Armut ist in erster Linie die Armut von Kindern und deren Familien. Gerade für alleinerziehende Frauen und ihre Kinder ist das Armutsrisiko besonders hoch. Arbeitslosigkeit und Beschäftigung im Niedriglohnsektor bringt viele Menschen an die Armutsschwelle. Armut heißt aber nicht nur materielle Knappheit. Mit Armut einher gehen meist vielfältige Einschränkungen in wesentlichen Lebensbereichen wie Wohnen, wirtschaftliche und berufliche Perspektiven, Bildung, Gesundheit, Freizeit, kulturelle Teilhabe sowie Einschränkungen im bürgerschaftlichen und politischen Engagement, die zu mehr sozialer Isolation und Resignation führen.

Der PARITÄTISCHE setzt sich für eine umfassende Strategie der Armutsbekämpfung und -prävention ein. Armutsprävention als gesamtgesellschaftliche Aufgabe besteht nicht in der fürsorglichen Versorgung der Betroffenen, sondern darin, Risiken zu minimieren und von Armut bedrohten und betroffenen Menschen Chancen zu eröffnen, die sie in die Lage versetzen, selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu handeln und Wege aus der Armut zu finden. Ziel ist es nicht nur, materielle Not durch monetäre Transfers und Unterstützung zu lindern und die Existenz auf minimalem Niveau zu si-chern, sondern die Entwicklung und Verfestigung von „Armutskarrieren“ zu vermeiden und stattdessen neue Teilhabe-Perspektiven aufzuzeigen. Hier können Netzwerke lokaler Akteure für die unterschiedlichen Gruppen von Armut betroffener Personen konkrete, lebens-nahe Armutsüberwindungskonzepte entwickeln.

  • Stigmatisierungsfreier Zugang in der Gemeinde für Kinder und Jugendliche zu Mittagessen in Schule und Kita, zu Sport, individueller Lernförderung sowie musischer Bildung.
  • Gezielte Weiterentwicklung von Instrumenten der Armutsprävention, z. B. Familienpass, Sozialpass, Schuldnerberatung etc.
  • Gestaltung neuer Kooperationsstrukturen vor Ort, die für bestimmte in Armut lebende oder von Armut bedrohte Gruppen, – z. B. Alleinerziehende, alte Menschen, Menschen mit Behinderung, Migrantinnen und Migranten, straffällige, suchtkranke und wohnungslose Personen – Zugangs- und Teilhabevereinfachungen bringen.
  • Städte und Gemeinden schaffen im Rahmen einer aktiven, sozial-integrativen und sozialräumlich auf die Quartiere bezogenen Wohnungspolitik mehr bezahlbaren Wohnraum für Bevölkerungsgruppen mit niedrigen Einkommen (s. u.).
  • Rechtzeitige Maßnahmen zur Verhinderung von Wohnungsnotfällen und Stromsperren, frühzeitige Intervention bei Ver- und Überschuldung und dauerhafte und Perspektiven eröffnende Hilfen wie öffentlich geförderte Beschäftigung bei Langzeitarbeitslosigkeit bewahren die betroffenen Menschen vor einer Zuspitzung und Kumulation der Risiken.
  • Lokale Armutspräventionsprogramme im Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern entwickeln heißt Ressourcen der Betroffenen und der nachbarschaftlichen Strukturen einbinden und wertschätzend nutzen.
  • Die Verwaltung nutzt ihre Spielräume im eigenen Handeln bspw. durch ressortübergreifende Finanzbudgets und organisiert sowohl den fachlichen Austausch wie auch die öffentliche Netzwerkbildung systematisch.

Kommunale Wohnungspolitik

Zur Bekämpfung der Wohnungsnot sollte eine kommunale Wohnraum-Allianz unter Beteiligung der freien Wohlfahrtspflege etabliert werden. Folgende Ansätze sind hierbei zielführend:

  • Der Verkauf kommunaler Grundstücke ist mit einer Konzeptvorgabe und -vergabe zu verbinden. So kann die Kommune eine feste Quote für den Anteil an gefördertem Wohnungsbau festlegen.
  • Neue Grundstücke und Immobilien sind zu erschließen (z. B. Nutzung von Randzonen in Gewer-begebieten für Wohnzwecke).
  • Die Kommunen sollten gegen Wohnungsleerstand vorgehen, z. B. mit einem Maßnahmenmix aus Mietsicherungsgarantien für potentielle Vermieter und Sanktionierung von Wohnungsleerstand.
  • Die Kommunen sollten die Zweckentfremdung von Wohnraum verbieten.
  • Konsequente Umsetzung der Mietpreisbremse. Hierzu müssen sogenannte Gebietskulissen festgelegt werden. Die Bundesländer können Grenzen bei Mieterhöhungen festlegen.