Die Grundlagen für Bildung und Lernen werden in der frühen Kindheit gelegt. Die Lernfähigkeit und -bereitschaft ist in den ersten Lebensjahren überdurchschnittlich groß. Eine Förderung ist deshalb besonders erfolgsversprechend. Wir sind es gerade den Kindern und Jugendlichen, die wegen schlechter Startchancen im Bildungssystem zu scheitern drohen oder ihre Begabungen nicht voll entfalten können, schuldig, die frühen Jahre intensiv zu nutzen. Wir wissen aber auch, dass Kinder dann optimal aufwachsen, wenn ihre Eltern in der Lage sind, die Entwicklung und Bildung aktiv und gestaltend zu begleiten. Dazu brauchen wir Bildungslandschaften im Lebensumfeld von Familien wie Familienzentren als Orte für Kinder und Eltern und Bildungspartnerschaften mit den Eltern im Interesse der guten schulischen Entwicklung ihrer Kinder.

Auch Jugendliche an der Schwelle ins Berufsleben brauchen Unterstützung, damit der Einstieg in weiterführende Schulen, in Ausbildung und in den Beruf gelingt.

Die Bedingungen des Aufwachsens werden heute in einer Verschränkung von öffentlicher und privater Verantwortung gestaltet. Der in den vergangenen Jahren zu beobachtende Ausbau der Ganztages- und der Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg unterstreicht dies. Schule und Jugendhilfe sind dabei unverändert herausgefordert, zu einem neuen Selbstverständnis ihrer jeweiligen pädagogischen Arbeit zu kommen, ihr Bildungsverständnis zu erweitern und gemeinsam zum Wohle des Aufwachsens der Kinder und Jugendlichen weiterzuentwickeln

  • Bildung fordert einen intensiven Einsatz von Förderprogrammen bereits vom frühkindlichen Alter an. Längeres gemeinsames Lernen stellt die individuelle Förderung der Entwicklung aller Kinder in den Mittelpunkt, ungeachtet ihrer Herkunft.
  • Bildung ist die Sicherstellung einer quantitativ und qualitativ guten Kindertagesbetreuung für alle Altersgruppen durch einen weiteren bedarfsgerechten Ausbau von Plätzen in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege sowie einer kontinuierlich verbesserten Schulkindbetreuung. Eltern bedürfen in diesem Zusammenhang der Unterstützung bei der Suche nach einem geeig-neten Förder- und Betreuungsangebot und bei der Gestaltung von Übergängen.
  • Der weitere Ausbau von Familienzentren als Orte für Familien und Kinder ist unverändert notwendig, damit Eltern nicht nur Unterstützung erfahren, sondern auch aktiv an der Entwicklung und Bildung ihrer Kinder beteiligt sein können.
  • Bildung erfordert eine Bildungskooperation zwischen Schule und Jugendhilfe, zwischen formeller, informeller und non-formaler Bildung. Im Blick ist dabei die Vision der Gestaltung eines Lernortes, der durch Schule und Jugendhilfe gemeinsam verantwortet wird.
  • Es bedarf einer kommunalen Struktur für Bildungskontinuität sowie der Mitgestaltung von Lernlandschaften in Stadt- und Ortsteilen mit verlässlichen, ganztägigen und rhythmisierten Bildungsangeboten.
  • Bildung muss inklusiv sein und Kinder mit und ohne Behinderung sowie Kinder mit besonderem Förderbedarf benötigen individuelle Unterstützung.
  • Für die gelingende Integration junger Menschen mit Migrationshintergrund ist Bildung eine grundlegende Voraussetzung. Die Vermittlung von Sprach- und kultureller Kompetenz als Schlüssel zu individuell erfolgreichen Bildungswegen muss hier für alle Altersgruppen gewährleistet sein.
  • Städte und Gemeinden müssen bei der Bildungskoordination und -steuerung aktiv mitarbeiten.
  • Bildung im Sinne des „Bürgerschulkonzepts“ bedeutet die weitere Angleichung der Finanzierung von allen Schulen in frei-gemeinnütziger Trägerschaft an die der öffentlichen Schulen.
  • Auch wenn die Bedeutung von Bildung allseitig betont wird, brauchen junge Menschen für ihr Wohl, ihr Aufwachsen und ihre persönliche Entwicklung auch weiterhin Frei- und Zeiträume für ihr eigenständige (Lern-)Erfahrungen.