Zwischenbilanz: Stuttgarter Modellprojekt „FAIRmieten“ ist erfolgreich

Pressemitteilung - geschrieben am Freitag, 19. Februar 2021 - 13:23

Stuttgart 19.02.2012    Einen sofortigen bundesweiten Mietenstopp für die kommenden sechs Jahre fordert die neue Kampagne „Mietenstopp", die heute von sechs Kampagnenvertreter*innen (Deutscher Mieterbund, Deutscher Gewerkschaftsbund, Paritätischer Gesamtverband, 23 Häuser sagen NEIN (Berlin), #ausspekuliert (München) und Recht auf Stadt Köln) vorgestellt wurde. Anlass ist eine Konferenz der Bundesregierung. Auf dieser will die Regierung am kommenden Dienstag, 23. Februar 2021, ihre Wohnraumoffensive bilanzieren.

Der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg nimmt das zum Anlass, um auf den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in der Region Stuttgart aufmerksam zu machen. Gleichzeitig zieht der Verband eine positive Zwischenbilanz seines Stuttgarter Modellprojekt „FAIRmieten“. Hier konnten innerhalb der letzten zwei Jahre 15 Wohnungen und ein Mehrfamilienhaus sozialen Trägern angeboten und so an Klient*innen untervermietet werden. Dabei kooperiert der Verband mit selbständigen Immobilienmaklern der Postbank Immobilien GmbH.

„Die dramatische Situation auf dem Stuttgarter Wohnungsmarkt hat katastrophale Auswirkungen auf sozial benachteiligte Menschen. Geringverdienende, Familien, Menschen mit Migrationshintergrund, Ältere aber auch Menschen in schwierigen Lebensumständen haben so gut wie keine Möglichkeit, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Dazu kommt, dass der Bestand an Sozialwohnungen immer weiter zurückgeht. Ende 2019 standen 4700 Haushalte auf der Vormerkliste der Stadt Stuttgart für eine Sozialwohnung. Das ist gegenüber 2011 (2834 Haushalte) eine Steigerung von 65,8 Prozent“, erläutert Ursel Wolfgramm, Vorstandsvorsitzende des PARITÄTISCHEN Baden-Württemberg. Wohnen werde auch in Baden-Württemberg mehr und mehr zur sozialen Frage. Dabei habe die finanzielle Situation eines Menschen nichts mit seiner Eignung als Mieter zu tun. „Mit dem Projekt FAIRmieten setzen wir uns für mehr soziale Gerechtigkeit am Wohnungsmarkt ein. Die Idee ist einfach: Mit Hilfe der kooperierenden Makler suchen wir Wohnungsbesitzer*innen, die bereit sind, ihre Wohnung an eine soziale Organisation zu vermieten. Unsere Träger mieten diese Wohnungen und vermieten sie an die von ihnen betreuten Menschen unter“, so Wolfgramm. Für Wohnungsbesitzer seien soziale Organisationen als Mieter attraktiv. Das zeige die positive Zwischenbilanz des Modellprojektes nach zwei Jahren.

„Das Projekt FAIRmieten ermöglicht es uns, Klient*innen aus oftmals überfüllten Wohneinrichtungen in eigenen Wohnraum zu vermitteln und dort die erste Zeit weiter zu unterstützen, wenn sich deren Situation insoweit stabilisiert hat, diesen nächsten Schritt zurück in ein eigenständiges Leben zu gehen. Im vergangenen Jahr konnten wir so vier Klient*innen eine Wohnung vermitteln“, erklärt Maike Watzlawik, Sozialarbeiterin bei PräventSozial in Stuttgart. Im Rems-Murr-Kreis sei es sogar gelungen, ein ganzes Haus anzumieten und dort eine Wohngruppe mit fünf Betreuungsplätzen einzurichten. Bei diesem Konzept gewinnen alle Seiten: Sozialbenachteiligte Menschen, die sonst kaum Chancen haben, auf dem Markt eine bezahlbare Wohnung zu finden, erhalten durch FAIRmieten die Möglichkeit, selbstständiger und selbstbestimmter ihre Zukunft zu gestalten. Vermieter*innen schließen den Mietvertrag mit der betreuenden Sozialorganisation ab, wodurch zum einen ein zuverlässiger Mietzahlungsfluss gewährleistet ist und zum anderen gegebenenfalls notwendige Hilfestellungen für die Klientel durch die Betreuungseinrichtung professionell und zielgerichtet vorgehalten werden können“, so Watzlawik.

Darüber hinaus fordert der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg von der Landesregierung:

■ Eine landesweit abgestimmte Strategie zum Ausbau präventiver Angebote und Konzepte zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit.

■ Weitere Maßnahmen des Landes, um den Schwund an Sozialmietwohnungen zu stoppen und zur nachhaltigen Sicherung von Sozialwohnungen beizutragen.

■ Gesetze und Verordnungen, die den Wohnungsbau teurer machen, kritisch zu prüfen und ggf. anzupassen.

■ Die Investitionsförderung des Landes für die Wohnungsnotfallhilfe deutlich zu erhöhen.

Informationen zum Projekt „FAIRmieten“ unter www.faire-vermieter.com und zur Kampagne "Mietenstopp! Denn dein Zuhause steht auf dem Spiel" unter www.mietenstopp.de sowie Pressemitteilung https://www.der-paritaetische.de/presse/bilanz-der-wohnraumoffensive-der-bundesregierung-neue-kampagne-fordert-mietenstopp-fuer-sechs-jahre/

Pressekontakt PräventSozial Justiznahe Soziale Dienste gemeinnützige GmbH: Sabine Kubinski, Stabsstelle Kommunikation & Projektentwicklung Prokuristin, Tel. 0711/23988483, mobil 0151 52663053, E-Mail: kubinski@praeventsozial.de

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