Kinder umfassend vor jeder Form von Gewalt zu schützen, ist nicht nur ein zentrales Anliegen der am 20. November 1989 verabschiedeten UN-Kinderrechtskonvention, sondern auch des am 1. Januar 2012 in Kraft getretenen Bundeskinderschutzgesetzes. Kinder, die ihre Rechte kennen, sind besser vor Gewalt und anderen Gefährdungen geschützt. Es gibt keine Schwelle tolerierbarer Gewalt gegen Kinder, weder in der Familie, in der Schule, in Vereinen, in der Kinder- und Jugendhilfe oder im Jugendstrafvollzug.

Ein weiteres Anliegen der UN-Kinderrechtskonvention ist es, Kinder und Jugendliche altersgemäß an den sie betreffenden Entscheidungen zu beteiligen. Damit dies möglich ist, sind bessere Beratungszugänge sowie Beteiligungs- und Beschwerdemöglichkeiten für Kinder und Jugendliche erforderlich. Die angedachte gesetzliche Verankerung einer externen und unabhängigen Ombudsstelle in der Kinder- und Jugendhilfe wird dabei vom PARITÄTISCHEN als notwendig erachtet und ausdrücklich begrüßt.

Eltern und Fachkräfte, die eine Beteiligung an Entscheidungsprozessen ermöglichen, haben mehr Erfolg in der Erziehung. Junge Menschen sollen ihre Sichtweisen und Ideen einbringen und entsprechend ihrer Entwicklung Verantwortung übernehmen können. Sie sollen in Entscheidungsprozesse der Stadt- oder Ortsgesellschaft einbezogen werden und dabei aktiv mitwirken können. Kinder und Jugendliche brauchen darüber hinaus jedoch auch Spiel- und Entfaltungsräume zur Entwicklung ihrer Persönlichkeit.

Präventive Maßnahmen zum Jugendschutz, Jugendmedienschutz sowie zur Suchtprävention helfen junge Menschen vor Gefahren zu schützen. Anlaufstellen und gezielte Fortbildung für Fachkräfte im Umgang mit sexuellem Missbrauch sind uns für den Schutz der Opfer wichtig.

Junge Menschen sollen die für ihre Entwicklung notwendigen Möglichkeiten vorfinden. Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit in den Stadtteilen sind offene Treffpunkte für Kinder und Jugendliche und sprechen mit verschiedenen pädagogischen Konzepten unterschiedliche Zielgruppen an. Kommunen sollen weiterhin ihren Ermessensspielraum mutig ausschöpfen und alles tun, um Flüchtlingskinder ins soziale Leben zu integrieren. Kinder und Jugendliche mit Behinderung haben ein Recht auf Inklusion in der offenen Kinder- und Jugendarbeit.

  • Kinder müssen offensiver über ihre Rechte informiert werden. Ihnen sind auf allen gesellschaftlichen Ebenen echte Beteiligungsmöglichkeiten einzuräumen. Die Umsetzung ist ein konstitutiver Bestandteil der demokratischen Kultur in unserem Land.
  • Die Kinderrechte müssen basierend auf dem Kindeswohl und dem Recht auf Beteiligung und Berücksichtigung im Grundgesetz Niederschlag finden.
  • Die Partizipation der Kinder und Jugendlichen ist umfassend in den kommunalen Strukturen und Institutionen zu verankern. Dies gilt insbesondere für Planungsprozesse.
  • Beteiligung braucht Qualifizierung und Methoden, weil Beteiligungsprozesse kompetent und dauerhaft begleitet werden müssen.
  • Die Sensibilität der Öffentlichkeit für das Wohl von Kindern muss weiterhin gestärkt werden. Diese unterstützt die „Kultur des Hinsehens“ im Sinne einer Verantwortungsgemeinschaft, baut frühe Hilfen bedarfsgerecht aus, gestaltet Zugänge effektiv und schafft Anlaufstellen für von Missbrauch Betroffene.
  • Kinder- und Jugendarbeit muss sich an den verändernden Lebenslagen junger Menschen konzeptionell neu ausrichten und mit ihrer Beteiligung entwickelt werden. Angebotslücken besonders im Hinblick auf Teilhabemöglichkeiten von benachteiligten jungen Menschen und jungen Menschen mit Behinderungen sind durch inklusive Angebote zu schließen.