Wer an den Dingen des Sozialraums keinen Anteil nimmt, ist ein stiller, unsichtbarer Bürger. Das
sagte Perikles, einer der führenden Staatsmänner Athens und der griechischen Antike schon
zirka 500 Jahre vor unserer christlichen Zeitrechnung. Perikles sah in der öffentlichen Diskussion
mit dem Volk die unbedingte Voraussetzung politischen Handelns.

Die Organisationsform der Sozialgenossenschaften kann für die Menschen genau als eine solche
Chance partizipativer Beteiligungsmöglichkeit gesehen werden. Sie spielen eine wichtige Rolle
bei der Förderung und Aktivierung des gesellschaftlichen Engagements der Bürger, insbesondere
wenn es darum geht, möglichst viele Menschen in Entscheidungsprozesse mit einzubeziehen.
Die Kompetenzen der Bürger und ihr Vermögen innovativer Impulsgeber zu sein, sind eine herausragende
Ressource für Solidarität und Selbstorganisation.

Die gemeinnützigen Sozialgenossenschaften bieten in ihren facettenreichen Einsatzbereichen
vielfältige Potenziale für das gesellschaftliche Zusammenleben. Genossenschaften sind seit ihrem
historischen Ursprung Ausdruck gesellschaftlich verantwortungsvoller Unternehmensformen.

Die gemeinschaftliche Daseinsvorsorge in der Gemeinde entspricht dem traditionellen Anspruch
der Genossenschaft. Sie wird dadurch zum Instrument des Zugangs zu Leistungen, Existenzsicherung
und sozialer Integration, auch für benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Als soziale
und wirtschaftliche Gemeinschaft wird soziales Kapital entwickelt und soziale Kohäsion gefördert sowie die Basis einer nachhaltigen Entwicklung im regionalen und lokalen Raum gelegt. Sie
bezieht sich auf Infrastrukturleistungen wie die Versorgung mit Wohnraum, Lebensmitteln,
Energie, Wasser etc. Partizipationsstrukturen können so etabliert und gefördert und effektive
und effiziente Problemlösungen durch innovative Ziele erreicht werden. Dadurch übernehmen
die Bürger soziale und gesellschaftspolitische Verantwortung. Sie verzichten darauf, innerhalb
einer sozialen Beziehung die eigenen Bedürfnisse auf Kosten anderer Bedürfnisse durchzusetzen
und werden damit zum Schrittmacher, um andere und neue Verhaltensweisen für ein gelungenes
Zusammenleben zu etablieren.

Die gemeinnützigen Sozialgenossenschaft wird zu einer funktionsfähigen Alternative und erweitert
die Vielgestaltigkeit des sozialen Lebens. Durch die solidarische Form der Koproduktion kann
in einem Hilfemix eine neue Qualität entstehen. Damit wird sie zu einem Baustein zum Erhalt
und zur Erweiterung der sozialen Infrastruktur (Freie Wohlfahrtspflege, Ehrenamt und Sozialunternehmen).
Gerade im ländlichen Raum kann das kollektive sozialgenossenschaftliche Handeln
weit mehr erreichen, um dem Strukturwandel und der wirtschaftlichen Abwanderung zu begegnen.
Die Sozialgenossenschaften verfügen über ein hohes Identifikationspotenzial, das zur
Bündelung (räumlich) verteilter Interessen und zur Stärkung des Zusammenhalts genutzt werden
kann. Best-Practice-Beispiele gibt es bereits mancherorts wie z. B. zur Schaffung sozialer Anlaufpunkte
und kultureller Treffpunkte, zur Aufrechterhaltung der Nahversorgung, zur Schaffung
von Mobilität im Alter und von Pflegeangeboten, aber auch zur Integration geflüchteter Menschen.

Herausforderung wird an dieser Stelle sein, die gemeinnützigen Sozialgenossenschaften nicht mit
der Problemlösung in heterogenen Geschäftsfeldern zu überfordern, die originär staatliche
Aufgaben sind. Ein Großteil des Engagements in den Sozialgenossenschaften wird durch bürgerschaftlich
Engagierte eingebracht. Grenzen können hier durch fehlende fachliche Qualifikation
sowie fehlende Zeit entstehen. Auch die vielfältigen Alternativen bürgerschaftlichen Engagements
können zur Limitierung
der Ressourcen führen und Interessendifferenzen das
gemeinsame Handeln erschweren.

Um einer Überforderung entgegenzutreten, ist es wichtig, einen Überblick über die vorhandenen
Strukturen und Möglichkeiten zu haben. Es bedarf eines gesunden Umgangs mit den vorhandenen
Ressourcen. Netzwerkkoordinatoren in den Kommunen können zukünftig eine solche
Aufgabe wahrnehmen und als Schnittstelle fungieren. Darüber hinaus sollten Unterstützungsleistungen
und Beratungsmöglichkeiten zur Gründung und Organisation vor Ort bereitgestellt
werden. Dies könnte eine Art „Lotsendienst“ für bürgerliche Initiativen usw. sein, der in der
Orientierungs- aber auch Gründungsphase Unterstützung leistet. Auch finanzielle Unterstützungen
in Form von Anschubfinanzierungen wären wünschenswert.