Der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg gliedert sich in Kreisverbände, deren Rechtsträger der Landesverband ist. Die Kreisverbände ermöglichen den Erfahrungsaustausch, die Zusammenarbeit und die gemeinsame Interessenvertretung der Mitgliedsorganisationen im Stadt- bzw. Kreisgebiet. Der Verband bildet mit seinen Mitgliedern auf Orts- und Kreisebene Netzwerke, in denen die Interessen und das Fachwissen der einzelnen Organisationen gebündelt, Synergien genutzt und bedarfsgerechte Angebote entwickelt werden können. Zusammen mit seinen Mitgliedsorganisationen repräsentiert der PARITÄTISCHE in der Regel einen bedeutenden Teil der sozialen Infrastruktur vor Ort. Dazu gehören Einrichtungen der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, der Altenhilfe, der Behindertenhilfe und Psychiatrie, der Sucht- und Drogenhilfe, der Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe, der sozialen Beschäftigung, sowie zahlreiche Selbsthilfegruppen. Mit seinen vielfältigen Anbietern sozialer Dienste in den Reihen seiner Mitgliedsorganisationen ist der PARITÄTISCHE als Netzwerker vor Ort präsent. Fachliche Arbeitskreise und gemeinschaftsbildende Aktivitäten verbinden, geben Impulse und tragen zur Qualität und Fachlichkeit der vor Ort geleisteten sozialen Arbeit bei. Der Verband ist damit auf allen Ebenen – Bundes-, Landes- und Kommunaler Ebene – vertreten. Das bietet die Möglichkeit in einer Vielzahl von Gremien Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen und für und mit seinen Mitgliedern Lobbyarbeit zu leisten.

Die Regionalisierung im PARITÄTISCHEN Baden-Württemberg begann 1991/92. Seitdem wurden regionale Untergliederungen in nahezu allen Stadt- und Landkreisen als Kreisverbände des PARITÄTISCHEN gebildet. Die Kreisverbände sind in 38 Gebiete unterteilt. In sieben der neun kreisfreien Städte wurde mit dem jeweils umgebenden Landkreis ein gemeinsamer Kreisverband gebildet. Die Kreisverbände werden entsprechend den örtlichen Gegebenheiten und Erfordernissen von unterschiedlich stark besetzten ehrenamtlichen Vorständen geführt. 2016 waren 121 ehrenamtliche Vorstandsmandate in 34 Kreisverbänden besetzt.

Die Aufgaben der Kreisverbände entsprechen im Wesentlichen denen des Landesverbandes im örtlichen Zuständigkeitsbereich. Dazu gehören insbesondere :

  • Sozialpolitische Vertretung des Verbandes im regionalen Umfeld
  • Förderung des Erfahrungsaustausches und der Zusammenarbeit unter den Mitgliedsorganisationen, Information und Beratung sowie Unterstützung gegenüber den örtlichen Verwaltungen und kommunalpolitischen Gremien
  • Gemeinsame Interessenvertretung und Mitarbeit in den örtlichen Arbeitsgemeinschaften der Wohlfahrtsverbände (Liga) und in den kommunalen Fachausschüssen und Arbeitskreisen (Jugendhilfe- und Sozialausschuss etc.)
  • Werbung, Öffentlichkeitsarbeit und Sammlungen
  • Gemeinsame Aktionen der Mitgliedsorganisationen oder mit anderen Wohlfahrtsverbänden


In nahezu allen Stadt- und Landkreisen arbeitet der PARITÄTISCHE in der örtlichen Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände (Liga) mit. Des Weiteren ist er in zahlreichen Fachgremien auf Kreis- bzw. Gemeindeebene vertreten. Die Kreisverbände sind bestrebt, einen Sitz als verbandliche Vertreter in kommunalen Gremien zu besetzten, soweit die Beteiligungsmöglichkeiten für Vertreter der Wohlfahrtsverbände bzw. für sogenannte sozial erfahrene Personen gegeben ist. Eine wesentliche lokale Aufgabe in den Regionen ist es, paritätische Vertreter aus Mitgliedsorganisationen als Vertreter des Verbandes in den kommunalen Gremien zu beteiligen und Informations- und Kommunikationsnetzwerke un-ter den Mitgliedsorganisationen zu etablieren.

Mit der Einrichtung einer Stabsstelle Regionalisierung wurde 2007 ein weiterer Schritt zur Stärkung der Kreisverbände vor Ort unternommen. In der Mitgliederversammlung 2012 wurde dann die überarbeitete Kreisverbandsordnung verabschiedet, auf deren Basis die Verbandsarbeit vor Ort, die Präsenz des PARITÄTISCHEN und die regionalen Ressourcen weiter gestärkt wurden, um die Mitglieder durch regionale Kooperationen und Austausch bestmöglich zu vernetzen. Mittlerweile repräsentieren elf hauptamtlich besetzte Regionalgeschäftsstellen und zwei Regionalassistenzen den PARITÄTISCHEN in den Regionen und unterstützen die Kreisverbände.

Mit dem Generationswechsel und der neu berufenen Vorstandsvorsitzenden hat der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg 2016 einen weitreichenden Strukturentwicklungsprozess eingeleitet, um bestmögliche Synergien der Verbandsarbeit auf Landesebene und in den Regionen weiter auszubauen. Angesichts der fortschreitenden Kommunalisierung und sozialräumlichen Ausrichtung sozialer Aufgaben – nach der Jugendhilfe, die Behindertenhilfe, die Altenhilfe und auch die Flüchtlingsarbeit – wird es immer wichtiger, die Kräfte des Verbandes in den Regionen vor Ort zu stärken. „Starke Zentrale – starke Regionen“ ist das verbindende Leitmotiv dieses Prozesses.

Im Zuge der Nachfolgeregelung wurde 2017 die Stelle der regionalen Verbandsarbeit mit einer Doppelspitze von jeweils zwei halben Stellen für die Bereichsleitungen in Baden und Württemberg besetzt. Analog dem Auftrag aus der Mitgliederversammlung 2016 besteht zu Beginn die Aufgabe darin, bei allen Kreisverbänden eine Bestands- und Bedarfserhebung durchzuführen und Perspektiven für die Zukunft zu eruieren. Des Weiteren werden Kooperationsmöglichkeiten vor Ort (z. B. Regionalverbünde) ausgelotet und neue Finanzierungs-modelle diskutiert. Im Fokus steht dabei, u. a. auch tragfähigere und effektive Kommunikationsstrukturen zwischen den Akteuren auf den unterschiedlichen Ebenen zu etablieren.

Die Kommunikation unterliegt besonderen Anforderungen, da die Kooperation von zentralen und regionalen Ebenen mit externen Schnittstellen eine wesentliche Grundlage bildet. Eine besondere Herausforderung besteht darin Hauptamt und Ehrenamt sowie den oft nicht homogenen, sehr vielfältigen Interessen der Mitgliedsorganisationen gerecht zu werden. Der Prozess wird unterstützt durch das ESF-Projekt „rückenwind“ unter Federführung der Stabsstelle Organisationsentwicklung, Personalentwicklung und Changemanagement mit dem Ziel, ein Kommunikationsmodell zu entwickeln. In einem nächsten Schritt soll der Strukturentwicklungsprozess in der regionalen Verbandsarbeit im Rahmen von Regionalkonferenzen mit den Mitgliedsorganisationen in den Regionen breit reflektiert und diskutiert werden, um mit den Mitgliedern vor Ort zur Bewältigung der vielfältigen sozialpolitischen Aufgaben des Verbandes abgestimmte Organisations- und Arbeitsformen festzulegen.