1. Genossenschaftliche Werte und Prinzipien
Genossenschaften basieren auf besonderen Werten oder auch Prinzipien, die als Ziele analysiert werden können. Im Folgenden werden die wichtigsten Prinzipien, die Genossenschaft charakterisieren, genannt. Diese finden sich ihrem Grundgedanken nach im Genossenschaftsgesetz wieder.

Demokratie
Das Prinzip „ein Mitglied – eine Stimme“, unabhängig von der Kapitaleinlage, verweist auf die demokratische Verfassung der Genossenschaft. Die Mitglieder sind aufgerufen, sich persönlich an der Willensbildung zu beteiligen. Die Übertragung des Stimmrechts ist nicht vorgesehen (vgl. § 43 Abs. 3 GenG). In Unternehmergenossenschaften kann das Stimmrecht abweichend vom Grundprinzip geregelt werden.

Selbsthilfe
Die Genossenschaftsmitglieder verfolgen (mindestens) ein gemeinsames Ziel, für das sie sich zusammenschließen und kooperieren. Aus dem Selbsthilfegedanken folgt die Freiwilligkeit des Eintritts, die Möglichkeit, neue Mitglieder aufzunehmen, und der jederzeit mögliche Austritt (offene Mitgliedschaft). Zum Selbsthilfegedanken gehört auch das Bestreben nach möglichst geringer Abhängigkeit von Dritten.

Förderung
Die Mitgliederförderung bedeutet, dass die Genossenschaft ein Instrument der gemeinsamen Selbsthilfe ist. Jedes Genossenschaftsmitglied sorgt eigenverantwortlich für sich selbst. Die kollektive Selbsthilfe eröffnet dem Einzelnen Möglichkeiten, die er alleine nicht erreichen kann. Die gemeinschaftliche Selbsthilfe soll das Mitglied in seinen wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Belangen unterstützen (vgl. § 1 GenG).

Solidarität
Das Solidaritätsprinzip befördert das Thema „Unternehmenskultur“. Es geht um die Ausprägung genossenschaftlicher Werte, Einstellungen und Verhaltensweisen. Durch die Betonung bestimmter Werte und der damit verbundenen Verhaltensweisen kann eine höhere Stabilität erreicht werden.

Selbstverantwortung
Dieses Prinzip, das die gemeinsame Haftung der Mitglieder betrifft, greift heutzutage nicht mehr so stark wie zu den Gründungszeiten der Genossenschaft im 19. Jahrhundert. In der Regel ist die Haftung auf den Genossenschaftsbetrieb beschränkt und jedes Mitglied haftet nur mit seinen Genossenschaftsanteilen. Die Satzung kann auch die persönliche Haftung ausschließen. Die Genossenschaften sind eine relativ konkursresistente Unternehmensform.

Identität
In Genossenschaften sind Eigentümer und Nutzer identisch. So können Konflikte vermieden werden, die aus den unterschiedlichen Interessen der Kapitalanleger und Kunden resultieren. Beispielsweise zwei Gruppen, die sich sonst wie Vermieter und Mieter am Markt gegenüberstehen, werden identisch unter dem Dach der (Wohnungs-)Genossenschaft und geben so ihre „einseitige“ Rolle ab. Das Marktprinzip wird zugunsten der Selbstverwaltung punktuell aufgehoben.

Selbstverwaltung
Die Genossenschaft und ihr Vermögen stehen ausschließlich im Eigentum ihrer Mitglieder. Diese führen und kontrollieren die Organisation (vgl. § 9, 24, 36 GenG).

Weitere Prinzipien sind das Regionalprinzip und die Dezentralität, wonach Genossenschaften meist auf regionaler und lokaler Ebene dezentral agieren und in der Realwirtschaft verankert sind, und Subsidiarität, die Maxime, dass Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und die Entfaltung der Fähigkeiten der Individuen und der Gemeinschaft angestrebt werden.

Die wichtigsten Kernprinzipien der (Sozial-)Genossenschaft im Vier-Säulen-Modell auf dem
Fundament der langfristigen Mitgliederorientierung und regionalen Verankerung sind: