute die Frage nach der Sicherstellung der regionalen Daseinsvorsorge. Gemeinden sehen sich vor allem angesichts finanzieller Engpässe kaum mehr in der Lage, eine über die Grund-bedürfnisse hinausgehende Infrastruktur vorzuhalten.

Ausgehend von diesen Entwicklungen ist es für Baden-Württemberg entscheidend, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass die Menschen ein erfülltes Leben bis ins hohe Alter führen können. Die Politik einer älter werdenden Gesellschaft muss deshalb darauf ausgerichtet werden, ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen sowie soziale Teilhabe zu fördern und zu sichern. Die lokalen Rahmenbedingungen sind für das Leben im Alter von herausragender Bedeutung. Dazu gehören lebendige Nachbarschaften, Angebote für das soziale Miteinander, Wohlfahrtsstrukturen und bürgerschaftliches Engagement.

Starke, handlungsfähige Kommunen sind entscheidend und von zentraler Bedeutung, um im demografischen Wandel die Politik der Generationen für ältere und mit älteren Menschen vor Ort wirkungsvoll weiterzuent-

wickeln. Von Bedeutung sind passgenaue Dienstleistungsangebote, eine altersgerechte Infrastruktur sowie Rahmenbedingungen zur Förderung von Gesundheit und zur Unterstützung bei Hilfe- und Pflegebedürftigkeit.

Vielfältige Wohnformen sind gefragt, die dazu beitragen, dass die Generationen bis ins hohe Alter weitgehend selbstbestimmt und selbständig im vertrauten Wohn-umfeld leben können.

  • Neutrale Beratungsstrukturen an Pflegestützpunkten bündeln und ausbauen.
  • Förderung des sozialen, intergenerativen Zusammenlebens durch ein barrierefreies Wohnumfeld, eine regionale wohnortnahe Infrastruktur sowie soziale Angebote (z. B. Nachbarschaftstreffs) zur Stärkung gegenseitiger nachbarschaftlicher Hilfe.
  • Entwicklung angemessener Wohnformen für Menschen mit erheblichem Pflege-, Unterstützungs- und Betreuungsbedarf insbesondere mit Blick auf die wachsende Zahl hochaltriger Menschen.
  • Bereitstellung und Ausbau von niedrigschwelligen (z. B. haushaltnahen) Dienstleistungen, wohnortnahen, quartiersbezogenen Versorgungsangeboten im Vor- und Umfeld von Pflege und Betreuung zur Sicherung des Verbleibs in der eigenen Häuslichkeit – einschließlich inklusiver Ansätze. Ein Konzept von flächendeckenden „präventiven Hausbesuchen“ trägt dazu bei, Versorgungslücken frühzeitig zu erkennen und diesen individuell zu begegnen.
  • Ausbau und Weiterentwicklung von Angeboten und Konzepten zur Unterstützung und Entlastung pflegender Angehöriger.
  • Infrastrukturplanung zur bedarfsgerechte Steue-rung des Angebots an ambulanten und teilstationären Diensten und geriatrischer Rehabilitation gemäß „ambulant vor stationär“. Entwicklung von neuen Pflegekonzepten im stationären Wohnen, in der eigenen Häuslichkeit und von Wohnformen in Kooperation mit der Wohnungswirtschaft.
  • Gezielte Kampagnen zur Gewinnung von Nachwuchskräften und zur Steigerung der Attraktivität der Gesundheitsfachberufe insgesamt. Zugleich geht es insbesondere auch um die Initiierung eines Maßnahmenkatalogs, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern, die Fluktuation in den Gesundheitsfachberufen zu minimieren sowie durch Teilzeit-arbeit und Kinderbetreuungsmöglichkeiten den Verbleib und die Chance zum Wiedereinstieg in den Beruf zu ermöglichen und die Attraktivität des Pflegeberufs insgesamt zu steigern.