Genossenschaften sind Teil der Bürgergesellschaft. Sie setzen nicht nur auf staatliche Hilfe, sondern auf freiwilliges, gemeinsames Handeln, um ökonomische und soziale Probleme zu lösen. Genossenschaften vernetzen mit ihren Ideen Menschen – wirtschaftlich und gesellschaftlich – und ermöglichen so Partizipation. Herausforderungen, die sich aus dem demografischen Wandel ergeben, machen den Sozialraum als Ort der Gemeinschaft noch bedeutsamer.
Der PARITÄTSICHE sieht in der Verknüpfung von Wohnen, Nachbarschaft, Kultur und Versorgung
ein großes Potenzial für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Oft entstehen neue Genossenschaften
aus bürgerschaftlichem Engagement für das soziale Umfeld, den Stadtteil und das
Gemeinwesen. (Sozial-)Genossenschaften sind Spiegelbild für die Vielgestaltigkeit der sozialen
Welt, ihrer Lebensformen, ihrer Ideen und Überzeugungen. Im originären Sinn stellen sie „Selbsthilfeeinrichtungen“ dar und verbessern die örtlichen Lebensbedingungen durch die Verfolgung
eines sozialen Unternehmenszwecks. Sie verbinden gemeinschaftliche soziale Aufgaben mit
unternehmerischen Handlungsinstrumenten, getragen von den genossenschaftlichen Grundprinzipien:
Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Demokratie.
Der PARITÄTISCHE sieht gerade in der gemeinnützigen Sozialgenossenschaft eine Chance, die
Lücke zwischen der gemeinnützigen GmbH und dem eingetragenen Verein zu schließen. Unter
ihrem Dach können sich u.a. Bürgerschaft, Selbsthilfe, Kommunen, Wohlfahrtsverbände und
Vereine zusammenfinden.
Gemeinnützige Seniorengenossenschaften rücken vor dem Hintergrund des demografischen
Wandels für die Zielgruppe der älter werdenden Gesellschaft in den Fokus. Es geht hierbei um
verbindliche Formen der Unterstützung und Betreuung bei Hilfebedarf im Alltag, um sozialen
Austausch und gesellschaftliche Teilhabe. Durch sie kann ein selbstbestimmtes Leben und längeres
Wohnen in der vertrauten Umgebung Wirklichkeit werden.
Die traditionellen Wohnungsbaugenossenschaften spielen für die Gestaltung inklusiver Sozialräume
zukünftig eine wachsende Rolle. Neuere Entwicklungen zeigen, dass sie vermehrt Konzepte
mit gemeinschaftlichen und solidarischen Unterstützungsformen entwickeln und somit als
„Stabilisatoren“ in den Nachbarschaften wirken. Die Gestaltung zukunftsorientierter Wohn- und
Lebensformen sowie die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts bilden vor dem Hintergrund
demografischen und sozialen Veränderungen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Ursel Wolfgramm
Vorstandsvorsitzende
Der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg