1. Sozialinnovatives Management durch Sozialgenossenschaften
Dem Begriff der Sozialgenossenschaften kann ein breites Spektrum an gemeinnützigen Genossenschaftsformen
in sehr unterschiedlichen Bereichen wirtschaftlicher Betätigung zugeordnet
werden, deren Mitglieder oder Beschäftigte im sozialen Sektor arbeiten bzw. dort zuzuordnen
sind. Die zunehmende Ökonomisierung und Umstrukturierung des Nonprofi-Sektors und die stetigen Kürzungen des Budgets der öffentlichen Hand führen zu einem Paradoxum: Sozialstaatliche
Korrekturen zur Bewältigung der Problemlagen werden mit marktwirtschaftlichen Mitteln
bewältigt – also denen, die sie erzeugen. Viele Sozialbetriebe können ihren primär sozial ausgerichteten
Verpflichtungen auf Grund des erhöhten wirtschaftlichen Drucks nicht mehr gerecht
werden. Sozialgenossenschaften haben hingegen das Potenzial ökonomischen, politischen und
gesellschaftlichen Veränderungen standzuhalten, den veränderten Ansprüchen an die Soziale
Arbeit gerecht zu werden und ihnen durch ihre Organisationsstruktur Rechnung zu tragen.
Bei den Sozialgenossenschaften werden soziale Aufgaben und unternehmerisches Handeln
miteinander verknüpft. Mitglieder der Sozialgenossenschaften sind meist die Menschen und
Institutionen vor Ort. Die Sozialgenossenschaft will jedoch die staatliche Daseinsvorsorge nur
ergänzen. Die Abgrenzung zwischen staatlichen Sozialaufgaben und freiwilligem Engagement
muss zukünftig klar sein. Die Sozialgenossenschaften können die soziale Infrastruktur und das
Gemeinwesen innovativ stärken, neue Wohnformen fördern sowie Versorgungslücken im Gesundheitswesen schließen.
Gemeinnützige Sozialgenossenschaften mit gemeinschaftlicher, unternehmerischer Verantwortung
und der Verbindung von Sozial- und Wirtschaftsorganisation können als Innovationen bezeichnet
werden. Hier werden von gegenwärtigen Unternehmensstrukturen abweichende Formen
der Steuerung, der Kooperation und der Zusammenarbeit in innovativen Lernfeldern genutzt
und die soziale Kompetenz erweitert sowie durch gelebte Partizipation Teilhabe gefördert.
Zum Erhalt der sozialen Infrastruktur – gerade im strukturschwachen ländlichen Raum – sind
innovative Ideen wie beispielsweise Dorfläden, Bürgerbusse, Bürgerbäder, Bibliotheken, gefragt.
Es entstehen gerade hier neue Tätigkeitsfelder mit Gemeinwesenbezug, die produktivgenossenschaftlichen oder auch hilfsgenossenschaftlichen Charakter haben.